Amerika, das Land der Benzinschlucker? Im vergangenen Jahr wurden in den USA so viele Kleinwagen wie nie zuvor verkauft. Nun wollen sich die deutschen Autobauer auf dem US-Markt etablieren – hohe Spritpreise und ein generell gestiegenes Umweltbewusstsein sollen die kleinen und sparsamen Modelle auch für US-Kunden interessant machen.
Klein und gefragt: 30000 Interessenten haben sich den Smart in den USA vormerken lassen. Foto: Archiv
DÜSSELDORF. Amerikaner kaufen am liebsten große Autos mit starken Motoren, die Unmengen Benzin schlucken – so lautet hierzulande ein weit verbreitetes Vorurteil. Dass man in den USA auch erfolgreich Kleinwagen verkaufen kann, wollen die deutschen Hersteller in den kommenden Jahren beweisen. Ihr Kalkül: Steigende Spritpreise und ein generell gestiegenes Umweltbewusstsein sollten die kleinen und sparsamen Modelle auch für US-Kunden interessant machen.
Die Hoffnung scheint berechtigt. Im Jahr 2006 wurden in den USA schon rund 600 000 Kleinwagen verkauft – so viele wie nie zuvor. Und auf der diesjährigen Los Angeles Auto Show im November waren zahlreiche Hybrid-, Brennstoffzellen- und Elektro-Modelle zu sehen – ein weiteres Indiz für einen Bewusstseinswandel.
Ab 2008 will Daimler den Smart nun auch in den USA verkaufen. Die ersten Zahlen sind viel versprechend: 50 000 Autofahrer haben bei der Road Show durch die USA Testfahrten gemacht. Und mehr als 30 000 Menschen haben sich im Internet für 99 Dollar als Interessenten registrieren lassen. „Derzeit wandeln wir die Reservierungen in verbindliche Bestellungen um“, erläutert Daimler-Sprecherin Susanne Klauser – mit gutem Erfolg. „Die Konvertierungsrate liegt bei über 90 Prozent.“
Ein schöner Erfolg, den der eigenwillige Kleinwagen auch dringend braucht: Im vergangenen Jahr wurden nur noch 112 100 Fahrzeuge ausgeliefert, was einem Absatzrückgang um ein Fünftel gegenüber 2005 entspricht. Jetzt könnten ausgerechnet die PS-verliebten Amerikaner den sparsamen Winzling retten.
Obwohl die Marken klar getrennt werden, profitiert der Kleinwagen auch vom guten Mercedes-Image bei der Sicherheit. Zum Verkaufsstart können die Amerikaner zwischen zwei Coupé- und einer Cabriolet-Version wählen – zunächst werden nur Benzinmotoren angeboten. In Kanada ist der Smart bereits seit Oktober 2004 auf dem Markt und wurde bisher rund 10 000 Mal verkauft – angepeilt waren ursprünglich 3 000 Stück. Daimler will für die USA keine Prognose abgeben, Experten rechnen aber mit 20 000 bis 30 000 verkauften Smarts pro Jahr.
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Bei Volkswagen verfolgt man die bevorstehende Einführung des Smart natürlich genau. Die Wolfsburger sind in den USA mit einer ganzen Palette an kleineren Modellen auf dem Markt: dem New Beetle, dem EOS, dem Jetta und dem Golf, der dort „Rabbit“ heißt. Die noch kleineren Typen Fox und Polo werden nicht angeboten.
Verkaufsschlager in den USA bleibt für VW nach wie vor der Jetta: Im November fanden 7 781 Stück einen Käufer, rund acht Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Golf-Klasse verkaufte sich 3 074 Mal. Vom New Beetle wurden 1 974 Exemplare abgesetzt, vom EOS 934.
Es bewegt sich also was: „Unsere US-Kollegen haben den Eindruck, dass die Amerikaner wegen der gestiegenen Spritpreise über kleinere Autos nachdenken“, sagt VW-Sprecherin Stella Pechmann. Allerdings sei es traditionell schwer, den US-Kunden Kleinwagen zu verkaufen, weil es nach wie vor Vorbehalte wegen der vermeintlich geringeren Sicherheit gebe. „Eine große Knautschzone ist in den USA immer noch sehr wichtig.“
BMW ist bereits seit 2002 mit dem Mini auf dem US-Markt vertreten. Letztes Jahr verkauften die Münchener immerhin 39 000 der kleinen Flitzer, während 274 000 BMW-Modelle abgesetzt werden konnten. „Der Erfolg des Mini hat bewiesen, dass in den USA auch ein Kleinwagen funktioniert“, sagt BMW-Sprecher Markus Sagemann.
Mit Vernunft oder gestiegenem Umweltbewusstsein hat das allerdings wenig zu tun: Der Mini dient vor allem als Zweit- oder Drittwagen mit „Go-Kart-Feeling“ und sehr guter Ausstattung, zudem ist vor allem die hochmotorisierte Cooper S-Variante mit 172 PS erfolgreich.
Im Februar 2008 bringt BMW den kleinen 1er auf den US-Markt. Auch der ist kein Vernunftauto, denn die beiden Versionen 135i und 128i werden von kräftigen Dreiliter-Motoren angetrieben. Allerdings sind die Modelle mit einigen Energie sparenden Extras ausgestattet – etwa einer Start-/Stopp-Automatik, die im Stau oder an roten Ampeln greift, und einer Bremsenergie-Rückgewinnung.
Laut Sagemann setzt auch BMW auf den neuen Zeitgeist in den USA: „Wegen des veränderten Bewusstseins ist es heute leichter möglich, einen Kleinwagen zu verkaufen als vor zehn Jahren.
