Eigentlich könnten die Münchner ihr weißblaues Logo auf die Motorhaube des kleinen Briten kleben, so viel Mutterkonzern steckt in ihm. Doch darauf verzichten sie, obwohl es, wie der frühere BMW-Chef Helmut Panke sagt, darüber anfangs Debatten gab. „Es gab intern durchaus Überlegungen, diese Kleinwagen-Marke als ,BMW-Bindestrich-MINI' zu positionieren.“
Doch stattdessen behielt die Neuerwerbung einen komplett eigenständigen Auftritt als britische Marke. Bei den BMW-Händlern hat der Mini einen abgetrennten Bereich mit eigenen Ausstellungsräumen und eigenen Verkäufern. Die Werbung wurde vollständig auf eine deutlich jüngere Zielgruppe abgestimmt, ist frecher als bei der Stammmarke. Um den Mini herum entstand eine treue Gemeinde, eine Community, wie sie kaum ein anderer Hersteller hat. Neben Fan- und Zusatzartikeln gibt es eine eigene Mini-Rennserie, weltweite Mini-Events, ja sogar eine Mini-Lounge auf der Paseo de la Castellana in Madrid.
Trotzdem wissen die BMW-Oberen, dass auch der Mini-Erfolg vergänglich ist. „Mini hat eine Klientel, die einerseits kaufkraftstark ist, die man aber andererseits als postmodern bezeichnen würde“, sagt BMW-Vertriebsvorstand Michael Ganal. Also eine Kundschaft, die sich ihre Konsumwelt frei von Traditionen schafft. „Aber diese Gruppe erneuert sich ja und wird eine neue Gruppe von Postmodernen hervorbringen, die wahrscheinlich nicht die gleichen Werte hat“, sagt Ganal. „Im besten Fall können wir vielleicht ein bisschen an diesen Werten mitschneidern. Wenn wir das nicht schaffen, wird Mini im Laufe der Zeit an Attraktivität verlieren.“
Um das zu verhindern, soll aus dem Mini sukzessive eine Familie werden. Nach dem Coupé und dem Cabriolet soll in etwa zwei Jahren ein Mini-Kombi entstehen für alle, die zwar gerne Mini fahren möchten aber ein bisschen mehr Platz als die relativ kläglichen 160 Liter Kofferraum-Volumen brauchen - schon ein VW Polo kommt auf 270 Liter. Damit soll noch nicht Schluss sein. „Wo drei Baureihen sind, wird es auch vier geben“, sagt Ganal. Es werde sich dabei um ein sogenanntes Crossover-Fahrzeug handeln, also eine Mischung aus zwei bestehenden Fahrzeuggattungen. Eine davon könnte ein sportlicher Geländewagen sein. Wann das Auto kommen soll, verrät er noch nicht. „Wir haben keine Eile.“
Die Vorsicht des Vertriebsvorstands ist berechtigt. Schon ein einziger Flop könnte die ganze Marke beschädigen. Der Münchner Konzern sucht deshalb den engen Kontakt zu den Fans. Sind neue Modelle geplant, werden ausgewählte Mini-Besitzer eingeladen, darunter auch Fans des Ur-Minis. Sie sollen die Design-Ideen begutachten. Denn weitere Varianten sollen nur gebaut werden, wenn sie in das Mini-Bild der Zielgruppe passen. Die Kombi-Version ist so ein Auto. Die gab es schon einmal als Mini Clubman Estate und als Countryman.
Im BMW-Konzern selbst zieht sich die Mini-Begeisterung längst durch alle Etagen. Viele junge BMW-Manager und -Ingenieure legen inzwischen eine Station in Oxford, im Motorenwerk Hams Hall oder in Swindon, wo die Blechteile für den Mini gepresst werden, ein. „Auch wenn fast alle deutschen Manager, die hier arbeiten, von BMW kommen: Hier ist es einfach anders“, sagt Werksleiter Krüger. Kurz nachdem BMW das Unternehmen gekauft hatte, durften sich die Werker eigene Regeln für die Arbeit geben. Dazu zählte auch „Allow Humor“ - „Humor erlaubt“. Bei Mini hat sich das bis heute gehalten. „Wir sind“, sagt Werksleiter Krüger, „die Lustigen.“
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