Es hätte auch ganz anders kommen können. Schließlich verwendete Mercedes zusätzliche interne Baureihenkürzel. Jeder Youngtimer-Liebhaber zum Beispiel weiß, was ein 123er ist - die Baureihe W123 folgte dem Strich-Achter, der bis 1976 gut 1,9 Mill. Mal gebaut wurde. Und der besaß ebenfalls ein Baureihenkürzel, genauer gesagt sogar zwei: Den einfacheren Ausführungen mit vier Zylindern wurde die Bezeichnung W 115 zugeordnet, die edleren Sechszylinder waren die Baureihe W 114. Optisch gab es kaum Unterschiede - die wenigen, die es gab, waren den Besitzern jedoch überaus wichtig.
Wer genügend Geld für einen der großen Sechszylinder wie den 250er oder später den 280er hatte, bekam vom Werk ein Auto mit protzigen, verchromten Doppelstoßstangen vorn. Hinten gab es - je nach Modell und Baujahr - eine Chromstoßstange. Wer die Unterscheidung noch deutlicher haben wollte, konnte die großen Motorisierungen auch in Verbindung mit einer zweitürigen Coupé-Karosserie ordern.
Die Basis der Baureihe bildete jedoch ein Modell, das sich später als das langlebigste auszeichnen sollte: der 200 D. Hier trafen 55 Diesel-Pferdestärken auf gut 1,4 Tonnen Auto: Dieser schnell als „Wanderdüne“ belächelte Basis-Strich-Achter zeichnete sich durch eine kaum wahrnehmbare Beschleunigung aus. Ganz anders gebärdeten sich die Spitzenmodelle. Das gilt besonders für die 1972 eingeführten Strich-Achter mit 2,8-Liter-Sechszylindermotor und bis zu 185 PS Leistung. Sie zeichneten sich durch Fahrleistungen auf Sportwagenniveau aus.
Dass sich beides in einer technisch identischen Karosserie finden konnte, hatte einen Grund: Der Strich-Achter war ein modernes und in manchen Bereichen wegweisendes Auto. So war auch Sicherheit bereits ein Thema: Neben einer Knautschzone gab es eine Sicherheitslenksäule, die sich bei einem Aufprall zusammenschob. Sicherheit, aktuelle Technik, Status und Komfort - was den Strich-Achter auszeichnet, zeichnet auch eine aktuelle E-Klasse aus. Vielleicht lohnt es also doch, den neuen Mercedes schonend zu behandeln, um in ein paar Jahrzehnten ein echtes Kultmobil durch die Szeneviertel zu steuern.
