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01.03.2007 
Vor 100 Jahren geboren

Béla Barényi war der geistige Vater des VW-Käfers

Wie Millionen Familien ihr Urlaubsgepäck in ihm verstauen konnten, war immer wieder ein kleines Wunder - mittlerweile ist er längst Kult und immer noch läuft und läuft und läuft er: der VW-Käfer.

Wer hats erfunden? Richtig, ein Österreicher.Lupe

Wer hats erfunden? Richtig, ein Österreicher.

dpa WOLFSBURG. Ferdinand Porsche brachte ihn Ende der 1930er Jahre zur Serienreife. Doch als sein geistiger Vater gilt ein anderer. Der Österreicher Béla Barényi hatte den späteren VW-Käfer bereits 1925 auf dem Reißbrett entworfen. Am 1. März 2007 wäre Barényi 100 Jahre alt geworden.

Sein Lebenswerk ist längst nicht nur mit den Ursprüngen des VW- Käfers verbunden. In der Geschichte des Automobilbaus spielte der Konstrukteur Barényi eine wichtige Rolle. In fast jedem modernen Auto steckt ein Stück seiner Konstruktionsideen. Der Käfer war nur der Anfang.

1925 reichte Barényi die Zeichnung des buckligen Wagens als seine Abschlussarbeit bei einem Wiener Technikum ein. Es folgten Jobs als Konstrukteur in Österreich, Frankfurt und Berlin, bis Barényi 1939 eine Anstellung bei Mercedes in Sindelfingen fand. Nach Angaben der historischen Dokumentation des heutigen Daimler-Chrysler-Konzerns entwickelte Barényi in einer Holzbaracke die Anfänge einer Vision, die das Sicherheitskonzept moderner Autos begründen sollte - Barényi forschte an der Idee der „Knautschzone“.

Der Zweite Weltkrieg setzte dem Tatendrang des Konstrukteurs ein vorläufiges Ende. Das Mercedes-Werk bei Stuttgart wurde zerstört, Barényi hielt sich als Straßenfeger über Wasser. Ferdinand Porsche hatte zu diesem Zeitpunkt Barényis Idee des Volkswagens, die inzwischen in einschlägigen Magazinen veröffentlicht worden war, in die Tat umgesetzt.

1934 stellte Porsche dem Reichsverkehrsministerium sein „Exposé betreffend den Bau eines Deutschen Volkswagens“ vor und erhielt den Zuschlag. 1938 war das Fahrzeug, das die Nazis „Kraft-durch-Freude- Wagen“ tauften, serienreif. Doch Deutschland brauchte keinen Volkswagen mehr, Hitlers Feldzüge verlangten Kübelwagen und die wurden in Wolfsburg zusammengesetzt. Die ersten Aufträge für den späteren VW-Käfer gingen erst in der Nachkriegszeit ein.

Heute rühmt sich Porsche zwar noch mit der Umsetzung des Wagens für jedermann, weiß aber um die Vorarbeit des Österreichers. „Einen ganz entscheidenden Teil für die Urheberschaft des späteren VW-Käfers hat Béla Barényi geleistet“, sagt Dieter Landenberger, Leiter im Historischen Archiv bei Porsche.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Barényis Tatendrang kannte kein Halten mehr

Dass Barényi aus seinem Ursprungsentwurf kein Kapital geschlagen hatte, verbaute ihm seine spätere Karriere nicht. Er fand 1948 bei Mercedes erneut eine Anstellung. 1952 meldete Barényi seine wohl wichtigste Erfindung an: Unter dem Titel „Kraftfahrzeug, insbesondere zur Beförderung von Personen“ ließ sich der Konstrukteur die Bauweise der Knautschzone patentieren. Sie revolutionierte den Automobilbau.

In Barényis Patentschrift las sich das so: Fahrgestell und Aufbau sind so konstruiert, dass „ihre Festigkeit im Bereich des Fahrgastraumes am größten ist und nach den Enden zu stetig oder stufenweise abnimmt“. Barényi hatte erkannt, dass ein Auto mit mehr Robustheit nicht automatisch sicherer wird. Vielmehr schützt das Zusammenspiel aus fester Fahrgastzelle und einem leicht verformbaren Aufbau des Hecks und der Front die Insassen bei einem Unfall.

Barényis Tatendrang kannte fortan kein Halten mehr. „Noch heute finden sich unter seinem Namen mehr als 1400 Veröffentlichungen in unserer Datenbank“, sagt Stephanie Krüger vom Deutschen Patent- und Markenamt in München. Auch die Patente auf die Sicherheitslenksäule, den Seitenaufprallschutz und die Überrollbügel in Kabrios entwickelte Barényi. Teilweise gelangten sie erst Jahrzehnte später zur Serienreife.

Als der VW-Käfer 1997 in Mexiko immer noch in Massen vom Band lief, starb Barényi im Alter von 90 Jahren.

Links:
» www.dpma.de
» www.automotivehalloffame.org

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