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09.01.2008 
Erneuerbare Energien

Windräder rotieren auf Hochtouren

von Jürgen Flauger und Wolfgang Gillmann

Deutschland bleibt Vorreiter beim Einsatz von erneuerbaren Energien: Wie kein zweites Land hat die Bundesrepublik in den vergangenen Jahren in die Produktion von grünem Strom investiert. Ob die ehrgeizigen Ziele der Branche erreichbar sind, ist fraglich. Eine Schlüsselrolle kommt dabei der Windenergie zu.

Erneuerbare Energien: Der Windenergie kommt in den nächsten Jahren eine Schlüsselrolle zu. Foto: dpaLupe

Erneuerbare Energien: Der Windenergie kommt in den nächsten Jahren eine Schlüsselrolle zu. Foto: dpa

DÜSSELDORF. „In keinem anderen Land geht der Ausbau so schnell voran wie bei uns“, sagte der Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE), Johannes Lackmann, gestern in Berlin. Im vergangenen Jahr deckten die alternativen Quellen 14,3 Prozent des deutschen Stromverbrauches – ein Jahr zuvor waren es noch weniger als zwölf Prozent. Die Produktion aus Wind- und Wasserkraft, Photovoltaik und Biomasse kletterte von 73,0 auf 86,7 Mrd. Kilowattstunden. Der Zuwachs entspricht nach Angaben des BEE der Produktion eines Kernkraftwerkes.

Deutschland hat wie kein zweites Land in den vergangenen Jahren die Produktion von grünem Strom gefördert. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) werden den Produzenten von Wind- oder Solarstrom feste, lukrative Vergütungen zugesichert.

Seit Inkrafttreten des EEG im Jahr 2000 hat sich der Anteil am Stromverbrauch mehr als verdoppelt. Und wenn es nach Bundesumweltminister Sigmar Gabriel geht, ist die Entwicklung noch lange nicht zu Ende. 2020 sollen die erneuerbaren Energien bereits 25 bis 30 Prozent stellen. Ob die Branche die ehrgeizigen Ziele erreichen, insbesondere die notwendigen Neuerungen stemmen kann, steht nach Einschätzung von Branchenexperten aber in Frage.


Tabelle  Infografik: Mit wachsender Kraft.


Die Schlüsselrolle spielt dabei wie in der Vergangenheit die Windenergie. Die Windräder lieferten 2007 fast 38,5 Mrd. Kilowattstunden Strom, beinahe acht Mrd. mehr als ein Jahr zuvor. Das Plus verbuchte die Branche aber nur, weil nach mehreren windschwachen Jahren die Witterungsverhältnisse besser waren. Der Neubau von Anlagen stockt dagegen.

„Die Investitionen in neue Windkraftanlagen sind in einem Jahr um rund 25 Prozent zurückgegangen“, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie, Ralf Bischof, dem Handelsblatt. Grund seien vor allem die stark gestiegenen Preise für diese Anlagen bei gleichzeitig gesunkener Förderung. Die Preise seien um 15 bis 20 Prozent gestiegen, da rund 80 Prozent des Gewichtes einer Windkraftanlage auf den Stahl entfallen. Deshalb verkrafte die Branche die jährliche Absenkung der Förderung nicht mehr. Der Verband fordert darum eine Förderung der Windenergie, die „atmet“ und einen Ausgleich für gestiegene Rohstoffpreise biete. Dies sei in Ländern wie Spanien, Frankreich oder Portugal der Fall. Deshalb wachse die Stromgewinnung aus Windkraft dort auch besonders stark.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wert für Neuinvestitionen sinkt.

Auf Deutschland entfielen nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie 2006 noch 17 Prozent der Neuinvestitionen für Windanlagen. 2007 sei dieser Wert auf nur noch zehn Prozent gesunken.

Mit höheren Förderungen können die Betreiber von Windanlagen an Land allerdings nicht rechnen. Nach der EEG-Novelle, deren Entwurf das Bundeskabinett Anfang Dezember gebilligt hat, soll die Förderung ebenso zurückgeführt werden wie die der Photovoltaik.

Umweltminister Gabriel setzt zwar weiter auf einen Ausbau der Windkraft, dies aber vor der deutschen Küste. Große Windparks sollen dort effizienter Strom produzieren. Auch hier hat das Ministerium ehrgeizige Pläne. Bis 2025 sollen solche Windparks mit einer Leistung von 20 000 bis 25 000 Megawatt (MW) installiert sein – damit würden sie alleine schon 15 Prozent des heutigen Stromverbrauchs decken.

Branchenvertreter halten dies aber für unrealistisch. Ein hochrangiger Eon-Manager verweist darauf, dass vor Borkum jetzt gerade einmal die erste Pilotanlage entstehe – mit einer Leistung von nur 60 MW. Bei einer Leistung von fünf Megawatt je Windrad seien aber tausende Anlagen nötig, um die Ziele zu erreichen.

Der Gesetzgeber mache die Erreichung dieses Ziels nicht leichter, sagt die Führungskraft: Während im Ausland die Anlagen vergleichsweise dicht an der Küste errichtet werden dürften, seien in Deutschland die Auflagen hoch: Der Park entstehe über 30 Kilometer vor der Küste, bei einer Wassertiefe von 40 Metern: „Man muss erst mal schauen, ob das funktionieren kann.“

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Neue Impulse setzen.

„Die anstehenden Gesetzesvorhaben müssen neue Impulse setzen“, fordert Verbandspräsident Lackmann mit Blick auf die EEG-Novelle. „Die bisherigen Ankündigungen der Bundesregierung reichen nicht aus, um den erfolgreichen Kurs der letzten Jahre fortzusetzen.“

Dabei läuft es in der Stromproduktion aus alternativen Quellen noch vergleichsweise gut. Schwächer hat sich im vergangenen Jahr der Einsatz erneuerbarer Energien als Kraftstoff und zur Wärmeerzeugung entwickelt. Der Verbrauch von Biokraftstoffen stagnierte nach Angaben des BEE 2007 praktisch bei knapp 4,3 Mill. Tonnen, was einem Anteil von sieben Prozent am gesamten deutschen Kraftstoffverbrauch entsprach. Der Verband begründete dies mit der höheren Besteuerung für Biokraftstoffe.

Und der Einsatz zur Gewinnung von Wärme blieb ebenfalls konstant und betrug wie im Vorjahr 89 Mrd. Kilowattstunden. „Damit bleibt die Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien weiterhin deutlich unter ihren Möglichkeiten“, klagt Verbandspräsident Lackmann.

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