Die staatliche Rente reicht für die heute 30 bis 50-Jährigen nicht mehr aus, um ihren Lebensstandard zu halten, wenn sie in Rente gehen. Die umlagenfinanzierte Rente ist daher zu ergänzen. Hier bieten sich auch nachhaltige Konzepte an, weil sie stark auf langfristig solide Renditen setzen – und beachten dabei ökologische, soziale und ethische Kriterien.
Immer mehr Menschen legen ihr Geld bereits in derart konzipierte nachhaltige Investmentfonds an. Fast zwei Drittel der Deutschen meinen, dass sich diese auch gut für die private Altersvorsorge eignen, wie 2006 eine repräsentative Umfrage von AXA Investment Managers und dem Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest ergab. Doch noch ist vielen Arbeitnehmern unbekannt, wie man seine Altersvorsorge entsprechend ausrichten kann. Nachhaltige Produkte bilden Zukunftsthemen ab, wie Klimaschutz und Umwelttechnik, und seien daher für jeden Anleger interessant, ob er nachhaltiges investieren wolle oder nicht, meint Dietmar Vogelsang, Sachverständiger für Kapitalanlagen. Er empfiehlt, Anbieter zu wählen, die hierbei schon längere Erfahrung und einen guten Namen haben.
Arbeitnehmer sollten zunächst bei ihrem Arbeitgeber nachfragen, wie die für die Betriebsrente gesparten Gelder angelegt werden. Denn seit August 2005 müssen nicht nur Pensionsfonds, sondern auch Betriebspensionskassen und betriebliche Direktversicherungen die Verbraucher vor Vertragsabschluss über öko-soziale Anlageziele informieren und den Versicherten einmal im Jahr offen legen, ob und wie sie nachhaltige Kriterien bei der Kapitalanlage berücksichtigen. „Die Berichtspflicht wirkt besonders bei neu entstehenden Pensionsfonds: fast ein Viertel wendet zumindest für einen Teil ihres Portfolios Nachhaltigkeitskriterien an“, stellt Cornelia Dereje vom Forum Nachhaltige Geldanlagen fest.
Während sich in Österreich bereits vor Jahren drei von neun Branchenpensionskassen und sieben von neun Mitarbeitervorsorgekassen zu entsprechenden Kriterien verpflichtet haben, bot in Deutschland die Metallrente lange den einzigen komplett nachhaltigen Pensionsfonds. Ende Juni lag das Volumen bei 35 Mill. Euro. Inzwischen berücksichtigen zahlreiche Pensionsfonds und –kassen nachhaltige Anlagekriterien, ergab eine Analyse des Freiburger Öko-Instituts.
Die staatlich geförderten Riester-Renten-Produkte müssen nachhaltige Anlagekriterien ebenfalls transparent machen. Sie bieten eine Garantie auf die eingezahlten Beiträge und sie setzen meist auf eine Mischung aus Aktien-, Renten- und Immobilienwerten. Unter den tausenden Angeboten bestehen aber nur einige mit nachhaltigen Konzepten.
Arbeitnehmer können auch selbst eine nachhaltige Altersvorsorge abschließen. Zwar gibt es weder Berichtspflicht noch staatliche Förderung, aber die spätere Rente ist großenteils von Steuern befreit. Anders als die klassische Konkurrenz legen nachhaltige Altersvorsorgeprodukte die Prämie ganz oder teilweise in Investmentfonds mit ökologischen, sozialen und/oder ethischen Kriterien an. Fondsgebundene Kapitallebensversicherungen bieten die höchsten Ertragschancen – sie hängen von der Fondsauswahl und der Börsenentwicklung ab. Rentenversicherungen bieten die höchsten Garantieleistungen, allerdings gibt es kaum nachhaltige Rentenversicherungen mit Mindestverzinsungen.
Die Nachfrage nach privaten und betrieblichen „grünen“ Altersvorsorgeprodukten wächst in Deutschland stetig, stellen das Ökoinstitut und Anbieter fest. Gefragt sind insbesondere die Riester-Renten: Bei der Umweltbank stieg die Zahl derartiger Neuverträge vergangenes Jahr um 29 Prozent an, deren Beitragsvolumen betrug 9,1 Mill. Euro. Trotzdem ist der Markt nachhaltiger Altersvorsorge immer noch sehr kleine eine Nische, der von wenigen, meist spezialisierten Anbieter dominiert wird. Die Konzepte von Spezialisten und konventionellen Anbietern sind sehr unterschiedlich, Vergleiche sind daher angeraten. Eine aktuelle Übersicht über mehr als 50 Produkte bietet das Öko-Institut auf » www.ecotopten.de.
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Den Ton geben auf diesem Markt seit Mitte der 90er Jahre die Stuttgarter Provita in Kooperation mit der schwedischen Scandia an, die Oeco Capital, eine hundertprozentige Tochter der Hannoveraner Concordia, sowie die Dortmunder Continentale. Sie legen die gesamte Prämie - nach Abzug der Kosten versteht sich - nach ethischen und/oder ökologischen Kriterien an, sowohl bei Riester- als auch bei Versicherungsprodukten.
