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11.04.2008 
Technische Innovationen

Assistenten schützen vor dem Crash

von Fred Wagner

Der Fahrer des Brummis scheint eingeschlafen zu sein. Mit voller Geschwindigkeit fährt der riesige 40-Tonner auf das Stauende zu. Die Katastrophe scheint unausweichlich. Erst im letzten Moment die Vollbremsung: Der Sattelschlepper geht in die Knie, hupt und blinkt, die Räder qualmen, und kommt wenige Zentimeter vor dem Stauende zum Stehen.

Bei der automatischen Verkehrszeichen-Erkennung von Siemens VDO bekommt der Fahrer die Infos ins Auto gespielt. Quelle: Siemens VDOLupe

Bei der automatischen Verkehrszeichen-Erkennung von Siemens VDO bekommt der Fahrer die Infos ins Auto gespielt. Quelle: Siemens VDO

BERLIN. Von Tempo 80 auf Tempo null – doch nicht der Brummifahrer hat in letzter Sekunde gebremst, sondern die Technik. Der elektronische Schutzengel aus dem Hause Mercedes-Benz funktioniert mit Abstandsradar. Dieser „Active Brake Assist“ für Lkw ist wohl das spektakulärste Fahrerassistenzsystem, das im vergangenen Jahr auf die Straße kam. Nun denkt man in Stuttgart darüber nach, das automatische Notbrems-System auch in Pkw-Modellen einzusetzen, so wie es Nissan bereits in Japan macht. Dort tritt der Oberklassewagen Nissan Cima voll auf die Bremse, wenn der Fahrer eine Gefahrensituationen verpennt.

Karl-Thomas Neumann, Vorstandsmitglied für den Bereich Automotiv Systems bei Continental, beschreibt, wohin die Reise geht: „Lenkung, Bremse und Fahrwerkregelung werden elektronisch miteinander vernetzt, damit ein Fahrzeug demnächst noch schneller reagieren kann, um Unfälle zu minimieren oder zu vermeiden.“ Auf der Liste der innovativen Neuentwicklungen von Conti, die jetzt in die Serie überführt werden, steht zum Beispiel ein Gefahrenrechner. Dieser ermittelt permanent ein Gefahrenpotenzial, das die Unfallwahrscheinlichkeit widerspiegelt. Übersteigt dieses Potenzial eine Schwelle, leitet der Rechner abgestufte Schutzmechanismen ein. Darüber hinaus geht dieses Jahr ein neuer Spurhalteassistent und ein Abstandsregelsystem für den Stop-and-go-Verkehr von Continental in die Serienanwendung.

Neben der Sicherheit spielt auch der Wohlfühlfaktor im Auto eine immer größere Rolle. So arbeiten zum Beispiel Forscher des Autozulieferers Delphi an neuen Lichtkonzepten für den Fahrzeuginnenraum, um das Autofahren angenehmer und sicherer zu machen. Um neue Lichtstimmungen zu erzeugen, setzen die Entwickler auf Leuchtdioden (LED).

Zu den neuen Modellen, die bereits über LED zur Komfortbeleuchtung verfügen, zählt zum Beispiel der neue Mini. Dessen Lichtfarbe lässt sich auf Wunsch in fünf Stufen zwischen warmem Orange und sportlichem Blau variieren. Als dezente „Wasserfallbeleuchtung“ von oben und als indirekte Beleuchtung des Dachhimmels, der Türfächer und der Türgriffschalen sorgen die LED im Innenraum für mehr Atmosphäre. Dieses Jahr gehen weitere Fahrzeuge mit dieser Technik in Serie.

Einen weiterer Trend laut Delphi: Neben der Steuerung des Radios oder des Bordcomputers wandern immer mehr Funktionen und Tasten in das Lenkrad oder in deren Nähe, um die Bedienung des Fahrzeugs zu vereinfachen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Vision vom sehenden Auto nimmt Gestalt an.

Eine starke Marktverbreitung erwartet Bosch für die spritsparende Start-Stopp-Automatik. Der Motor schaltet an der Ampel ab und startet automatisch, so bald es weiter geht. Nachdem der Kleinwagen C3 von Citroën bereits über diese Technik von Valeo verfügt, kommen in diesem Jahr erstmals Fahrzeuge mit der Start-Stopp-Automatik von Bosch auf den Markt, mit denen der Kraftstoffverbrauch je nach Betriebsart um rund zehn Prozent sinkt.

Weitere Einsparpotenziale versprechen verbesserte Einspritzsysteme: Beim Diesel wird sich der Einspritzdruck von 1 800 bar auf 2000 bar erhöhen, um die Effizienz der Verbrennung zu steigern. Bei den Benzinern wird die Direkteinspritzung mit dem Turbo kombiniert. Nachdem Audi und VW seit längerem solche Motoren im Programm haben, ziehen BMW und Peugeot mit einem gemeinsam entwickelten Turbo-Vierzylinder nach.

Was Assistenzsysteme betrifft, ist Bosch vom Erfolg seiner Parklückenvermessung überzeugt, die das Einparken erleichtern soll. Premiere hatte das System bereits im C4 Picasso, weitere Modelle werden demnächst folgen. VW geht mit seinem „Park Assist“ im jüngst aufgefrischten Touran einen Schritt weiter. Die Wolfsburger bieten in diesem Jahr erstmals eine Einparkautomatik an, die nicht nur die Lücke findet, sondern dem Fahrer auch noch das Lenken abnimmt.

Für Dirk Zittlau, der bei Siemens VDO für Fahrerassistenzsysteme verantwortlich ist, nimmt die Vision vom sehenden Auto Gestalt an. „Immer mehr Autos werden Gefahren für den Fahrer frühzeitig elektronisch erkennen“, sagt Zittlau. So geht in diesem Jahr von Siemens VDO der erste Airbagsensor in Serie, der aus dem Unfallgeräusch Schlüsse zieht. Dadurch werde ein Unfall noch früher erkannt, und die Schwere lasse sich besser einschätzen.

Eine weitere Innovation von Siemens VDO ist ein Spurwechselassistent, der erstmals in einem Mittelklassewagen in Serie geht. Dabei werden per Radar die Zone neben dem Auto und der Rückraum überwacht. Überholende Fahrzeuge werden auf diese Art zuverlässig erkannt, der tote Winkel verliert seinen Schrecken. Ein weiteres Assistenzsystem hat 2008 Premiere: Die elektronische Verkehrszeichenerkennung.

Eine Kamera überwacht kontinuierlich die Straße und erkennt die Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Verkehrsschildern. Fährt der Fahrer zu schnell, wird dies gut sichtbar in einem Display eingeblendet oder die Geschwindigkeit wird automatisch angepasst. Das unbeabsichtigte zu schnelle Autofahren dürfte damit der Vergangenheit angehören.

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