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16.09.2007 
IAA-Hintergrund

Autokino auf Rädern

von Chris Löwer

Das Radio steht immer noch im Mittelpunkt des Entertainments im Auto. Nur: Es hat sich vom Verkehrsfunkempfänger zur Multimediazentrale gewandelt, über die von der Navigation, Telefon, Film, Fernsehen, Musik bis zu Bluetooth alles kommandiert wird. Außerdem dürfen sich vor allem Passagiere im Fond über große ausfahrbare Bildschirme freuen.

Bei der Erstausrüstung von Autos spielt Infotainment eine immer größere Rolle.Lupe

Bei der Erstausrüstung von Autos spielt Infotainment eine immer größere Rolle.

FRANKFURT. JVC folgt dem Trend und lässt Filme über ein im Autoradio integriertes Drei-Zoll-TFT-Display flimmern – was sich während der Fahrt verbietet, allenfalls im Stau für den Fahrer in Frage kommt. Meist werden die Bildschirme in die Rückseiten der Kopfstützen der Vordersitze integriert. Originell ist die Lösung von Pyle: Hier werden die Schminkspiegel in der Sonnenblende durch einen TFT-Monitor ersetzt.

„Bei der Erstausrüstung von Autos spielt Infotainment eine immer größere Rolle – wie auch die Displays immer größer werden. Im Handelsgeschäft ist Connectivity gefragt, weil vom Kunden immer öfter der iPod, das Handy und Inhalte externer Geräte eingebunden werden wolle“, sagt Joachim Siedler, Sprecher der Bosch-Tochter Blaupunkt.

Aus der Mode kommen hässliche Freisprecheinrichtungen, die ans Armaturenbrett gebastelt werden, denn das Handy wird unter anderem bei Blaupunkt über ein universelles Interface über die Bluetooth-Funktechnik ins Auto integriert. „Damit werden Bluetooth-fähige Mobiltelefone mit ihren Kommunikationsfunktionen bedienungsfreundlich an das Autoradio oder Radio-Navigationssystem angedockt“, erklärt Siedler. Das Handy kann so getrost in der Jackentasche oder dem Aktenkoffer bleiben.

Je nach Modell kann es über eine Sprachsteuerung bedient werden. Neben der Spracheingabe ist auch eine Bedienung über Push-to-Talk möglich: Dann werden per Tastendruck Anrufe angenommen, abgelehnt oder beendet. Außerdem werden über die Schnittstelle Tonübertragungen von MP3-Spielern, dem Handy oder iPod direkt ins Soundsystem des Autos möglich.



Möglich ist auch die Variante, das eingebaute Bluetooth-Funkmodul am Mobiltelefon zur gegenseitigen Kommunikation anzumelden, woraufhin sich Autoradio und Handy ohne weiteres Zutun erkennen, wenn das Telefon in Reichweite des Autoradios ist.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Auch Spielekonsolen finden Anschluss

Car-Entertainment-Ausrüster tun überdies alles, damit der Begriff vom Autokino eine ganz neue Bedeutung bekommt. Vor allem wird an der Empfangsqualität des so genannten Überall-Fernsehens DVB-T geschraubt. Ein neues Empfangssystem, das der Zulieferer Delphi auf der IAA präsentiert, nutzt daher gleich mehrere Scheiben- und Karosserieantennen samt Verstärkern, um auch in Straßenschluchten solide Signale zu empfangen. „Die von Delphi patentierte Scan-Div-Technik wählt automatisch das beste Audio- und Videosignal von vier Antennen aus, um den Insassen TV-Qualität wie daheim zu bieten“, berichtet Sprecher Thomas Aurich. Zu den ersten Abnehmern der Technik zählt BMW.

Außerdem arbeitet auch Delphi daran, alle denkbaren Unterhaltungs- und Kommunikationstechniken miteinander zu verbinden: „Durch eine offene und flexible Systemkonfiguration können neueste Technologien aus der Unterhaltungselektronik integriert werden, was immer wichtiger wird“, sagt Aurich. „Die Verfügbarkeit leistungsstarker Computer-Plattformen für alle mobilen Geräte hat zu einer Fülle an neuen Funktionen geführt. Bei den meisten davon handelt es sich bereits um reine Softwareanwendungen. Zu den aktuellsten Trends gehören beispielsweise die GPS-Navigation für Mobiltelefone und der Sprachbetrieb für Personal Navigation Devices.“

Entsprechend sind Navigationsgeräte nicht mehr nur Routenplaner, sondern Teil der Unterhaltungszentrale, über die diverse Video- und Audiodateien geladen und während der Streckensuche abgespielt werden können. Mittlerweile finden sich dafür etliche Schnittstellen – vom USB-Anschluss, über den selbst Daten vom PC gezogen werden könnten, bis zu Videoanschlüssen und einen Schacht für die Speicherkarte des MP3-Players.

Denn Daten mobiler Geräte rund um die Unterhaltung wie die komplette Musiksammlung sollen Autofahrten verkürzen, weswegen Hersteller komplette Infotainmentpakete anbieten. Renault bietet beispielsweise für den Espace einen integrierten DVD-Spieler und eine so genannte Audio-Connection-Box, die es ermöglicht, von einem externen Gerät Musik zu hören. Zu dem DVD-System zählen zwei in die Rückseite der vorderen Kopfstützen integrierte 16:9-Farbbildschirme sowie zwei kabellose Infrarot-Kopfhörer. Hinzu kommen Anschlussmöglichkeiten für mobile Spielkonsolen.

Befürchtungen, dass bei so viel guter Unterhaltung die Verkehrssicherheit leiden könnte, zerstreut Blaupunkt-Sprecher Siedler: „Bei allen Anwendungen geht es immer auch um eine bessere Bedienbarkeit. So muss niemand mehr mit dem iPod oder dem Handy auf dem Beifahrersitz herumhantieren, die in Kurven auf den Boden rutschen. Das geht jetzt bequem über den Touchscreen des Radios, was die Sicherheit erhöht.“



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