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03.05.2008 
Dragster vs. Audi RS6

Exzessiv getunte Armada

von André Schmidt-Carré

Die Dragster-Szene misst sich in der Eifel mit einem entfernten Verwandten: dem 580 PS starken Audi RS6. Der Kombi im grauen Einheits-Look wandelt mit seinem V10-Biturbo unter einem Vertreterauto-Gewand auf dem Grat zwischen Understatement und Massenware und kann dennoch begeistern - auch Dragster-Fahrer.

Man sieht ihm die Leistung nicht an - unter der Haube des neuen Audi RS6 Avant steckt jedoch ein Zehnzylinder-Aggregat mit 580 PS. Foto: dpaLupe

Man sieht ihm die Leistung nicht an - unter der Haube des neuen Audi RS6 Avant steckt jedoch ein Zehnzylinder-Aggregat mit 580 PS. Foto: dpa

Es riecht ziemlich streng nach verbranntem Gummi, aber das ist offenbar der Reiz. Rauchschwaden ziehen über den Flugplatz. Ein schwarzer US-Pick-up schickt gerade mit Vollgas die Weißwandreifen seiner Antriebsräder ins Nirwana - so sieht das Warmfahren auf Dragster-Art aus. Schließlich müssen die riesigen Slick-Walzen vor dem Start auf Temperatur kommen, damit sie den nötigen Grip aufbauen. Und die Zuschauer wollen was sehen, der eigentlich postpubertäre Kraftakt gehört zur Show.

Heute stehen nur einige Dutzend Fans an der Strecke in Bitburg in der Eifel, an regulären Rennwochenenden kommen schon mal 1 000 Motorsport-Wahnsinnige zusammen. Der auf Beschleunigungsrennen spezialisierte Veranstalter "1on1-Motorsports" hat zum ersten Testlauf für die neue Saison gerufen.

Etwa 30 Autos sind dabei: Neben einer Armada exzessiv getunter Käfer und amerikanischer Hubraumwunder vergangener Jahrzehnte steht die Abteilung "günstige Gebrauchtwagen und Exoten." Einen grasgrünen Audi 80 ziert ein monströser Kühler, der Böses erahnen lässt. Einige Meter weiter ein Subaru-Rallye-Ableger Impreza WRX ganz in Schwarz. Und die Riege älterer 3er-BMWs gewinnt zwar keinen Schönheitspreis, dafür quietschen im Rennen selbst beim Einlegen des zweiten und dritten Gangs die Antriebsräder.

In diese Melange haben wir den wohlerzogenen Audi RS6 geschickt. Der Kombi im grauen Einheits-Look wandelt mit seinem V10-Biturbo unter einem Vertreterauto-Gewand auf dem Grat zwischen Understatement und Massenware. Doch die Autofans beim Dragster-Rennen erkennen hinter den dezent ausgestellten Kotflügeln, die an den Ur-Quattro erinnern sollen, den wahren Kern: "der neue RS6, 580 PS, geiles Auto". Klick, Beweisfoto für daheim.

Zwischen den aufgemotzten Karren, deren Maschinen aus viel zu kleinen Motorräumen quellen, steht der Audi im feinen Business-Anzug da wie einer, der sich auf den Bolzplatz verirrt hat. Die Leistungsdaten des derzeit stärksten Serien-Audi sprechen hingegen eine klare Sprache: 5,0 Liter Hubraum mit Zwangsbeatmung, 0-100 km/h in 4,6 Sekunden. Klarer Fall von Dragster-Philosophie, Serienautos in Raketen zu verwandeln.

Die Regeln des Rennens nach amerikanischem Vorbild sind schlicht: Man stelle zwei Autos auf eine lange Gerade, beschleunige über eine Viertel-Meile mit allem, was man hat, und gucke, wer schließlich gewinnt. Also sehr hilfreich: viel, viel Leistung. Der 1962er Nova-Chevy von Norbert Schneider tritt mit 750 PS und Lachgaseinspritzung an. Er verzichtet bewusst auf extremen Leichtbau, er legt Wert auf Original-Optik: "Die Stahl-Karosserie soll möglichst unverändert bleiben", sagt Schneider. 1260 Kilogramm bringt sein Chevy auf die Wage.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: VW-Käfer: Von 0 auf 100 km/h in unter drei Sekunden

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