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07.04.2008 
Unternehmen schicken Mitarbeiter zu Fahr-Kursen

Intensiv-Training senkt Unfallzahlen

von Andreas Menn

Das Geschäft der Johnson & Johnson GmbH ist die Gesundheit. Gesund sollen auch ihre Außendienst-Mitarbeiter bleiben, die täglich zu Drogeriemärkten, Arztpraxen, Krankenhäusern und Apotheken unterwegs sind. Vor zwölf Jahren rief das Unternehmen deshalb das Programm Safe Fleet ins Leben.

Lupe

KÖLN. Jeder Fahrer nimmt alle zwei bis drei Jahre an einem Fahrsicherheitstraining teil und erhält Rundbriefe mit Hinweisen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz. Außerdem steht eine anonyme Hotline bereit, bei der sich Fahrer mit ihren Problemen melden können. „Flottenfahrer haben einen gefährlichen Arbeitsplatz“, sagt Stefan Meuter, Leiter des Safe-Fleet-Projekts von Johnson & Johnson. Der Sicherheitsingenieur und Arbeitssicherheits-Fachmann weiß, wie wichtig es ist, den betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz auch ins Flottenmanagement zu integrieren. Überforderte, gestresste oder übermüdete Fahrer bauen leichter Unfälle. Darum informiert das Safe-Fleet-Programm nicht nur über defensives Fahren und richtiges Bremsverhalten, sondern auch über Gesundheit und Fitness am Steuer – zum Beispiel, wie man mit Hilfe von Entspannungsübungen wach und konzentriert bleiben kann.

Die Gesundheit der Fahrer rückt immer stärker ins Interesse von Flottenbetreibern und Fahrtrainern. Zwar hinterlassen die meisten Unfälle bei Flottenfahrten nur Bagatellschäden, vor allem beim Einparken und Rangieren. Doch wenn es mal richtig rummst, drohen nicht nur teurer Blechschaden, sondern vor allem schwere Verletzungen. Darum kommt auch bei klassischen Sicherheits- und Ökofahrtrainings verstärkt das Thema Fitness zur Sprache - und zwar mit dem Ziel, die Fahrsicherheit zu erhöhen.

„Ein Großteil der Vielfahrer klagt über Rückenschmerzen, Beschwerden der Halswirbelsäule und innere Unruhe“, hat Wolfgang Buskies, Professor am Institut für Sportwissenschaft der Universität Bayreuth, in einer Studie herausgefunden. „Diese Ermüdungserscheinungen erhöhen die Unfallgefahr, denn die körperliche Kondition ist eng verbunden mit der geistigen Aufmerksamkeit und mit der Fähigkeit, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erfüllen – zum Beispiel Lenken, Bremsen und das Beachten der Verkehrszeichen.“

Zusammen mit einem Reifenhersteller und einem Sport- und Wellness-Anbieter hat der Sportwissenschaftler das Präventionsprojekt „Fahr fit“ konzipiert. Mit einem Trainingsprogramm für unterwegs und einem Programm für das Fitness-Studio sollen Fahrer ihre Muskeln stärken, um Rücken- und Nackenbeschwerden beim Fahren zu lindern. Das soll sich positiv auf die Fahrsicherheit auswirken. „Nur geistig und körperlich gesunde Autofahrer reagieren in Extremsituationen schnell und präzise“, sagt Buskies.

Wenn im kommenden Jahr die EU-Kraftfahrer-Richtlinie in Deutschland für Lastwagen-Fahrer wirksam wird, bekommt das Thema Gesundheit einen weiteren Schub. Denn das Gesetz sieht vor, dass Berufsfahrer alle fünf Jahre eine 35-stündige Weiterbildung besuchen müssen, bei der auch die körperliche Fitness, Auswirkungen von Müdigkeit und Stress und sogar das Thema ausgewogene Ernährung auf dem Lehrplan stehen. Dann wird auch der ADAC, mit jährlich 200 000 Fahrsicherheitstrainings der größte Anbieter in Deutschland, Kraftfahrer in diesen Fragen schulen.

„Die meisten Fahrer sitzen, schauen und lenken nicht richtig“, berichtet Rolf Maginot, Leiter der Projektkoordination der ADAC Fahrsicherheit. „Bei unserer Fahrsicherheitstrainings können wir das korrigieren. Übermüdung und Sekundenschlaf können wir allerdings nur im Theorieteil ansprechen.“ Fuhrparkbetreiber, die ihre Fahrer besonders intensiv in defensivem Fahren schulen möchten, können dafür beim ADAC ein Spezial-Training buchen. Dann gibt der Trainer während der Dienstfahrt vom Beifahrersitz aus Tipps und Ratschläge.

Laut Statistik der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen (BGF), dem Unfallversicherer für das Transport- und Verkehrsgewerbe, ist die Zahl der meldepflichtigen Unfälle in den vergangenen zwei Jahren leicht angestiegen. Um dem Trend zu begegnen, bietet die BGF Seminare zum Stressmanagement und zur Gesundheitsvorsorge an und zahlt sogar einen Teil der Kosten von Fahrsicherheitstrainings. „Wir möchten den Mitgliedsunternehmen den Zugang zu Fahrsicherheitstrainings erleichtern“, erklärt BGF-Referent Günter Bokelmann. „Sehr häufig sind Fahrer vor den Trainings skeptisch und hinterher hellauf begeistert.“

Stefan Meuter vom Projekt Safe Fleet bei Johnson & Johnson ist überzeugt, dass sich der Aufwand für die Fahrsicherheit lohnen. Ein schlagendes Argument findet Meuter in der Unfallstatistik des Unternehmens: „Seit der Einführung des Safe-Fleet-Programms hat sich die Unfallrate halbiert.“

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