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10.11.2006 
Kleinwagentochter muss endlich Gewinne bringen

Smarts letzte Patrone

von Carsten Herz

Das Vorgeplänkel ist vorbei. Für Smart-Chef Ulrich Walker hat der Ernstfall begonnen. Der neue Zweisitzer der zu Daimler-Chrysler zählenden Kleinwagen-Marke, der am Donnerstag Abend auf dem obersten Parkdeck eines Stuttgarter Kaufhauses seine Weltpremiere feierte, ist für den Autokonzern ein entscheidender Prüfstein.

FRANKFURT. Im nächsten Jahr muss die Marke erstmals Gewinn schreiben, sonst droht Daimler-Chef Dieter Zetsche endgültig, den Stecker zu ziehen: Nach milliardenschweren Verlusten ist der Fortwo nun die letzte Patrone des durch eine harte Sanierung gegangenen Böblinger Unternehmens.

Während das Abenteuer Mini fünf Jahre nach dem Start ein großer Erfolg für BMW ist, zählt die Kleinwagentochter Smart zu Zetsches Baustellen. Vor anderthalb Jahren hat Daimler die Notbremse bei Smart gezogen und der Marke einen drastischen Stellenabbau, weniger Modelle und deutlich reduzierte Fixkosten verordnet. Erst im März dieses Jahres warf Zetsche dann auch den Smart Viersitzer aus dem Programm. Smart ist seitdem nur noch der Fortwo, was veranschaulicht, welche Bedeutung die Weltpremiere für die Marke hat. Schnitzer kann sich Smart bei der Markteinführung des neuen Modells nicht erlauben. Der neue Wagen ist zum Erfolg verdammt.


Bildergalerie Fotostrecke: Die ersten Bilder vom neuen Smart


Viel Glück war Daimler mit Smart bisher nicht beschieden. Schon das Debüt des Smart ging 1998 daneben. Elchtest und utopische Planungen verhagelten der Marke den Start, die ursprünglich als radikal neues Mobilitätskonzept vermarktet werden sollte. Der zur Hilfe gerufene neue Smart-Chef und heutige Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler baute Smart erfolglos zur Modellfamilie aus – doch schwarze Zahlen blieben weiter aus.

Der neue Smart-Chef Ulrich Walker setzt nun alle Hoffnungen auf den neuen Fortwo. Ein komplett neues Auto ist der Zweisitzer optisch nicht, vielmehr eine dezent veränderte, größere Variante des bekannten Vorgängers. Knapp 20 Zentimeter ist der Nachfolger des Cityflohs länger, der Kühlergrill ist stärker ausgeprägt und eine neue Scheinwerferform soll die Brücke zum Mercedes-Design schlagen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Auch der Preis des Wagens ändert sich nur marginal, die Rendite allerdings deutlich.

Auch der Preis des Wagens ändert sich nur marginal, die Rendite allerdings deutlich. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen liegt der Break-even des neuen Fortwo rund 30 Prozent unter dem seines Vorgängers. Die Bankexperten von Lehman Brothers rechnen damit, dass Daimler mit dem Smart Zweisitzer eine Marge von vier bis fünf Prozent erzielen kann und ab 2008 einen Gewinn zwischen 50 und 100 Mill. Euro.

Einen zusätzlichen Trumpf hat Zetsche noch mit dem für Frühjahr 2008 angepeilten Start des Zweisitzers in den USA im Ärmel. Der Sprung auf den US-Markt ist im Sanierungsplan noch nicht berücksichtigt. Ein Erfolg in den USA könnte Smart darum weitere Impulse geben, weil ein höherer Absatz die Produktionskosten pro Auto weiter senkt.

Doch von einem Höhenflug wie beim Konkurrenten Mini aus der bayerischen Motorschmiede BMW wird Daimlers Konzerntochter auch in naher Zukunft nur träumen können. Der neue Mini, der im November auf den Markt kommt, soll im britischen Werk Oxford mit einer Kapazität von 240 000 Stück vom Band laufen, das sind 40 000 mehr als bisher. BMW hatte die Kapazitäten ursprünglich nur auf 100 000 Autos ausgelegt.

Smarts Pläne sehen deutlich zurückhaltender aus. Im laufenden Jahr verbuchte die Kleinwagenmarke wegen der Einstellung des Viersitzers nach zehn Monaten ein Absatzminus von 20,6 Prozent – und auch für 2007 sind die Prognosen der Analysten bescheidener. Georg Stürzer, Autoanalyst der Hypo-Vereinsbank geht davon aus, dass Daimler rund 76 000 Smart im Jahr 2007 verkauft. Für den margenstärkeren Mini peilt der Experte dagegen im nächsten Jahr mit gut 200 000 verkauften Fahrzeugen fast das Dreifache an – und das ebenfalls mit nur einer Baureihe.

Hintergrund: Wendemanöver

Milliardengrab: Die Daimler-Chrysler-Tochter hat dem Mutterkonzern bislang Jahr für Jahr hohe Verluste beschert. Insgesamt ist von 3,5 Milliarden Euro die Rede. Smart-Chef Ulrich Walker nannte dies jedoch reine Spekulation. Ein 2005 aufgelegtes 1,1 Milliarden teures Sanierungsprogramm für Smart stürzte Mercedes letztes Jahr erstmals in die Verlustzone.

Notbremse: Konzernchef Dieter Zetsche hatte im Frühjahr wegen der anhaltenden Verluste der Kleinwagenmarke die Notbremse gezogen. Die Modellpalette wurde bis auf den Smart Fortwo zusammengestrichen und weitere 300 Jobs gestrichen. Zudem wurde die Smart GmbH komplett in den Konzern integriert.

Letzte Chance: Die Neuauflage gilt als letzter Versuch, an der Kleinwagen-Marke festzuhalten. Floppt der Zweisitzer, dürfte das nach Einschätzung von Experten das Ende von Smart sein. Bislang hat Smart rund eine Dreiviertel Million Autos produziert; 2005 waren es mehr als 140 000.


Die ersten Bilder vom neuen Smart: Hier gehts zur Bildergalerie.
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