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30.01.2008 

Instrumente mit hypnotischer Wirkung

Den Blick fesselt danach das neue Cockpit des Reventón, das ebenfalls die Nähe zum Kampfjet sucht: Statt Skalen und Zeiger gibt es in der schwarzen Höhle aus massivem Aluminium nur drei Bildschirme, über die Drehzahl- und Tempoangaben schneller flimmern als die Börsenkurse bei n-tv. Glanzlicht mit hypnotischer Wirkung allerdings ist das „G-Force-Meter“ im Mittelpunkt der Armaturen, das grafisch animiert die Längs- und Querbeschleunigung anzeigt.

Bei 343 km/h fährt der Rest rückwärts

Wie gut man diese sonst eher theoretische Größe am eigenen Leib erleben kann, zeigt der Reventón bereits beim ersten Gasstoß. Sobald die zwölf Zylinder ihre Arbeit aufnehmen, ertränkt die Schwerkraft das Gehirn in einer Welle aus Adrenalin und der Fahrer schwelgt im Rausch der Endorphine. Wo andere V12-Motoren sich als luxuriöse Leisetreter gebären, ist dieses Kraftwerk frei von Etikette. Der Motor brüllt ungehemmt das Lied von der Leistung und prügelt den Wagen mit maximal 660 Newtonmetern förmlich nach vorn. Bei einem Sprintwert von 3,4 Sekunden von Null auf 100 Kilometer pro Stunde (km/h) wird schon das Ausparken zum Zwischenspurt, das Losfahren an der Ampel gleicht einem Katapultstart, die Landpartie ist ein Ritt auf der Kanonenkugel, und bei 343 km/h auf der Autobahn fahren die anderen längst rückwärts.

Motor an, Gehirn aus, und stur nach vorn

Während sein kleiner Bruder Gallardo fast handzahm ist, nimmt der Zwölfzylinder seinen Herrn an die Kandare. Zwar wechselt das Getriebe auf einen Fingerzeig hin die Gänge, das ABS bringt den Keramikbremsen Manieren bei und die Traktionskontrolle schont die dicken Gummiwalzen beim Anfahren. Doch braucht der Fahrer eine ruhige Hand, wenn er den Kampfstier bändigen möchte. Dabei stört es kaum, dass man aus den Schießscharten-artigen Seitenscheiben fast nichts mehr sieht und das kleine Blickfeld des Innenspiegels nur Zerrbilder zeigt, die in der heißen Abluft des Motors verschwimmen wie eine Fata Morgana in der Wüste. Seinen Blick kann der Pilot während der Fahrt ohnehin kaum schweifen lassen, denn am Steuer eines Lamborghini kennt der nur eine Richtung: nach vorn.

Extrem teuer und extrem begehrt

So faszinierend der Tiefflug im Straßentornado auch ist: Mit einem Stückpreis von exakt einer Million Euro plus Steuern ist der Reventón selbst für einen Supersportwagen übertrieben teuer und degradiert den Murciélago für rund 270 000 Euro fast schon zum Schnäppchen. Und bei einem Verbrauch weit jenseits von 20 Litern würden Umweltaktivisten die Kunden am liebsten über offenem Feuer rösten - mit Partikelfilter natürlich. Doch gestört hat das Sammler und Sprinter nicht: Wenige Stunden nach der Vorstellung waren alle 20 Exemplare verkauft.

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