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26.11.2007 

Trotzdem sind Nachhaltigkeitsratings für Investoren und Vermögensverwalter eine unerlässliche Informationsquelle. Die Methoden entsprechen der Bandbreite der Anlegerinteressen. Die können das Konzept wählen, das ihnen zusagt. Um ihnen den Vergleich zu erleichtern, haben sich 16 Research- und Ratinghäuser 2004 zu zehn von der EU-Kommission unterstützten Qualitätsprinzipien verpflichtet. Alle Ratingagenturen müssen ihre Konzepte, Methoden und Techniken auf einer Transparenzmatrix detailliert darstellen. Diese Matrix wird in den nächsten Monaten auf den Webseiten der Agenturen veröffentlicht.

Die meisten Agenturen benchmarken Firmen einer Branche. Scoris macht auch branchenübergreifende Vergleiche.

„Man sollte Managementqualitäten eines Energiekonzerns denen einer Bank gegenüberstellen“, sagt Geschäftsführer Axel Wilhelm. Das zeige, wie aktiv sich die Führung um Lösungen für gesellschaftliche Probleme bemühe. Dieses Jahr hat die Agentur aber auch Branchenkriterien eingeführt. Die Agenturen konzentrieren sich meist auf ökologische und soziale Aspekte, denn es gibt anerkannte Finanzratings. „Unser Know-how liegt im Ökologischen und Sozialen. Unsere Kunden filtern aus dem von uns ermittelten Universum nachhaltig wirtschaftender Unternehmen die für sie auch finanziell interessanten Titel“, erläutert Robert Haßler, Vorstandschef von Oekom. Bei ihr machen soziokulturelles und Umweltrating meist je 50 Prozent des Urteils aus. Scoris gewichtet Umweltfaktoren mit 20 bis 40 Prozent.

Die Schweizer SAM Indexes hingegen, die die Zusammensetzung des weltweit tonangebenden Dow Jones Sustainability Index (DJSI) verantwortet, bewertet für jede Branche drei Dimensionen nachhaltigen Wirtschaftens: Ökonomische, ökologische und soziale Leistungen haben je ein Gewicht von einem Drittel.

Die meisten CSR-Ratings basieren auf der „Best in class“-Methode: Sie filtert je Branche die „besten“ Konzerne heraus. Weil die Methoden so verschieden sind, liegen die Gesamturteile manchmal weit auseinander. So liegen bei SAM beispielsweise Daimler, Renault, Toyota und Volkswagen dicht beieinander, und es folgt Branchenleader BMW, während die japanischen Autobauer bei Oekom auf Platz sechs und bei Scoris nur auf Rang neun stehen.

Eine weitere Diskrepanz ist, dass die Autobranche, obwohl der Autoverkehr viele Treibhausgase verursacht, gut abschneidet. Grund: „Die Ratings gewichten stark, wie transparent Hersteller berichten, welche Umweltmanagementsysteme sie haben, wie sie Ressourcen schonen und Zulieferer zu Umweltschutz und Menschenrechten fordern“, erklärt Hendrik Garz, Leiter Nachhaltigkeitsresearch von der WestLB. Die Wirkungen der Produkte selbst fielen zu wenig ins Gewicht.

Zwar berücksichtigen Ratingagenturen inzwischen das Kriterium Flottenverbrauch. Doch die Konzerne machen dazu keine oder unvollständige Angaben, wie Analysten berichten. Lastet man das den Herstellern an oder dem Gesetzgeber, der sie nicht zu Informationen verpflichtet? Vor solch kniffligen Fragen stehen Analysten der Ratingagenturen. Immerhin gewinnt das Kriterium an Bedeutung – wer nicht berichtet, erhält schlechte Noten. Expertenschätzungen helfen kaum, weil sie weit auseinanderliegen.

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