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10.01.2008 
Indien baut (fast) den billigsten PKW der Welt

Käfer schlägt „Nano“

von Dorit Heß und Bernd Ziesemer

Premiere für den Nano: Der indische Autobauer Tata Motors hat in Delhi den Nano vorgestellt. Quelle: ReutersLupe

Premiere für den Nano: Der indische Autobauer Tata Motors hat in Delhi den Nano vorgestellt. Quelle: Reuters

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Volksauto? Was der indische Industrielle Ratan N. Tata am Donnerstag in Neu-Delhi als „billigsten PKW der Welt“ vorstellte, ähnelt im Design dem Smart und in vielen Technikdetails dem alten VW Käfer. Heckmotor, Höchstgeschwindigkeit, Verbrauch – alles ungefähr so wie beim legendären Volkswagen direkt nach der deutschen Währungsreform. Nur den genialen Namen „Nano“ (vom griechischen Wort für Zwerg) haben sich die Inder selbst ausgedacht. „Volkswagen“ war ja auch nicht frei, das walte Piëch!

Das billigste Auto der Welt? Jein. Mit einem Preis von 100 000 Rupien oder umgerechnet gut 1 700 Euro rollt der Nano im Vergleich zur heutigen Konkurrenz gnadenlos preiswert von den Bändern im neuen Tata-Werk in Singur. Aber als „Volksauto“ (Tata) muss sich der Nano natürlich auch an seinem historischen Vorbild Volkswagen messen lassen. Und schon stellt man fest: So billig wie das Tatamobil auf den ersten Blick daherfährt, ist es gar nicht.

1939 stellte Ferdinand Porsche den legendären VW Typ 82E zum politischen Kampfpreis von 990 Reichsmark vor. In der deutschen Industrie lag der durchschnittliche Wochenlohn damals bei 43,54 Reichsmark. Wenn man Steuern und Abgaben der Einfachheit halber einmal beiseite lässt, hätte ein Arbeiter mithin knapp sechs Monatsgehälter für seinen Käfer sparen müssen. Kein Wunder, dass die Deutschen die Sparbücher der Nazi-Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) fleißig mit kleinen Märkchen vollklebten, bis 990 Reichsmark erreicht waren. In Windeseile standen so 330 000 KdF-Enthusiasten auf den Wolfsburger Bestelllisten. Doch bis auf einige Nazi-Größen guckten alle in die Röhre: Nur 630 Käfer liefen vom Band, bevor sich die VW-Werke voll auf Kriegsproduktion umstellten. Nach der Währungsreform gab es für die KdF-Sparbücher immerhin einen Rabatt von 600 DM beim Kauf eines Käfers.

Also ist der „Nano“ eigentlich doch das billigste Auto der Welt? Nein, gewiss nicht. Nach der Währungsreform kostete der Käfer mit 4 800 DM für das Modell „VW Standard“ zwar erheblich mehr als vor dem Krieg. Ein Industriearbeiter verdiente inzwischen aber 285 DM pro Monat. Sein Lohn von knapp anderthalb Jahren reichte, um das Traumauto zu kaufen.

Im Vergleich zu seinem heutigen Kollegen aus Indien lag Otto Normalverbraucher damals unterm Strich viel besser im Rennen ums eigene Auto. Indische Industriearbeiter verdienen (nach etwas veralteten Daten) durchschnittlich 166 Rupien pro Tag. Sie müssen also, brutto gerechnet, ungefähr drei Jahre für einen Nano schuften.

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