Sparfüchse am Steuer kennen das: Die Ampel springt auf Rot, hektisch wird der Zündschlüssel umgedreht, damit der Motor keine Sekunde länger als nötig läuft. Weil das sehr unbequem ist, greifen Profisparer lieber direkt zum Vollhybrid. Doch der ist recht teuer. Eine einfache und ungleich günstigere Alternative ist eine Start-Stopp-Automatik, die gerade in Mode kommt.
BERLIN. Wer beispielsweise mit einem neuen 1er-BMW an eine rote Ampel rollt, dabei die Kupplung tritt und den Gang herausnimmt, der signalisiert damit dem Triebwerk, dass er warten muss. Der Motor geht automatisch aus. Springt die Ampel auf Grün, genügt es, die Kupplung zu treten, der Motor springt ohne Verzögerung an und weiter geht's.
„Das Wiederanlassen des Motors erfolgt blitzschnell, weil im Steuergerät die beim Abstellen des Motors erreichte Position der Kurbelwelle gespeichert wird. Zündung und Einspritzung können daher ohne Verzögerung aktiviert werden“, erläutert Michaela Müller, Techniksprecherin von BMW. Außerdem wird der in der Kraftstoffleitung aufgebaute Druck während der Haltephasen konstant gehalten, was beim Start Zeit spart.
Derzeit ist neben dem 1er auch der BMW 320i Coupé/Cabrio mit der Technik ausgestattet. Im Modelljahr 2008 sollen alle Vierzylinder der 3er-Reihe damit versehen sein. Allerdings schaltet das System nicht in jedem Fall den Motor ab. Herrschen draußen unter drei oder über 30 Grad Celsius oder hat die Klimaanlage noch nicht den vorgewählten Wert erreicht, läuft der Motor weiter. Wenn der Druck im Bremssystem abfällt oder das Auto anrollt, startet die Automatik den Motor auch selbstständig. Außerdem lässt sich das komplette System mit einem Tastendruck deaktivieren.
Ebenso wichtig: Anlasser und Starterbatterie müssen für die deutlich größere Belastung üppiger dimensioniert werden. Dafür hat Bosch einen leistungsfähigen Elektromotor entwickelt. „Wichtig bei diesem Konzept ist, dass die Funktionen des Autos überwacht werden und eine spezielle Software daraus die richtigen Schlüsse für den Einsatz der Start-Stopp-Automatik zieht“, sagt Thomas Knoll, Sprecher der Bosch Kraftfahrzeugtechnik.
Besonderes Augenmerk gilt der Batterie, ohnehin der Pannenauslöser Nummer eins. Bosch hat einen kompakten Sensor für die Pol-Nische der Autobatterie entwickelt, der dort einfach aufgesteckt wird und den aktuellen Ladezustand ermittelt. Ist diese zu schwach, dann geht der Motor erst gar nicht aus. „Insgesamt entstehen geringe Mehrkosten, die sich rasch amortisieren“, sagt Knoll.
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In Tests bei Stadtfahrten mit zwölf Stopps von je 15 Sekunden Dauer über eine Strecke von sieben Kilometern verringerte das System von Bosch den Verbrauch um bis zu acht Prozent. Knoll: „Sind die Stopps länger, kann die tatsächliche Einsparung an CO2-Emissionen und Kraftstoff noch deutlich höher liegen.“
Daher setzen immer mehr Autohersteller auf den Stopp-Trick. Der französische PSA-Konzern, zu dem Peugeot und Citroen gehören, bietet den Leerlaufkiller ebenfalls schon länger an und will bis Jahresende alle Modelle damit ausgestattet haben. Der französische Zulieferer Valeo hat mit „Stars“ sogar ein System zur Nachrüstung entwickelt. Neben den Hybrid-Modellen wird Toyota auch konventionelle Autos mit der Technik bestücken. Und Ford wird zunächst den Fiesta automatisch stoppen und starten lassen.
Auch Daimler-Chrysler fängt erstmal klein an. Ende dieses Jahres kommt der „Smart micro hybrid drive“. Wobei sich das „hybrid“ im Namen des Benziners auf die Start-Stopp-Automatik bezieht und nicht etwa auf einen Elektroantrieb. Anders als etwa bei BMW muss man im Smart weder die Kupplung treten noch in den Leerlauf schalten. Es genügt ein Tritt aufs Bremspedal, sobald das Tempo unter acht Stundnenkilometer fällt und der Motor geht aus. Der Konzern plant, die Technik künftig in allen anderen Baureihen einzusetzen – auch bei den Dieseln.
Bei VW steht das Thema nun wieder auf der Agenda. Zwar hatte der Konzern Start-Stopp-Systeme bereits im Einsatz – zuletzt im 3 Liter-Lupo, doch derzeit wird man danach vergeblich suchen.
