0 Bewertungen
19.08.2007 
Das Autoradio in Europa wird 75 Jahre alt

Das erste Autoradio wog 15 Kilo

Ihren Prototypen schickten die Erfinder vorsorglich in die Wüste. Beim Extrem-Test in der Sahara erhielt das Gerät den letzten Schliff. Vor 75 Jahren, am 19. August 1932, war die Sensation dann perfekt: Europas erstes Autoradio wurde auf der Berliner Funkausstellung präsentiert - ein Produkt des absoluten Luxus.

Das erste Autoradio Europas, das "Autosuper AS 5" von Blaupunkt. Foto: dpaLupe

Das erste Autoradio Europas, das "Autosuper AS 5" von Blaupunkt. Foto: dpa

dpa HILDESHEIM. Die Stille am Steuer war fortan vorbei. Der Empfänger holte Musik und Nachrichten endlich auch ins Fahrzeuginnere. Heute, nach einem Dreivierteljahrhundert, können integrierte Navigationssysteme im Autoradio die Fahrer per Satellit zum Ziel führen. Die Tage des guten alten Autoradios sind gezählt - Multimedia wird sie schlucken.

Der Schatz von damals liegt heute bei Blaupunkt in Hildesheim hinter Glas. Pressesprecher Joachim Siedler rückt das „Autosuper AS 5“ aus der Vitrine. Europas erstes Autoradio ist ein schwarzer Kasten, 15 Kilogramm schwer und weit größer als ein Schuhkarton. Von Knöpfen, Tasten und Rädchen - keine Spur. „Dafür gab es die Fernbedienung“, sagt Siedler und zeigt das faustgroße Bedienteil. Es klemmte am Steuer und der Fahrer regelte Lautstärke und Senderwahl über Bowdenzüge. Das eigentliche Radio hing über dem Fußraum der Beifahrerseite. „Das gute Stück kostete 465 Reichsmark. Für das Dreifache gab es damals bereits einen Neuwagen“, erklärt Siedler.

Aus dem Äther drang schon vor 75 Jahren per Mittel- und Langwelle ein bunt gemischtes Programm ins Fahrzeug, sagt Friedrich Dethlefs, Experte für die Geschichte des Rundfunks beim Deutschen Rundfunkarchiv. Vorträge, Nachrichten, Hörspiele und natürlich Musik hätten sich abgewechselt. „Auch Live-Übertragungen gab es schon.“ Eher überholt klingt heute eigens für Zielgruppen Gesendetes wie „Marktberichte für Landwirte oder Hausfrauen“.


Unser redaktionelles Themen-Special zur Auto- und mobilen Navigation finden Sie » hier.


Vorerst jedoch blieb das Autoradio ein wahres Luxusprodukt. Bis auch die Massen am Steuer lauthals mitsingen konnten, sollte es noch Jahre dauern. Nur 400 Exemplare des „Autosuper AS 5“ fanden in den 30er Jahren einen Käufer, erklärt Siedler. Die Autofahrer in den USA waren dieser Tage schon weiter. Bereits in den 20er Jahren gab es dort Autoradios in Serienreife, etwa in Wagen der Marke Chevrolet.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Gummibänder brachten die Lösung

Noch vor wenigen Jahren undenkbar: Ein FM-Transmitter überträgt die Songs eines MP3-Players drahtlos zum Autoradio. Foto: Pearl/PRLupe

Noch vor wenigen Jahren undenkbar: Ein FM-Transmitter überträgt die Songs eines MP3-Players drahtlos zum Autoradio. Foto: Pearl/PR

In Europa tüftelten die Erfinder länger. Das Problem: Die Befestigung der empfindlichen Glaskolbenröhren. Unter den mehr als 1 000 Radio-Bauteilen wären sie den Erschütterungen auf der Straße als erstes zum Opfer gefallen. „Gummibänder brachten die Lösung“, erklärt Siedler. Die elastischen Halter hätten Europas erstes Autoradio auch unter holprigsten Bedingungen sanft abgefedert. Die erste Idee für die Erfindung stammte aus den Werken der Berliner Firma „Ideal“, die später vom Bosch-Konzern gekauft und Blaupunkt benannt wurde.

In Zukunft wird nichts mehr an das schmale Autoradio von früher erinnern. Der Trend gehe dahin, das Autoradio in einem Paket aus Information und Unterhaltung aufgehen zu lassen. „Das Autoradio, wie wir es noch heute kennen, wird in einigen Jahren nur noch ein Teil einer ganzen Multimedia-Einheit sein“, sagt Uwe Thomas, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Blaupunkt. Die künftige Heimat des Autoradios nenne sich „Integriertes Fahrerinformationssystem“. Und abschließende Tests in der Wüste sind schon lange nicht mehr nötig.

» Link:
Homepage des Deutschen Rundfunkarchivs
Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Automobil Rubriken

Anzeige

weiterTuminellis Designkritik

Mercedes GLK: Jurassic Car  Artikel in Merkliste

23.07.2008Tuminellis Designkritik

Mit dem GLK bringt Mercedes Benz im Oktober einen Baby-Geländewagen auf den Markt. Der Autobauer aus Stuttgart versucht mit seinem selbstbewussten Auftritt, den Anti-Geländewagen-Trend aufzuhalten. Was aber ist eigentlich Mercedes-artig am GLK? Artikel


Anzeige