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16.03.2005 
Ein kleiner Fuchs attackiert Microsoft

Websurfer setzen stärker auf Open-Source-Browser

von Florian Sievers

Wenn Felix Bracher in seinem Büro ins Internet geht, dann leuchtet seit einem halben Jahr ein kleiner, orangefarbener Fuchs auf seinem Bildschirm. Bracher ist einer der Geschäftsführer des Finanzmaklers Myconsult GmbH & Co. KG in Düsseldorf. Und der kleine Fuchs auf seinem Computer ist das Logo des Browsers Firefox 1.0. Mit dem Programm holt Bracher die neuesten Angebote von privaten Krankenkassen ein oder aktualisiert Daten über Investmentfonds.

Lupe

Die Surf-Software basiert auf einem Quellcode, der weltweit von Programmierern erstellt und verbessert wurde - ein so genanntes Open-Source-Produkt, das von der US-amerikanischen Organisation Mozilla Foundation kostenlos verteilt wird. "Das Programm funktioniert problemlos und lässt sich wesentlich einfacher handhaben als andere Browser", lobt Bracher.

Der Vermögensexperte Bracher ist einer von zahlreichen Internetsurfern, die in letzter Zeit auf einen Open-Source-Browser umgestiegen sind. "Wir registrieren einen verhaltenen, aber deutlich spürbaren Anstieg bei der Nutzung dieser Produkte", berichtet Andreas Rinner, Bereichsleiter Forschung und Entwicklung beim Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Pass IT-Consulting in Aschaffenburg. So ist der Firefox-Browser erst seit November 2004 erhältlich - und wurde seitdem schon über 25 Millionen Mal von Internet-Surfern herunter geladen.

Die Folge: Der Marktanteil des dominanten Internet-Explorers von Microsoft schrumpft. Der Anteil liegt nach Schätzungen des IT-Experten Rinner noch bei rund 90 Prozent - aber mit fallender Tendenz. Firefox nutzen immerhin schon fünf Prozent aller Surfer. "Und der Anteil nimmt momentan deutlich zu", sagt Rinner. Mozilla, ein weiterer Open-Source-Browser, kommt auf einen Anteil von zwei bis drei Prozent, den Browser Opera des Anbieters Opera Software aus Oslo nutzen ein bis zwei Prozent aller Surfer. Schlusslicht unter den gängigen Browsern bildet inzwischen der Netscape Navigator, der bei weniger als einem Prozent aller Nutzer installiert ist. Der ehemals schärfste Konkurrent von Microsofts Explorer hat durch Probleme bei Stabilität und Kompatibilität seinen guten Ruf verspielt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Steigender Marktanteil der kostenlosen Browser

Steigender Marktanteil der kostenlosen Browser

Der Marktanteil der kostenlosen Open-Source-Browser steigt dagegen weiter. "Privatkunden wie auch Unternehmen wollen heute möglichst wenig zahlen und bei ihrer Software zudem nicht nur von einem einzelnen Anbieter abhängig sein", begründet der Analyst Rinner den Siegeszug. Hinzu kommt, dass Open-Source-Browser wie Firefox inzwischen mit den gleichen Funktionen und dem gleichen Bedienkomfort glänzen können wie der Internet Explorer. "Die Leistungsunterschiede zwischen unterschiedlichen Browsern, die noch vor wenigen Jahren sehr relevant waren, sind für Privatkunden inzwischen kaum mehr wahrnehmbar", bestätigt Peter Weichsel, Technologieexperte bei der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton in Düsseldorf.

Zudem haben Open-Source-Browser ein gutes Image - sie gelten als besonders stabil und sicher vor Hacker-Attacken. "Diese viel gelobten Vorteile sind allerdings größtenteils nur temporäre Effekte", gibt Nate Root zu bedenken, Analyst bei Forrester Research im US-amerikanischen Cambridge. "Wenn das Programm großflächig genutzt wird, werden dieselben Probleme wie beim Internet Explorer auftauchen." Denn mit steigender Verbreitung würde es sich für Hacker lohnen, auch spezielle Viren für diese Browser zu schreiben.

Insgesamt bleibt der Browser-Markt umkämpft. So hat Microsoft gerade für den Sommer dieses Jahres eine neue Version seines Explorers mit erweiterten Sicherheitsfunktionen angekündigt. Allerdings würden die Umsätze in diesem Markt in absehbarer Zeit gegen Null gehen, weil bald alle Anbieter ihre Browser kostenlos abgegeben, erwartet der Berater Rinner. Die Unternehmen setzten lieber darauf, Zusatzsoftware, Dienstleistungen oder Abonnements für integrierte Nachrichtendienste zu verkaufen. "Browser werden zu einem reinen Marketingprodukt", erklärt Rinner. "Die Anbieter werden sie künftig vor allem als Instrument zur Kundenbindung nutzen."

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