Papst Johannes Paul II. kniet vor der Heiligen Tür der Basilika St. Peter in Rom. Sie wird nur während eines katholischen Jubiläums, also eines Heiligen Jahres, geöffnet. Foto: ap
Ursprünglich bezeichnet der Begriff "Jubiläum" ein altjüdisches Festjahr. Alle 50 Jahre sollten die Israeliten, so die Vorschrift im Alten Testament, ihr Ackerland neu verteilen und einander alle Schulden erlassen. Es war also ein Jahr, in dem die ursprünglichen Besitzverhältnisse wiederhergestellt wurden, das Staatswesen erlebte gewissermaßen seine Wiedergeburt. Seinen Namen verdankte dieses "Jubeljahr" dem großen Widderhorn (hebräisch "Jobel") im Tempel von Jerusalem, das zu Beginn des Jahres ertönte.
Auch wenn sich die Historiker heute weitgehend einig sind, dass das altjüdische Jubeljahr eher ein theoretisches Konstrukt als historische Realität war, entwickelte die Idee im Mittelalter eine eigene Dynamik. Als sich zum Ende des Jahres 1299 unerwartet viele Pilger in Rom einfanden, weil sie vom "runden" Jahreswechsel eine besondere Heilskraft erwarteten, griff der damalige Papst Bonifaz VIII. den Jubiläumsgedanken auf und verkündete das erste Jubeljahr der katholischen Kirche.
Auch diesmal ging es um eine Art Schuldenerlass: Wer im Laufe des Jahres 1300 nach Rom pilgerte und dort eine Reihe von Kirchen besuchte, konnte seine Sündenschuld tilgen - das Jubiläum war also nicht anderes als ein großer Ablass. Nicht zuletzt die kräftig sprudelnden Einnahmen für den Heiligen Stuhl und die Stadt Rom sorgten dafür, dass das Jubeljahr - oder Heilige Jahr, wie es auch genannt wird - fortan seinen festen Platz in Kirchenkalender erhielt. Und das bis heute: Allein im 20. Jahrhundert gab es in Rom nicht weniger als sieben Jubeljahre - obwohl sie nach den Regeln der Kirche eigentlich nur alle 25 Jahre gefeiert werden.


