Schauen, staunen, kaufen: Angebot und Nachfragende auf der Techno Classica Messe in Essen. Foto: dpa
Wer sich solche Stabilität nicht leisten kann, guckt wenigstens zu. Entlang der 627 Kilometer Rallyestrecke sitzen Einheimische und Touristen auf Klappstühlen nebeneinander und schauen begeistert den historischen Fahrzeugen zu. Je älter die Modelle - etwa die bei Karmann in Osnabrück gebaute schwarze Adler-Limousine aus dem Jahr 1938 -, desto inniger das Winken.
Der Kalender für Oldtimer-Fans ist dicht gedrängt. Nach der Rallye Silvretta Anfang des Monats fand vergangenes Wochenende im südenglischen Goodwood, der neuen Heimat der seit 2003 von BMW
wiederbelebten Autolegende Rolls-Royce, das berühmte "Festival of Speed" statt. Ende August startet hierzulande mit der "Sachsen Classic" der deutsche Silvretta-Ableger.
GM
-Mann Forster würde gern häufiger und länger fahren. Bei der Silvretta reichte es nur zum Finale am Samstag: "Drei volle Tage schaffe ich nicht. Ich versuche aber, zwei- bis dreimal im Jahr so eine Rallye zu fahren." Navigiert durchs Gelände und die Prüfungen, in denen etwa 100 Meter in der exakten Zeit von 20 Sekunden gefahren werden müssen (Zeitnahme nur per Sanduhr übrigens), hat Forster seine Ehefrau Didi. Dabei birgt eine solche Konstellation schon im normalen Straßenverkehr in vielen Ehen Sprengstoff. "Bei der Rallye lief es problemlos", sagte Didi Forster. "Im Alltag ist das nicht immer so."
Ihr Gatte geht das Fahr-Fest sportlich an. Forster trägt ein graues Poloshirt von Ralph Lauren. Den kahlen Kopf schützt eine hellbraune Opel-Kappe. Der Horrorsommer seiner Branche holt ihn dennoch so schnell wieder ein, wie Ex-Rennprofi Hans-Joachim Stuck auf der Silvretta in einem VW
-Prototyp SP2, Baujahr '73, einen nach dem anderen überholt: "Der größte Einschnitt ist momentan der Erdölpreis", sagt Forster. "Er trifft besonders die USA, aber auch Europa. Das zwingt die Menschen zum Nachdenken." Forster münzt die Bedrohung jedoch in eine Hoffnung um: "Darin liegt die Chance, dass Kunden sich für verbrauchsärmere Fahrzeuge entscheiden und bereit sind, dafür mehr Geld auszugeben. Menschen machen so etwas eben nicht aus eigenem Antrieb." Aus seiner Sicht schlägt nun "die Stunde der Europäer, weil sie mit kleineren und mittleren Autos größere Erfahrung haben".
Der GM
-Manager blickt auf das Manta-A-Coupé: "Das Automobil hat große Zukunft. Und es wird weiter Spaß machen."
Doch lassen sich eines schönen Tages mit den zwangsläufig sparsamen Autos der Zukunft auch noch attraktive Rallyes fahren? Den abgesperrten Alpenpass hinauf- "preschen" mit einem Smart? Oder einem panzerähnlichen Hummer? "Das werden keine langweiligen Autos", sagt GM
-Manager Forster so bestimmt, dass es seinen Vertriebschef freuen dürfte. "Im Gegenteil: Elektroautos haben erhebliche Vorteile. Aus dem Stand bieten sie volles Drehmoment."
Gut, an automobile Bequemlichkeit kann man sich ja auch gewöhnen. Ist doch das Fahren eines Adlers, Baujahr '38, eine wahre Kraftanstrengung: Da ist die mechanische Bremse, da ist die Vier-Gang-Lenkradschaltung, die nach Zwischengas verlangt.
Freude am Fahren ist echte Arbeit.