Produkte konventioneller Anbieter legen hingegen vielfach nur einen Teil des Kapitals nach öko-sozialen Kriterien an oder investieren nur beim Verzicht auf Garantiekapital komplett nachhaltig. Sparer sollten darum darauf achten, dass ein externes Gremium, wie beispielsweise ein Anlageausschuss, über die Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien wacht, empfiehlt die Nicht-Regierungsorganisation Germanwatch.
Anders als die nachhaltigen Riesterkonzepte und solche spezialisierter Anbieter, die in eine ausgewogene Mischung von Aktien-, Immobilien- und Rentenfonds investieren, setzen die meisten herkömmlichen fondsgebundenen Versicherungen überwiegend auf Aktien, was das Risiko erhöht. „Das verstößt gegen alle Grundprinzipien des Anlageverhaltens“, urteilt Anlageexperte Josef Wiechers. Risikostreuung und Gewinnabsicherung sollten in keinem Topf fehlen, bestätigt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie kritisiert, dass bei den konventionellen Versicherern selten zwischendurch eine Änderung des Anlageschwerpunkts möglich sei. Dadurch können - insbesondere beim Älterwerden - Gewinne nicht abgesichert werden und bei ungünstiger Kapitalmarktentwicklung eine Rentenlücke drohen.
Produkte spezialisierter Anbieter bieten Anlegern hingegen Flexibilität und ein geringeres Risiko. Beispiel dafür sind die fondsgebundenen Rentenversicherungen von Provita und dem schwedischen Versicherer Skandia. Je nach Sicherheitsbedürfnis kann man unter sieben Anlagestrategien wählen und jederzeit den Schwerpunkt kostenlos wechseln. Provita wurde unlängst erneut Sieger für Fondsversicherungen beim „Fonds-Versicherung-Test-Atlas“, der auf dem Rating des Researchhauses Franke & Bornberg beruht.
Provita-Geschäftsführer Stefan Maiss sagt: „Nachhaltige Investments schneiden prinzipiell besser ab als klassische - sofern sie gut gemanaged sind.“ Mit einem platzierten Beitragsvolumen von 170 Mill. Euro ist der Anbieter im Versicherungsmarkt zwar „eine relativ kleine Hausnummer“, wie Maiss einräumt, aber Zweitgrößter der Öko-Szene. Er zählt rund 4000 Personen zu seinen Kunden und hat auch betriebliche Produkte, die mehr als 200 Unternehmen nutzen, darunter Hewlett Packard, Hipp, RWE, SAP und Wüstenrot.
Die bange Frage mancher Anleger, ob sich nachhaltige Vorsorgeprodukte rentieren, ist beantwortet: Marktfähige Renditen und ein gutes Gewissen lassen sich vereinen, ermittelte „Ökotest“ bereits 2003. Ein konkretes Beispiel zeigt das: Oeco Capital verwaltete Ende Juni 193 Mill. Euro mit strengen ökologischen Anlagekriterien. Sozialkriterien gibt es nicht. Der Anbieter gehört beim Riesterrenten-Vergleich der Zeitschrift „Finanztest“ zu den sieben günstigsten Anbietern mit der relativ höchsten Garantieleistung überhaupt. Im Vergleich der ‚Börse-Online’ steht er auf Platz fünf.
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Die Continentale bietet seit 1994 die fondsgebundene Versicherung Life Time Öko, die die Prämien in fünf ökologisch und ethisch ausgerichtete Aktien- und Rentenfonds investiert. Zudem legte sie gleichzeitig zusammen mit der Anlagegesellschaft Versiko AG eine fondsgebundene Lebensversicherung auf, deren Beiträge in ökologische Investmentfonds fließen. In beiden Fonds verwaltet sie gut 20 Mill. Euro, so Jakob Wachter, Direktor Produktmanagement der Continentale. Dagegen ist die angebotene Rentenversicherung konventionell. Die Gelder aus der VersiRente von Versiko und Continentale werden nach eigenen Angaben nur zu 22 Prozent nachhaltig investiert. Die Rentenprodukte von Provita, Oeco Capital und dem Fairsicherungsladen sind zu hundert Prozent nachhaltig ausgerichtet.
Ein konsequentes Konzept mit viel Flexibilität bietet auch die 2003 aufgelegte „Oeco-net“ von Fairsicherungsladen und Swiss Life/ Schweizerische Rentenanstalt. Sie investiert ausschließlich nach nachhaltigen Gesichtspunkten in Fonds mit Aktien und festverzinslichen Wertpapieren. Allerdings verwaltete sie erst wenige Mill. Euro. „Die Verbraucher können zwischen drei Strategien wählen – vom sicheren Vermögensaufbau bis zur spekulativen Wachstumsstrategie“, sagt Wiechers, Chef des Fairsicherungsladens. Je nach Variante macht der Aktienanteil 20%, 50% oder 80% aus.
