Die Umweltdiskussion und der hohe Benzinpreis geben erdgasbetriebenen Fahrzeugen neuen Auftrieb. Neben den bisherigen Anbietern von Erdgasautos Fiat, Ford, Mercedes, Opel und Volkswagen kommen nun weitere Anbieter hinzu. Auf dem Genfer Autosalon zeigen Hersteller Anfang März neue alternative Modelle.
BERLIN. Der Fahrzeugentwickler BRA aus Schweinfurt präsentiert auf dem Genfer Autosalon Anfang März zusammen mit seinen Partnern PGO Automobiles, GVM und Gasmobil erstmals einen Roadster mit Methan-Turbomotor, der sowohl mit Erdgas als auch mit Biogas betrieben werden kann. Auch Audi
erprobt den Antrieb mit Erdgas - bei seinem A5.
Der französische Kleinserienhersteller PGO zeigt mit dem Cévennes Turbo-CNG eine seriennahe Studie. Das Auto erzielt eine Reichweite von 450 Kilometern und eine Leistung von 150 PS bei einem Gewicht von 980 Kilo. Dies ermöglicht eine Beschleunigung von 0 auf 100 Stundenkilometer in 6,5 Sekunden. Die CO2-Emission beträgt rund 118 Gramm pro Kilometer. Wird ausschließlich Biogas getankt, ist die CO2-Bilanz neutral.
Infografik: Erdgas als Kraftstoff
Erdgasautos stoßen etwa ein Viertel weniger Kohlendioxid als Benziner aus. Deutlicher ist der Effekt noch bei Stickoxiden, wovon 80 Prozent weniger in die Luft gepustet werden und die Hälfte weniger Kohlenmonoxid. Schwefel und Ruß sowie Feinstaub entstehen bei dem Verbrennungsprozess erst gar nicht.
Weiterer Vorteil gegenüber anderen umweltfreundlichen Fahrzeugen wie dem Hybrid: Die Technik ist weniger komplex. Es gibt nur den konventionellen Verbrennungsmotor, der kaum verändert werden muss. Statt mit einem Benzin-Luft-Gemisch werden die Zylinder eines üblichen Ottomotors mit einem Erdgas-Luft-Gemisch versorgt, wobei bivalente Fahrzeuge (auch bifuel genannt) sowohl mit Erdgas als auch mit Benzin fahren können, was deren Reichweite kräftig erhöht.
Monovalente Fahrzeuge (auch monofuel genannt) verfügen lediglich über einen zusätzlichen Nottank für maximal 15 Liter Benzin. Opel setzt auf diese Variante, weil so der Kraftstoffverbrauch und damit die Emissionen optimiert werden können. Nachteil: Nach gut 300 Kilometern muss ein 94-PS-Zafira an die Zapfstelle, von denen es deutschlandweit etwa 770 gibt. Auch in angrenzenden Ländern ist die Versorgung gesichert. So gibt es in Österreich rund 90, in der Schweiz fast 100 und in Italien über 600 Tankstellen mit Erdgas oder Biogas.
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Ein VW
Touran EcoFuel mit 109 PS hat eine ähnliche Reichweite, ein Fiat Multipla Natural Power schafft im reinen Erdgasbetrieb immerhin 420 Kilometer. Doch erfreut sind Entwickler darüber und die meist magere Leistung der Motoren noch nicht. Im Taxibetrieb, wo allein in Berlin 1 000 Opel-Zafira-Erdgasfahrzeuge
eingesetzt werden, mag das ausreichen, doch ein Handelsvertreter wird wohl kaum beglückt sein: "Wir arbeiten an einer Leistungs- und Verbrauchsoptimierung, wofür bald ein Turbo sorgen wird", sagt Wolfgang Scholz, Sprecher von Opel. Daran werkelt auch die Konkurrenz aus Wolfsburg. Ende letzten Jahres wurde ein Prototyp vorgestellt: Der VW
Passat TSI EcoFuel wird mit Kompressor und Turbo aufgeladen und bietet 150 PS. Auch Audi
möchte sportlich ambitionierte Sparer mit einem Gas-Turbo locken, der derzeit im A5 erprobt wird.
Aktuell bietet VW
neben dem Touran den Caddy mit Erdgasantrieb an. Ford
hat den C-Max und Focus auf dem Markt, Fiat, Peugeot
und Citroen
vor allem Kleinwagen und kleine Nutzfahrzeuge. Volvo,
seit jeher aktiv auf diesem Gebiet, hat allerdings zurzeit die Serienproduktion für den deutschen Markt eingestellt. Der Hersteller arbeitet an einer neuen Technik, über die im Laufe des Jahres mehr zu erfahren sein wird - und die 2010 serienreif sein soll.
Der Mehrpreis bei Erdgasneuwagen ist geringer als die Kosten für eine Nachrüstung. so zahlt der Kunde beim Opel Zafira rund 1 500 Euro drauf, während ein nachträglicher Einbau bis zu 4 800 Euro kostet kann - und einen Teil des Kofferraums, denn dort wird der Tank untergebracht, der bei Erdgasautos wie bei herkömmlichen Fahrzeugen am Unterboden Platz findet.
Eine Umrüstung kann sich für Vielfahrer dennoch lohnen. Der ADAC hat Mitte Januar ausgerechnet, wie viel Autofahrer pro Jahr sparen können, wenn sie mit Erdgas unterwegs sind. Verglichen wurden die 16 neuesten Erdgasmodelle. Am meisten sparen können laut dem Automobilclub Besitzer eines Opel Zafira 1.6 CNG. Bei 15 000 Kilometern Fahrleistung im Jahr sind sie knapp 800 Euro im Jahr günstiger unterwegs als mit vergleichbarem Dieselmodell. Ähnlich hoch ist der Spareffekt beim VW
Touran EcoFuel. Mit ihm sparen Autofahrer 765 Euro im Jahr gegenüber dem vergleichbaren Benzinmodell.
