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06.12.2007 
Platz da, jetzt komm ich!

Audi S6: Zu teuer, zu stark und viel zu durstig

Die Lust an der Leistung ist trotz Klimadebatte ungebrochen. Doch nicht jeder trägt sie offen zur Schau. Statt eines Sportwagens kaufen viele Besserverdiener potente Limousinen der Werkstuner, deren Kraft man erst auf den zweiten Blick sieht. Auf den Nachbarn wirken sie sozialverträglicher, und das eigene Gewissen beruhigen sie mit dem Argument, dass auch die Familie mitfahren kann.

Audi S6Lupe

Der Audi S6 beschleunigt vehement - in nur 5,2 Sekunden erreicht er 100 Stundenkilometer. (Bild: Audi)

dpa-infocom HAMBURG. Bei BMW ist das der M5, bei Mercedes der E 63 AMG und bei Audi der S6. Dieser Athlet im Anzug geht bei flüchtiger Betrachtung als gewöhnliches Familien- oder Firmenauto durch. Doch wer genau hinschaut, erkennt auf Anhieb den Sportler. Nicht umsonst blickt er mit seinem LED-Tagfahrlicht stechend in den Rückspiegel des Vordermanns und signalisiert unmissverständlich: „Platz da, jetzt komm ich!“ Zudem ist der Kühlergrill stärker betont, die Außenspiegel stecken in glänzend blanken Metallkappen, an der Gürtellinie prangen Seitenschweller, und wer vom S6 überholt wird, sieht einen kleinen Heckspoiler und die vier mächtigen Endrohre.

Auch innen haben die Bayern mit neuen Sportsitzen samt integrierten Kopfstützen, neuen Instrumenten und einer edleren Materialauswahl jene Distanz zur Serie geschaffen, die man bei einem Preisaufschlag von etwa 20 000 Euro erwarten darf. Doch auf Komfort muss deshalb niemand verzichten. Wo einem in echten Sportwagen bald der Rücken schmerzt, kann man auf den mit weichem Leder bezogenen Sesseln auch lange Autobahnetappen entspannt bewältigen.

Guter Kontakt zur Fahrbahn

Dazu passen auch Fahrwerk und Lenkung: Deutlich straffer abgestimmt als in der restlichen Baureihe vermitteln sie zwar stets einen sehr direkten Kontakt zur Fahrbahn, geben dem Fahrer eine zuverlässige Rückmeldung und erlauben eine präzise Spurführung. Doch spürt man nicht gleich jede Querfuge. Dafür wechselt die Tiptronic-Schaltung die Gänge etwas schneller. Der Quattro-Antrieb ist im Normalfall ein wenig hecklastig ausgelegt, so dass der S6 flotter um die Kurven fegt. Das ESP bremst den Spieltrieb bei Bedarf ein und stabilisiert den Wagen auf der Straße.


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Im Zentrum der Kraft steht ein V10-Motor der Audi-Tochter Lamborghini, den die Ingolstädter gründlich überarbeitet haben. Mit Benzindirekteinspritzung bestückt und auf 5,2 Liter Hubraum erweitert, füllt er den knappen Platz unter der Haube wie ein trainierter Bizeps den Hemdsärmel. Zwar sinkt die Leistung um etwa 20 Prozent auf 320 kW/435 PS, aber auch das ist mehr als genug. Jedem sachten Tritt aufs Gaspedal folgt ein heftiger Tritt ins Kreuz, wenn der S6 wie vom Katapult geschossen voranstürmt.

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Vehemente Beschleunigung auch jenseits der 160

In der Stadt drohen beim unvorsichtigen Umgang mit dem Gaspedal Kollisionen mit dem öffentlichen Nahverkehr, auf der Landstraße ist nach nur 5,2 Sekunden das Tempolimit erreicht, und auf der Autobahn will man kaum glauben, warum bei 250 Kilometern pro Stunde (km/h) schon Schluss sein soll. Schließlich beschleunigt die Limousine auch jenseits von 160 oder 180 Sachen noch so vehement, dass man ihr zweifellos 300 km/h und mehr zutrauen würde. Während die Konkurrenten in Stuttgart und München die Tempobremse auf ausdrücklichen Wunsch im Einzelfall wieder entfernen, gibt es den S6 bei Audi auch für Geld und gute Worte nicht schneller, sagt Produktmanager Maximilian Huber: „Denn bei 250 km/h wird die Straße schon verdammt eng.“

Dabei klingt der Motor so zurückhaltend, wie sich das gesamte Auto gibt: Während er im Lamborghini Gallardo an das Brüllen des Stiers erinnert, den die Italiener im Markenzeichen tragen, hört man ihn bei Audi allen akustischen Tricks der Entwickler zum Trotz nur so dezent wie einen wütenden Wachhund, den sein sorgsamer Besitzer vorsichtshalber in den Keller gesperrt hat.

Der Tankwart kassiert kräftig mit

Allerdings hat das Vergnügen einen hohen Preis. Und den zahlt man nicht nur mit der Kaufsumme, die über mindestens 82 250 Euro ausgestellt wird. Auch der Tankwart kassiert kräftig mit: Schon der Normverbrauch von 13,4 Litern ist weit jenseits dessen, was man in Zeiten der Klimadiskussion noch durchgehen lassen kann. Doch im Alltag rauschen auch mal drei, vier Liter mehr durch die Zylinder. Gerade auf schnellen Autobahnetappen braucht das Auto deshalb oft mehr Tankstopps als der Fahrer Kaffeepausen.

Fazit: Audi S6 ist Vergnügen statt Vernunft

Wer sich dem S6 mit klarem Kopf nähert, für den gibt es nur ein Urteil: zu teuer, zu stark und viel zu durstig. Doch nicht jeder stellt Vernunft über Vergnügen. Nicht umsonst ließ Audi zumindest beim Kombi inzwischen einen RS6 folgen, der mit 382 kW/580 PS das stärkste Serienmodell in der Unternehmensgeschichte ist.

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