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14.12.2007 
Steigende Benzinpreise

Saubere Dieselmotoren locken neue Kunden an

von Oliver Klempert

Lange Zeit gab es keinen Grund umzudenken: Benzin war billig – einen PKW mit Dieselmotor zu fahren, war für viele Amerikaner nicht vorstellbar. Die Fahrzeuge galten als Dreckschleudern. Heute sind solche Ansichten überholt – angesichts steigender Benzinpreise satteln mehr amerikanische Autofahrer auf die sparsamere Technik um.

DÜSSELDORF. Hauptgrund für den Trend: Der Benzinpreis in den USA ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Auch wenn Kraftstoff im Vergleich zu Europa noch immer billig ist – die Zahl der Autofahrer, die umsteigen nimmt zu. Marktforscher wie J. D. Powell sagen dem Diesel in den USA für 2015 einen Marktanteil von 15 Prozent voraus – derzeit liegt er gerade bei rund zwei Prozent.

„Autos mit Dieselmotor könnten eine Alternative werden“, bestätigt Volkswagen-Sprecher Harthmuth Hoffmann. „Die Motoren haben einen geringeren Kraftstoffverbrauch.“ Der kann bis zu 40 Prozent geringer sein als beim Benziner. VW will ab Frühjahr 2008 in Amerika den Jetta, der dort mit einem Benzinmotor bereits auf dem Markt ist, auch als „Clean Diesel“-Variantee anbieten. Und VW steht mit diesen Plänen nicht allein da. Auch Mercedes, Audi und BMW hoffen, in den USA die Erfolgsgeschichte zu wiederholen, die die Diesel-Technik in Europa längst geschrieben hat. Mit dem einst von Audi entwickelten Prinzip des Turboladers und der Direkteinspritzung im Dieselmotor, abgekürzt TDI, wurde schon vor Jahren ein neues Kapitel aufgeschlagen – der Dieselmotor erhielt gegenüber dem Benzinmotor Auftrieb, weil die Leistung enorm stieg. Diese Technik bescherte der Autoindustrie Anfang der 90er-Jahre einen wahren Diesel-Boom. Heute werden mehr als 50 Prozent aller neuen Dieselfahrzeuge in Europa verkauft.

Deutsche Diesel-Technik ist international führend. Seit 2006 versuchen VW, Mercedes und Audi davon auch in Amerika zu profitieren – zunächst in einer gemeinsamen Allianz. Auf der Los Angeles Auto Show im vergangenen Jahr führten sie dazu ein einheitliches Logo ein: „Bluetec“. Diese Technik sollte für eine größere Popularität sorgen. Denn bei der Verbrennung von Diesel entstehen neben Rußpartikeln vor allem umweltschädigende Stickoxide. Hinter Bluetec steckt ein Verfahren, das neben dem Ruß bis zu 80 Prozent dieser Schadstoffe herausfiltert. Dazu werden sie mit Hilfe von Ammoniak in Wasser und Stickstoff abgebaut.

Vor wenigen Monaten wurde die Bluetec-Allianz zwar wieder aufgegeben, da jeder Hersteller abweichende technische Lösungen favorisiert. Gleichwohl erwarten alle großen Automobil-Konzerne für die kommenden Jahre hohe Absatzzahlen für Dieselfahrzeuge in den Vereinigten Staaten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Dieselmarkt lockt.

Audi wird ab der zweiten Jahreshälfte des kommenden Jahres auf den neuen A4 und den Geländewagen Q7 setzen – jeweils mit 240 PS starkem 3-Liter-V6-Dieselmotor. Mercedes hat bereits mehrere Modelle in der R-, M- und GL-Klasse auf dem amerikanischen Markt und will diese ab kommendem Jahr mit Bluetec ausstatten. Bei diesen Fahrzeugen handelt es sich um so genannte SUVs (Sport Utility Vehicles), eine Mischung aus Geländewagen und PKW, bei denen etwas höhere Schadstoffwerte zulässig sind.

Bislang durften diese Modelle bereits in 45 der 50 Bundesstaaten verkauft werden – in Kalifornien, Maine, New York, Massachusetts und Vermont gelten noch einmal schärfere Vorschriften. „Ab 2008 wollen wir mit der neuen Technologie Adblue auch die dort gültigen Richtlinien einhalten“, sagt Mercedes-Sprecherin Eva Wiese. Seit Oktober 2006 gibt es in den USA schon den Mercedes-Benz E 320 Bluetec, der dank einer komplexen Abgasanlage die Normen aller Bundesstaaten erfüllt. Ausgerüstet ist die Limousine mit einem V6-Motor mit 210 PS.

Einen ähnlichen Weg geht BMW. Die Münchner wollen ebenfalls vom kommenden Jahr an auf dem gesamten amerikanischen Dieselmarkt vertreten sein. „Bei Dieselfahrzeugen ist Amerika für uns Neuland“, sagt BMW-Sprecher Wieland Bruch. „Da der kalifornische Markt der wichtigste Teilmarkt für uns ist, haben wir gewartet, bis die Technologie zur Verfügung steht, die die Fahrzeuge dort genehmigungsfähig macht.“

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