Die weltweit größte Investoreninitiative „Carbon Disclosure Project“ (CDP) hat Unternehmen nach ihrer Einstellung zu Treibhausgasemissionen und Klimastrategien befragt – die Resultate der Befragung werden heute bekanntgegeben. Noch immer streiten viele Unternehmen wie Boeing, Toshiba und Hennes & Mauritz ab, dass sie Klimarisiken ausgesetzt sind.
Trotz akuter Risiken werden Klimaschutzprogramme von vielen Unternehmen weiterhin vernachlässigt. Foto: dpa
BERLIN. Das CDP hat 2 400 der größten Börsenkonzerne befragt: Mehr Unternehmen als je zuvor haben geantwortet sowie ihre Datenerfassung verbessert, ausführlicher informiert und Programme zur Emissionssenkung gestartet, heißt es in dem Bericht, der dem Handelsblatt vorliegt. Aber es besteht eine Kluft zwischen Erkennen und Handeln.
Viele Investoren fordern Transparenz, Klimastrategien und Emissionsminderung, um Klimarisiken und Chancen für den Wert der Unternehmen erkennen und bei Anlageentscheidungen berücksichtigen zu können. Großanlegern ist das offensichtlich immer wichtiger: Dieses Jahr stieg die Zahl der CDP-Mitglieder von 280 auf 315. Sie verwalten zusammen mehr als 41 Bill. Dollar.
Bei der Umfrage gelangen die 50 Konzerne mit der höchsten Transparenz in den „Carbon Disclosure Leadership Index“. Darunter sind vier deutsche: Allianz, Bayer, die bisherige Daimler-Chrysler und Deutsche Telekom.
Die Ratingagentur Innovest bewertet die Teilnehmer nach der Qualität ihrer Klimaschutzpraxis, was Transparenz und tatsächliche Leistung unterscheidbar macht. Die Telekom erhielt als einziges deutsches Unternehmen ein AAA-Rating. Als eines der ersten Unternehmen schreibt sich die Telekom auch indirekte, durch den Bezug von Strom, Heizenergie, Produkten und Diensten entstehende Emissionen zu und hat diese zum Beispiel durch den Kauf von Ökostrom gesenkt. „Es freut uns, dass Investoren unsere Leistungen honorieren“, sagte Ignacio Campino, Leiter Umweltschutz der Telekom, dem Handelsblatt.
Auch die Allianz schneidet mit der AA-Bewertung gut ab. Joachim Faber, Vorstand der Allianz, teilt mit: „Im Interesse unserer Kunden und Aktionäre müssen wir die signifikanten Kosten des Klimawandels bei unseren Entscheidungen zu Versicherungs- und Kreditverträgen sowie Investments berücksichtigen.“ Die Allianz hat 2006 eine Klimastrategie mit 17 Zielen und 80 Vorhaben für alle Geschäftsbereiche festgelegt.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Klimasünder werden namentlich angeprangert.
Von den im FT 500-Index notierten weltgrößten Konzernen antworteten 77 Prozent auf die Umfrage. Der Klimawandel berge Geschäftsrisiken und Chancen, sagen 80 Prozent von ihnen. „Drei Viertel der Antwortenden haben jetzt Emissionssenkungsprogramme mit spezifischen Zielen und Zeitvorgaben“, lobt Innovest in dem Bericht. 2006 hatte nur knapp die Hälfte solche Programme. Von den ausgewerteten 104 deutschen Firmen hat aber nur ein Drittel Klimaprogramme mit Zielen.
Allein der Bericht über die FT 500-Konzerne erfasst dank besserer Datenerhebung 14 Prozent aller vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen, das Doppelte des Vorjahres. Doch trotz der beträchtlichen Risiken regeln nur 64 Prozent aller CO2-intensiven Unternehmen entsprechende Verantwortlichkeiten im Vorstand oder dem höheren Management. „Ein stärkeres Klimabewusstsein bedeutet nicht, dass dem Klimawandel die nötige Aufmerksamkeit im Management gegeben wird“, bemängelt Innovest. Nur einzelne energieintensive Konzerne hätten ihre Emissionen seit 2001 nennenswert gesenkt.
Das CDP prangert diejenigen namentlich an, die nicht reagiert oder eine Antwort abgelehnt haben, und beziffert den Kapitalanteil der Investorengruppe. „Der Mangel an Transparenz in diesen Fällen sollte den Unterzeichnern des CDP Sorgen machen“, warnt Innovest.
Doch auch bei Investoren ist „die Kluft zwischen Bewusstsein und Handeln unverändert groß“, kritisiert Innovest. Klimaschutz als Entscheidungskriterium für eigene Aktienanlagen hat fast nur die Münchener Rück. Faber sagte wiederholt, Klimarisiken sollten regulärer Teil der Finanzanalyse sein. Doch noch integriert die Allianz sie nicht systematisch, räumt aber Verbesserungsbedarf ein. Der Klimawandel habe eine wachsende Bedeutung für die Portfolioauswahl, sagt sie. Darum arbeitet sie seit kurzem mit Umweltschutzorganisationen an entsprechenden Kriterien und Methoden.

