Groß, langsam, kann nich fliegen – Schneller schlau, die tägliche Portion Wissen.
Schneller schlau: Welcher Vogel wehrt sich mit Mobbing?
Groß, langsam, kann nicht fliegen - so etwa könnte der Steckbrief eines Menschen im Reich der Meisen aussehen. Und jede Meise, die diesen Steckbrief kennt, wird wissen, dass von einem Exemplar dieser überdimensionierten Nichtflieger kaum eine Bedrohung ausgeht. So kann sich der Vogel also in Ruhe weiter mit wichtigen Dingen wie kleinen Körnern oder bequemen Sitzhölzern beschäftigen, sollte sich einmal zufällig ein Mensch unter seinen Baum verirren.
Zugegeben, das Beispiel ist ein wenig spekulativ. Was genau der Anblick eines Menschen im Kopf einer Meise auslöst, können auch Chris Templeton und seine Kollegen von der staatlichen Universität von Washington nicht sagen. Doch was der Anblick von Eulen oder anderen Greifvögeln auslöst, glauben die Forscher schon eher aufzeigen zu können. Sie haben die Verteidigungsstrategie untersucht, mit der sich Schwarzkopfmeisen gegen gefährliche Raubvögel wehren. Und sind dabei auf ein erstaunlich ausgefeiltes System gestoßen.
Schwarzkopfmeisen sind in Nordamerika weit verbreitet. Außerhalb der Brutzeit leben sie in Gruppen zu sechs bis acht Tieren zusammen. Die kleinen Singvögel stoßen zumeist Rufe aus, die für menschliche Ohren etwa wie „chick-a-dee“ klingen. Für die meisten Lauschenden hört sich dies nach gewöhnlichem Vogelgezwitscher an, Templeton und seine Kollegen jedoch ermittelten, dass die scheinbar gleichförmigen Rufe höchst unterschiedliche Informationen transportieren.
Dazu konfrontierten die Wissenschaftler Schwarzkopfmeisen, die in einer großen Voliere unter vergleichbaren Bedingungen wie in Freiheit lebten, mit verschiedenen Feinden, zumeist Raubvögeln wie Eulen oder Habichten. Dabei zeigte sich, dass die Tiere andere Mitglieder ihrer Gruppe mit unterschiedlichen Rufen vor der drohenden Gefahr warnen. Näherte sich ein Greifvogel im Flug, so stießen die Meisen einen hohen, weichen „seet“- Laut aus. Ein sitzender oder am Boden verharrender Feind hingegen wurde mit dem bekannten „chick-a-dee“ angekündigt.
Doch damit war das Warnpotenzial der kleinen Sänger keineswegs erschöpft. Denn je nachdem, als wie gefährlich ein sitzender Jäger einzuschätzen war, variierten die Alarmschreie in der Zahl der angehängten „-dee“-Rufe. Bei besonders gefährlichen Raubvögeln wie dem Gnomen-Kauz stießen die Tiere bis zu 23 dieser Warnrufe aus, während ungefährlichere Räuber mit fünfzehn, zehn oder sogar nur fünf „dee“-Warnungen bedacht wurden.
Kommentare (3)
Schwarzkopfmeisen sind mir mangels Amerikareisen noch nicht begegnet. Unsere Kohlmeisen im Garten (und mit denen ist der Aufmacher garniert) schimpfen uns jedenfalls recht gehörig aus, wenn wir in der Nähe ihres Brutkastens sind. Bis wir uns verkrümeln…
Allen Theorieanfängern in Sachen Ethologie möchte ich hier noch mal die Werke von Konrad Lorenz und Otto König nahe legen. Aber vorsicht: viel Text und nicht immer leicht verdaulich…
;-)
Die Schwarzkopfmeise verfügt über eine ausgefeilte Verteidigungsstrategie und das ist wohl kein Einzelfall - instiktives verhalten im Tierreich. Der angeborene Naturtrieb Instikt sorgt hier für Reaktionsbereitschaft: Bei Vögel und Fischen im Schwarm, bei Säugetiere im Rudel. Im besonderen Falle ist es die Mutterliebe, die im Tierreich bei Gefahr bis zum Äußersten bei Verteidigung geht. Der bekannteste Warnlaute-Anwender ist wohl der Eichelhäher. Er hat schon machem Jäger die Tour vermasselt... aber wo sind hier neue Erkenntnisse ?
ist doch was.
Mir scheint, dass die Tiere ihr Leben besser im Griff haben als wir Menschen. Insofern sollten die Meisen ihrer "Feindeinschaetzung" hinzufuegen: Menschen sind dumm und selbstzerstoererisch.
Euer
Rainer