Ja, es gibt sie noch, die Träume von der lust- und stilvollen Dekadenz des alten Europas, von der Pracht und der Herrlichkeit des alten und nicht ganz so alten Geldes, gepaart mit der neureichen Exorbitanz der trotz Bankenkrise immer noch mehr als flüssigen Kollegen aus der Neuen Welt. Aus den neuer-reichen Metropolen dieser Welt ist niemand da. Es hätte sich schon einer aus Moskau angemeldet, wird über einem Gläschen Cristal getuschelt, mit einem Rolls, na ja. Aber man bleibt gerne unter sich, wobei die auf „so um die 50“ begrenzte Teilnehmerzahl hilft, „Riffraff“ rauszuhalten.
Einen kritischen Punkt erreicht der Klatsch-und-Tratsch, als das Gerücht auftaucht, ein Scheich aus Abu Dhabi hätte eine größere Summe für die Villa selbst geboten, was den zukünftigen Charakter des noblen Concorsos ja wohl doch beeinflussen könnte. Dann stellte es sich aber heraus, dass es nur die Versace-Villa am Comer See war, die soeben vom russischen Betreiber einer Fast-Food-Kette in Moskau für 35 Millionen Euro gekauft wurde. Der Feind stehe vor Wien, sozusagen, wie ein wohlhabender Bayer mit nur leicht getarnter Ironie und einem wirklich schön präparierten Italiener vermerkte. Gewonnen hat schließlich ein Mexikaner, Arturo Keller, der schon mal mit einem Alfa Romeo siegen konnte. Diesmal präsentierte er einen Mercedes-Benz 540K Autobahnkurier aus dem Jahr 1938.
Dass die Anmeldung für eine solche Veranstaltung nicht so volksnah ablaufen kann wie die von „DSDS“, versteht selbst ein Finanz-Prolet wie ich. Selbstverständlich könne man sich bewerben. Und die Warteliste sei halt schon sehr lang, man müsse das verstehen, da könne nicht jeder ...
„Die Teilnehmermodelle“, erläutert Mitorganisator Urs Paul Ramseier das elitäre Auswahlprinzip, „sollten allerdings nicht nur besonders seltene Automobile sein, die selbstverständlich in ausgezeichnetem Zustand sind, sondern sie sollten bestenfalls auch eine illustre Geschichte vorweisen können.“ So wie der Autobahnkurier, von dem es zunächst nur ein Modell gab, das auf dem Pariser Automobilsalon 1938 vorgestellt wurde und das sich ein spanischer Augenarzt noch mal bauen ließ. Heute ist nur noch eines der beiden Autos erhalten.
Anmeldeformular? Meldegebühren?, fragte ungläubig ein Schweizer Collector in einem Gespräch vor einigen Jahren, als er mit mir über seine eigene erfolgreiche Anwartschaft diskutierte. Man käme halt ins Gespräch, untertrieb er und lächelte dabei sehr freundlich.
Mit dem M1 hatte ich schließlich doch noch eine Chance. BMW, Sponsor des Events, hatte fünf für den Concorso gemeldet – zum 30. Geburtstag des Modells und außer Konkurrenz. Eines der Museumsstücke durfte ich nach Como fahren. Und träumen.
Was kostet die Welt?!
Ein Concorso-Wagen sollte eine einzigartige Geschichte haben und perfekt restauriert sein. So ein Engagement kostet oft siebenstellige Beträge.
Laufstege für Oldtimer:
- Pebble Beach Concours d'Elegance in Kalifornien, 13. bis 17.8.
» www.pebblebeachconcours.net - Goodwood Revival in Goodwood/England, 19. bis 21.9.
» www.goodwood.co.uk/Revival - The Amelia Island Concours d'Elegance, Amelia Island, Florida, 13. bis 15.3.09
» www.ameliaconcours.org - Concorso d'Eleganza in der Villa d’Este, Cernobbio/Italien, 24. bis 26.4.09
» www.concorsodeleganzavilladeste.it
