Stark, schnell und teuer sind viele Sportwagen. Doch mit dem Lamborghini Reventón können es die wenigsten aufnehmen. Basierend auf dem Murciélago LP 640 hat Lamborghini im vergangenen Herbst eine Sonderserie des Zweisitzers aufgelegt.
Eine Million Euro plus Steuern kostet ein Exemplar - da ist die Kfz-Steuer von 438 Euro geradezu ein Schnäppchen. (Bild: Lamborghini)
Gefahr im Rückspiegel: Wer diesen Donnerkeil erblickt, macht freiwillig die Bahn frei. (Bild: Lamborghini)
Der Einstieg in den rollenden Kampfjet erfordert eine gewisses Maß an Beweglichkeit. (Bild: Lamborghini)
Extrem begehrt: Nur wenige Stunden nach der Vorstellung waren alle 20 Exemplare verkauft. (Bild: Lamborghini)
Statt der klassischen Instrumente gibt es nur noch drei Bildschirme hinter dem Lenkrad. (Bild: Lamborghini)
Der Lamborghini Reventón hat eine Beschleunigung, die an einen Kampfjet erinnert. (Bild: Lamborghini)
dpa-infocom HAMBURG. Inspiriert von Jagdflugzeugen der Luftwaffe wurde der Donnerkeil innen wie außen neu eingekleidet und zu einem mattschwarzen Tornado im Tiefflug aufgerüstet. Wenn er mit seiner gepfeilten Schnauze, den gleißend hellen Scheinwerfern, riesigen Nüstern und ausgestellten Fledermausohren im Rückspiegel auftaucht, machen andere Verkehrsteilnehmer beinahe freiwillig die Bahn frei. Kaum höher als die Leitplanke und fast schneller als der Schall, huscht eine muskulöse Silhouette vorbei, die wie mit Rasierklingen aus den Karbonmatten geschnitten wurde.
Minimaler Widerstand und maximaler Eindruck
Ohne Schnörkel und Spielereien ist der Reventón auf minimalen Widerstand getrimmt - und auf maximalen Eindruck. Dabei erinnern die breiten Räder mit den kleinen Schaufeln auf den Felgen an die Turbinen eines Jet-Triebwerks. Und das Heck mit den kaum ernsthaft verborgenen Kühlrotoren vom Format einer Familienpizza ist breit und mächtig wie eine Tischtennisplatte. Aus gutem Grund: Schließlich schlägt unter einer Haube aus pfeilförmigen Glaslamellen das Herz des Sportlers - ein 6,5 Liter großer Zwölfzylinder mit 478 kW/650 PS.
Beim Einsteigen tanzt der Fahrer Limbo unterm Fallbeil
Für Fahrer und Co-Pilot wird es da schon eng. Bereits durch den erschwerten Zustieg stellen die Italiener sicher, dass die Besatzung zumindest halbwegs sportlich ist und damit wenigstens ansatzweise zum Reventón passt. Die nach oben schwingenden Flügeltüren sehen zwar spektakulär aus, machen die ohnehin schon kleine Lücke zwischen dem kniehohen Schweller und dem hüfthohen Dach aber nicht gerade breiter. Als würde man Limbo unterm Fallbeil tanzen, schlängelt man sich behutsam unter den Türen hindurch, fädelt die Füße in eine enge Höhle und lässt sich in den tiefen Sitz fallen.
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Instrumente mit hypnotischer Wirkung
Den Blick fesselt danach das neue Cockpit des Reventón, das ebenfalls die Nähe zum Kampfjet sucht: Statt Skalen und Zeiger gibt es in der schwarzen Höhle aus massivem Aluminium nur drei Bildschirme, über die Drehzahl- und Tempoangaben schneller flimmern als die Börsenkurse bei n-tv. Glanzlicht mit hypnotischer Wirkung allerdings ist das „G-Force-Meter“ im Mittelpunkt der Armaturen, das grafisch animiert die Längs- und Querbeschleunigung anzeigt.
Bei 343 km/h fährt der Rest rückwärts
Wie gut man diese sonst eher theoretische Größe am eigenen Leib erleben kann, zeigt der Reventón bereits beim ersten Gasstoß. Sobald die zwölf Zylinder ihre Arbeit aufnehmen, ertränkt die Schwerkraft das Gehirn in einer Welle aus Adrenalin und der Fahrer schwelgt im Rausch der Endorphine. Wo andere V12-Motoren sich als luxuriöse Leisetreter gebären, ist dieses Kraftwerk frei von Etikette. Der Motor brüllt ungehemmt das Lied von der Leistung und prügelt den Wagen mit maximal 660 Newtonmetern förmlich nach vorn. Bei einem Sprintwert von 3,4 Sekunden von Null auf 100 Kilometer pro Stunde (km/h) wird schon das Ausparken zum Zwischenspurt, das Losfahren an der Ampel gleicht einem Katapultstart, die Landpartie ist ein Ritt auf der Kanonenkugel, und bei 343 km/h auf der Autobahn fahren die anderen längst rückwärts.
Motor an, Gehirn aus, und stur nach vorn
Während sein kleiner Bruder Gallardo fast handzahm ist, nimmt der Zwölfzylinder seinen Herrn an die Kandare. Zwar wechselt das Getriebe auf einen Fingerzeig hin die Gänge, das ABS bringt den Keramikbremsen Manieren bei und die Traktionskontrolle schont die dicken Gummiwalzen beim Anfahren. Doch braucht der Fahrer eine ruhige Hand, wenn er den Kampfstier bändigen möchte. Dabei stört es kaum, dass man aus den Schießscharten-artigen Seitenscheiben fast nichts mehr sieht und das kleine Blickfeld des Innenspiegels nur Zerrbilder zeigt, die in der heißen Abluft des Motors verschwimmen wie eine Fata Morgana in der Wüste. Seinen Blick kann der Pilot während der Fahrt ohnehin kaum schweifen lassen, denn am Steuer eines Lamborghini kennt der nur eine Richtung: nach vorn.
Extrem teuer und extrem begehrt
So faszinierend der Tiefflug im Straßentornado auch ist: Mit einem Stückpreis von exakt einer Million Euro plus Steuern ist der Reventón selbst für einen Supersportwagen übertrieben teuer und degradiert den Murciélago für rund 270 000 Euro fast schon zum Schnäppchen. Und bei einem Verbrauch weit jenseits von 20 Litern würden Umweltaktivisten die Kunden am liebsten über offenem Feuer rösten - mit Partikelfilter natürlich. Doch gestört hat das Sammler und Sprinter nicht: Wenige Stunden nach der Vorstellung waren alle 20 Exemplare verkauft.
