0 Bewertungen
02.01.2008 
Umweltschutz

Wenn der Kunde den Klimawandel nicht trägt

von Dirk Heilmann und Ulf Sommer

Die Verringerung der Treibhausgase: Ein Jahr nach Beginn einer großen Umweltschutz-Initiative von Unternehmen und Behörden haben sich Konzerne klare Ziele zur Verringerung ihrer Emissionen gesetzt. Doch eine erste Zwischenbilanz ergibt: Die Kunden ziehen nicht mit.

LONDON/DÜSSELDORF. Mehr als 100 Unternehmen, Behörden und Organisationen fordern von ihren Regierungen, die Anstrengungen zum Schutz der Erde zu verstärken. Um die Treibhausgase drastisch zu verringern, rufen sie zum "sofortigen Handeln" auf. Zu den Unterzeichnern des von der Columbia-Universität koordinierten "Global Roundtable on Climate Change" zählen erste Adressen der Weltwirtschaft, darunter sechs Dax-Konzerne. Das war vor einem Jahr. Doch was ist daraus geworden?

Viele Unternehmen setzen sich tatsächlich klare und überprüfbare Ziele, um ihre Emissionen drastisch zu verringern, ohne Initiativen der Konkurrenten abzuwarten. Andererseits, und das zeigen viele weitere Klimaschutz-Initiativen, reichen die Unternehmen den "Schwarzen Peter" an ihre Regierungen weiter, indem sie auf einheitliche, von der Politik definierte Regulierungen pochen. Sie fordern gleichen Wettbewerb für alle, ohne Sonderregeln für Firmen aus Staaten, die den Klimaschutz weniger wichtig nehmen und sich dadurch Preisvorteile verschaffen.

Dazu passt, dass der deutsche Versicherungsriese Allianz kurz nach dem "Global Roundtable" zusammen mit 65 Unternehmen und Organisationen die US-Regierung aufforderte, mit starken bundesweiten Gesetzen den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Das Fehlen nationaler Regulierungen gefährde langfristig die Wettbewerbsfähigkeit, da damit Investitionen in saubere Energie und klimafreundliche Technologien verhindert würden, so die Kritik.

Ins gleiche Horn stieß eine Klima-Arbeitsgruppe des britischen Industrieverbandes CBI, die im November unter Leitung des British-Telecom-Chefs Ben Verwaayen einen Katalog mit konkreten Maßnahmen vorstellte, mit denen Großbritannien die von der Regierung gesteckten Ziele zur Reduzierung von CO2-Emissionen erreichen kann. Die Botschaft war auch hier klar: Die Firmen können vieles tun, aber sie bedürfen staatlicher Rahmenbedingungen. Dieser Forderung schlossen sich in einer aktuellen Studie der Anwaltskanzlei Clifford Chance 81 Prozent der weltweit befragten Unternehmen an.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Staat muss Vorgaben machen.

"Freiwillige Schritte der Unternehmen führen nicht weit genug, der Staat muss Vorgaben machen", sagt Vicki Bakhshi von der Investment-Fonds-Gesellschaft F&C. Derzeit gebe es erst wenige Vorreiter, die ihre Emissionen konsequent reduzierten. Eine Studie des Vermögensverwalters Standard Life Investments kommt zu dem Schluss, dass nur 28 von 557 Aktiengesellschaften des britischen FTSE-All-Share-Indexes das Klimaschutzthema wirksam angepackt haben. Sie verpflichteten sich, CO2-neutral zu arbeiten oder ihren Kunden Mechanismen anzubieten, wie sie ihren Kohlendioxid-Ausstoß ausgleichen können.

Solche Ausgleichsmaßnahmen, sogenannte Carbon Offsets, sind zwar populär, um negative Klimawirkungen des Verkehrs zum Beispiel durch Aufforstungen zu kompensieren. Doch der Adressat Kunde nimmt solche Initiativen kaum an. BP beispielsweise bietet seinen Tankstellenkunden an, den CO2-Ausstoß ihrer Autos auszugleichen. Doch nur jeder fünfzigste, der sich auf der Web-Site ausrechnet, wie viel ihn ein Carbon Offset kosten würde, hat diesen dann auch tatsächlich bezahlt.

Oder Easyjet: Die Fluggesellschaft bietet seit dem Frühjahr CO2-Ausgleich für jeden Flug in ihrer Buchungsmaske an. Nach Angaben eines Sprechers nutzen keine fünf Prozent der Kunden diese Möglichkeit, die mit einem Aufschlag von wenigen Euro auf den Flugpreis verbunden ist. British Airways (BA) bietet schon lange CO2-Ausgleiche an, auch wenn sie im Buchungssystem schwer zu finden sind. Hier ist die Resonanz noch viel niedriger. Ein BA-Manager hat vor Monaten einem Ausschuss des britischen Parlaments gesagt, dass nur einer von 10 000 Kunden Carbon Offsets kaufe. Aktuelle Angaben dazu macht die Fluggesellschaft lieber nicht.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Des Macbooks neue Kleider

    Des Macbooks neue Kleider

    Am Dienstag präsentierte der US-Konzern Apple die überarbeitete Produktreihe der hauseigenen Laptops „Macbook“. Firmenchef Steve Jobs setzt dabei auf neues Design in Aluminium und Glas – und mehr Leistung. Bildergalerie 

  • Auto-News in Bildern

    Auto-News in Bildern

    Neuwagen, Tests, Gebrauchte, Concept Cars, Liebhaberstücke, Technik, Tarife und Kurioses: Hier finden Sie in Kürze das Wesentliche vom Automarkt zum Durchklicken. Eine Nachrichtenübersicht mit großen Bildern und kurzen Texten.Bildergalerie 

  • Die Nobelpreisträger 2008

    Die Nobelpreisträger 2008

    Von den kleinsten Bausteinen der Materie bis zum Aufbau unseres Universums reicht die Bandbreite der Forschungen, für die in diesem Jahr Nobelpreise vergeben wurden. Dazu ein Nobelpreis für Litertur, über den sich die Franzosen freuen dürfen. Die Preisträger 2008 im Üb...Bildergalerie 

vor

 

 

weiterHandelsblatt Quiz

Wasserquiz : 20 000 Liter Wasser für ein Kilo Kaffee

Los geht's!Wasser wird oft im Verborgenen verschwendet. Sicher drehen Sie den Hahn zu, wenn Sie sich die Zähne putzen und auch wenn Sie sich unter der Dusche ei...
Testen Sie Ihr Wissen rund um das knappe Nass in unserem Quiz.