Auch Zulieferer Bosch will mit Assistenzsystemen die Sicherheit auf den Straßen erhöhen. Im japanischen Yokohama arbeiten Entwickler des schwäbischen Zulieferers fieberhaft an der Zuverlässigkeit der Systeme. Gigantische Datenmengen müssen verarbeitet werden, um Gegenstände eindeutig als für das Fahrzeug bedrohlich zu identifizieren. "Mit der Kombination von Video und Radar erreichen unsere Systeme die notwendige hohe Sicherheit zu erkennen, ob der Unfall wirklich unvermeidbar ist", betont Rainer Kallenbach, Bosch-Bereichsvorstand Automobilelektronik.
Unfallforscher erwarten, dass solche vorausschauenden Sicherheitsmaßnahmen die Zahl der bei Unfällen getöteten Personen um gut ein Drittel reduzieren können. Allerdings ist den Entwicklern klar: Sie können den Kunden das unfallfreie Fahren nicht versprechen. Die Notbremsung sieht Bosch in erster Linie als Abmilderung eines nicht mehr zu vermeidenden Unfalls. "Es ist schon ein Erfolg wenn der Zusammenstoß mit 30 statt mit 80 Kilometern pro Stunde erfolgt", sagt ein Sprecher.
Gerade bei übermüdeten Fahrern bewähren sich nach Einschätzung der Spezialisten Systeme, die durch ein kurzes Anticken der Bremse die Aufmerksamkeit des Fahrers zurückgewinnen und ihm so ein Eingreifen ermöglichen. Bleibt die Frage, ob die Kunden bereit sind, sich die eigenen Schwächen einzugestehen - und für die Unterstützung zu bezahlen. Marktbeobachter sind skeptisch, ob der Technik ein ähnlicher Durchmarsch wie ABS oder ESP gelingen wird. "Aktuell verdrängt die hitzige Diskussion um spritsparende und CO2-reduzierende Technologien das Thema Sicherheit. Die Kunden schauen beim Autokauf vor allem auf Preis und Verbrauch", sagt Albrecht Denninghoff, Autoanalyst der BHF-Bank.
Trotz aller Erfolge, die Entwicklung der Fahrerassistenzsysteme steht erst am Anfang. Vor allem die demografische Entwicklung wird dafür sorgen, dass immer ältere Menschen am Steuer sitzten. Besonders die Japaner mit einer durchschnittlich noch älteren Bevölkerung als die mitteleuropäischen Länder sind dafür sensibilisiert. Der weltweit viertgrößte Zulieferer Denso
arbeitet an einem Lenkrad, das permanent den Blutdruck des Fahrers beim Berühren des Lenkrades misst und im Fall eines Infarkts des Fahrers eine Notbremsung einleitet.
Selbst wenn technisch alles glatt läuft, liegt der Teufel gern im Detail. "Besonders ältere Fahrer mit Augenproblemen haben häufig Schwierigkeiten beim Blickwechsel von der Straße auf das Display", sagt Spezialist Frank Schliep vom US-Zulieferer Johnson Controls
. Der Entwickler arbeitet deshalb in Burscheid an innovativen Präsentationsformen für die neue Technik im Auto.
