Saus und Braus
Eine Motorleistung von 130 PS ist für ein Auto, das knapp 1 500 Kilo auf die Waage bringt, nicht sehr viel. Was die Leistungswerte auf dem Papier vermuten lassen, bestätigt sich im Fahrbetrieb: Der BS6 ist hoffnungslos untermotorisiert. Es fehlen wenigstens 20 PS, um ordentlich im Verkehr mitschwimmen zu können. Egal, welchen Gang man gerade eingelegt hat: Beim Tritt aufs Gaspedal tut sich lange erst mal nichts: Beschleunigung ist für das Auto ein Fremdwort. Jenseits von 150 km/h wird es brummig, bei 130 km/h etwas ruckelig, sodass sich meine Reisegeschwindigkeit auf der Autobahn schließlich bei 120 Stundenkilometer einpendelt. Dennoch schluckt der Vierzylinder im Schnitt mehr als 10 Liter Superbenzin.
Auch daran sieht man, dass der Motor, den Brilliance bei Mitsubishi zugekauft hat, veraltet ist. Die Chinesen haben deshalb wohl auch ihrem BS6 einen Tank mit einem Fassungsvermögen von 74 Litern mitgegeben. Über die Fahrwerk, das bis auf Weiteres ohne den Schleuderverhinderer ESP auskommen muss, kann ich nicht klagen. Der Wagen ist angeblich mithilfe von Porsche Engineering komfortabel abgestimmt worden und federt grobe Fahrbahnunebenheiten gut aus. Dafür ist die Lenkung leider sehr schwammig und überaus träge geraten: Auf Bewegungen am Lenkrad reagieren die Räder stets mit einer gewissen Verzögerung. Vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten habe ich mich manchmal gefragt, ob mein Lenkbefehl tatsächlich bis zu den Vorderreifen durchgedrungen ist. Im Stadtverkehr ist mir die Servounterstützung außerdem zu gering.
Schalten und Walten
Der Brilliance wird derzeit ausschließlich mit einer Fünfgang-Handschaltung ausgeliefert, später soll auch eine Automatikversion folgen. Wie die Automatik mit dem schwachen Motor klarkommen soll, ist mir allerdings ein Rätsel. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass es unter den Interessenten an dem Auto eine große Nachfrage nach einer Automatik gibt. Denn die Handschaltung ist hakelig und etwas unpräzise. Freude am Fahren kann da nicht aufkommen. Die Bremsen reagieren zügig und kraftvoll, allerdings arbeitet der Blockierverhinderer ABS etwas grobknochig. Auch hier merkt man: Der BS6 ist ein technisch veraltetes Fahrzeug in einem modernen Gewand. Dass der Wagen bei europäischen Crashtests schlecht abgeschnitten hat, kann man sich denken. Überprüfen möchte ich das lieber nicht.
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