Außerdem können die Versicherten die Anlagestrategie drei Mal jährlich kostenlos anpassen. Bei hohen Aktienkursen, können sie vom spekulativen Topf in den festverzinslichen wechseln und den Wertanstieg absichern - und nach einem Kursrutsch auf niedrigem Niveau wieder einsteigen. Wer sich dem Rentenalter nähert, kann Aktienanteile niedrig halten und auf festverzinsliche Papiere umsteigen. Mit dem nach dem Muster manch klassischer fondsgebundener Versicherung gestrickten Angebot bereichert „oeco-net“ den Markt. Der Neuling verspricht langfristig eine gegenüber Öko- und klassischen Renten überdurchschnittliche Rendite / Auszahlung. Doch Vorsicht: Prognosen haften Unsicherheiten an. Zudem haben fondsgebundene Policen den Nachteil, keine Garantierente zu bieten.
Bei manchen spezialisierten Anbietern wie Provita können Versicherte konkrete Fondswünsche einbringen. „Diese Gestaltungsfreiheit für Anleger ist ein Trend, den konventionelle Anbieter aufgreifen, so dass Kunden auch bei klassischen Produkten eine Anlage in Ökofonds wählen können“, berichtet Ute Bomborsch vom Nachhaltigkeitsfondsanbieter Oekoworld, in dessen Fonds manche Vorsorgeprodukte investieren.
Bei der Allianz, dem deutschen Marktführer für Lebensversicherungen, sind die Möglichkeiten aber eingeschränkt. Seit 2003 können Kunden für alte und neue fondsgebunden Rentenversicherungen mitbestimmen, welchen Prämieanteil sie „grün“ anlegen. Aber es gibt keine Streuung auf mehrere Fonds, sondern es werden nur zwei hauseigene Nachhaltigkeitspublikumsfonds zur Auswahl angeboten. Und nur bei einer Fondsrente ohne Garantieleistung kann der gesamte Beitrag in Öko-Aktien fließen. Bei einer Fondsrente mit Garantiekapital legt die Allianz den für die Garantie nötigen Prämienteil hingegen klassisch in Renten-, Geldmarkt- oder Aktienfonds an. Über den Rest kann der Versicherte bestimmen und den Anlageschwerpunkt kostenfrei ändern. Der „grüne“ Anteil erreicht daher bei einer Garantierente kaum mehr als ein Drittel. „Eine wirklich nachhaltige Police wäre sie nur, wenn mehr als die Hälfte der Prämie in den Öko-Fonds fließen würde“, räumt Udo Rössler von der Allianz ein. Zwar hat sich der in den zwei Fonds nachhaltig angelegte Prämienteil seit Jahresende auf 3,1 Mill. Euro verdreifacht, aber damit ist die Allianz noch ein sehr kleines Licht in der Branche.
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Wegweiser
Überblick: Das Öko-Institut www.oekoinstitut.de. bietet auf der Öko-Produkt-Seite www.ecotopten.de einen Wegweiser durch den Informationsdschungel der nachhaltigen Altersvorsorge. Mehr als 50 Produkte werden beschrieben: » http://www.ecotopten.de/prod_vorsorge_prod.php
Internet: Die Konzepte, den Anteil an nachhaltigen Anlagen und die Art des Research der meisten Riester-Renten-Anbieter stellt die Onlineplattform » www.nachhaltiges-investment.org dar. Sie offenbart auch Lücken in der Informationspolitik mancher Anbieter.
Praxis: Einen Überblick über sinnvolle Formen der privaten Altervorsorge sowie praktische Hinweise und Unterstützung für die individuelle Planung bietet das „UmweltHaus am Schüberg“ in Seminaren gemeinsam mit der Katholischen Akademie Hamburg und dem Forum Nachhaltige Geldanlagen. Das nächste Seminar findet am 2/3. November statt. Infos: » schoenberger@haus-am-schueberg.org.
Im Test: „Ökotest“, „Finanztest“ und „Test Atlas“ prüfen immer wieder Renten- und Altersvorsorgeprodukte. Dabei schneiden manche nachhaltig orientierten Anbieter, die meist in den vergleichenden Tabellen als solche kenntlich gemacht werden, sehr gut ab.
Fallstricke
Wenig Nachhaltig: Produkte konventioneller Anbieter legen oft bloß einen Teil des Kapitals ökosozial an. Oder investieren nur beim Verzicht auf Garantiekapital komplett nachhaltig. Das unterscheidet sie stark von den Produkten der auf nachhaltige Altersvorsorge spezialisierten Anbieter.
Einseitige Orientierung: Die meisten Direktversicherungen investieren überwiegend in Aktien und haben anders als Riesterrenten keine ausgewogene Mischung zwischen Aktien-, Immobilien- und Rentenfonds. Das ist eine ungünstige Risikostreuung.
Mangelnde Flexibilität: Häufig ist keine Änderung des Anlageschwerpunkts während der Laufzeit möglich. Dadurch können insbesondere beim Älterwerden Gewinne nicht abgesichert werden.
Undurchsichtiger Markt: Finanzberater sind oft uninformiert und das Angebot nachhaltiger Produkte unübersichtlich. Wenn Versicherungen in verschiedene Fonds anlegen, die unterschiedliche Konzepte und Kriterien haben, erschwert das den Durchblick.
