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29.11.2006 
Limousine Brilliance BS 6

Ein europäischer Chinese

von Josef Hofmann

Nach Meinung vieler Experten ist es der Startschuss in eine neue Ära der Automobilindustrie. Mit der Limousine Brilliance BS 6 startet die Autoindustrie Chinas ihre Export-Offensive – mit vielen europäischen Partner an Bord. Zittern müssen die etablierten Hersteller jedoch erst einmal nicht

Der BS 6 von Brilliance vor dem Rathaus in Bremen. Foto: APLupe

Der BS 6 von Brilliance vor dem Rathaus in Bremen. Foto: AP

BONN. Fast klingt es so, als sei den Verantwortlichen die Herkunft ihres Produkts etwas peinlich. Der asiatische Manager im dunklen Business-Anzug wird nicht müde, die europäischen Paten des chinesischen Kindes aufzuzählen: Die Karosserie-Teile werden von deutschen Schuler-Pressen gepresst, die Produktionsroboter stammen von Kuka, die Lackieranlage von Dürr, die Montagelinie von Schenck, das Design von Italdesign und Pininfarina aus Italien. Damit nicht genug: Bei der Produktion standen BMW-Experten mit Rat und Tat zur Seite, bei der Abstimmung des Autos halfen Ingenieure von Porsche. Die sieben europäischen Köstlichkeiten zusammen ergeben das erste Auto aus chinesischer Fertigung, das auf dem europäischen Markt auf Kundenjagd gehen soll: Den BS 6 von Brilliance.

Wäre da bei der ersten öffentlichen Präsentation der Mittelklasse-Limousine nicht die asiatische Höflichkeit, mit der der eigens angereiste Brilliance-Chef Yu Min Chi das „schöne Wetter in Deutschland“ und die „äußerst entzückende Landschaft“ lobt, nicht einmal die kleinen Spieße aus gebratenen Hühnchen auf dem Buffet würden erraten lassen, dass es sich um eine chinesische Premiere handelt – nach Meinung vieler Experten sogar um den Startschuss in eine neue Ära der Automobilindustrie. China, schon jetzt vor Deutschland das weltweit drittgrößte Auto-Produktionsland, greift ab sofort auf dem Weltmarkt an.

Nicht ganz ab sofort: Denn noch immer kann der Chef des europäischen Generalimporteurs HSO, der ehemalige Hyundai-Deutschland-Chef und kurzzeitige VW-Vorstand Hans-Ulrich Sachs, keinen einzigen Händler vorweisen. Mit „50 Interessenten“ werde verhandelt, die als nationale Importeure fungieren sollen und von denen „jeder mindestens 150 Händler“ in seinem Netz habe, sagt er zuversichtlich, ohne vor dem großen, weißen Brilliance-Logo, das „die Mitte“ symbolisiert, die eigene zu verlieren. Immerhin: Erste Abschlüsse stünden kurz bevor. Doch wo man das Auto genau wann genau kaufen kann, weiß noch niemand. Wie viele verkauft werden sollen, wissen die Chinesen dagegen ganz genau: 3 000 Autos sollen noch in diesem Jahr vom Generalimporteur abgenommen werden – das Gros davon braucht HSO, um die Händler auszustatten –, im nächsten Jahr sollen es 15 000 sein, in fünf Jahren schon 50 000. Zittern müssen die etablierten Hersteller also erst einmal nicht angesichts eines europäischen Marktvolumens von mehr als 15 Mill. Autos im Jahr.

Dennoch, darauf weist auch der ehemalige Hyundai-Mann Sachs hin, haben auch die Japaner und Koreaner einmal ganz klein angefangen. Und mit den einst in Europa belächelten Erstlingswerken der asiatischen Konkurrenz hat der BS 6 wenig gemein. Das Auto, das eigentlich auf den für Europäer zu komplizierten Namen Zhonghua hört, sieht mit seiner einfachen Linienführung und dem klassischen Stufenheck so aus, als würde es schon seit Jahren auf europäischen Straßen fahren.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: In Europa tritt Brilliance nicht gegen Mercedes, Audi oder BMW an.

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