Ein wenig seltsam wirkt es schon, was sich Ende der 70er Jahre bei Opel abspielte. Es ging darum, einen Nachfolger für bisherige Topmodelle wie Kapitän, Admiral und Diplomat zu finden. Allerdings traute sich Opel nicht, gegen Mercedes oder BMW anzutreten. Also baute man halbherzig eine Limousine, die mit den Genen des volkstümlichen Rekord auskommen musste.
Modellvariante mit Schrägheck - das Coupé auf Senator-Basis brachte Opel unter dem Namen Monza auf den Markt. (Bild: Opel/dpa/tmn)
dpa/tmn RÜSSELSHEIM. Diesem Auto wiederum grub man auch noch das Wasser ab, indem man Teile des Topmodells erneut mit dem Rekord mischte und ein weiteres Modell zwischen beiden platzierte. Die Limousine Senator und das davon abgeleitete Coupé Monza gelten als Opels letzte Ausflüge ins automobile Oberhaus.
Mitte der 70er Jahre blickte man in Rüsselsheim wehmütig auf die vorherigen Jahrzehnte zurück, in denen Opel auch in der Oberklasse eine Rolle gespielt hatte. Diesen Erfolgen hatte nicht zuletzt die Ölkrise in Verbindung mit den amerikanisch wirkenden Karosserien und den trinkfreudigen Motoren der letzten Nobel-Opel aus der Reihe Admiral, Kapitän und Diplomat zugesetzt. Ihre Produktion endete 1977.
Ein Auto mit Prestige gab es nun nicht mehr im Programm. Zum Glück befand sich in der Entwicklung ein Fahrzeug, das mehr oder weniger für diesen Einsatz geeignet war - der Senator. Der sollte jedoch den Commodore ablösen. Unter dieser Bezeichnung wurden Autos verkauft, die auf dem Mittelklasse-Rekord basierten, ihren Namen aber mit verbesserter Ausstattung und stärkeren Motoren rechtfertigen sollten.
Der Senator passte in diese Tradition - nur sollte er eine Rolle spielen, die eigentlich zu groß war. Im Grunde war auch er ein Opel Rekord. Den hatte man für seinen Einsatz als Nobel-Karosse allerdings um gut 20 Zentimeter verlängert, die Front und das Heck retuschiert und ihn im Innenraum mit hochwertigeren Sitzbezügen sowie ein paar Holzleisten aufgepeppt. Immerhin arbeiteten unter der Motorhaube Sechszylinder-Motoren, und am Fahrwerk hatte sich auch einiges getan.
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Dass der Senator nach dem Start 1978 in der Publikumsgunst durchfiel, hatte mehrere Gründe: So ließ Opel es sich nicht nehmen, die Konkurrenz im eigenen Haus zu verstärken. Weil der Senator als Commodore-Nachfolger konzipiert war, nun aber seine Rolle als Konkurrent von Mercedes und BMW auszufüllen hatte, stand Opel ohne luxuriösere Rekord-Version mit Bezeichnung Commodore da. Aber man hatte ja einen Rekord und einen Senator - warum also nicht beide kombinieren? Das Ergebnis war ein Auto, das aus den meisten Blickwinkeln zweifelsohne ein Rekord war, dessen Front jedoch der Vorderwagen des verlängerten Senator bildete. Sein Name: Commodore
Die Überlegungen mancher Kunden dürften leichter nachzuvollziehen sein als die der Marketingstrategen: Der Senator war ein ordentliches Auto aber ohne Oberklasse-Image. Sein „Gesicht“ zeichnete ihn jedoch als größten Opel seiner Zeit aus. Also konnte man ja auch den neuen Commodore für weniger Geld nehmen und sich sozusagen die Frontpartie des Senator frei Haus liefern lassen. Neben solchen Hemmnissen kam 1979 die zweite Ölkrise hinzu, die Anbietern von leistungs- und hubraumstarken Fahrzeuge die Verkaufszahlen verhagelte.
Doch Opel gab nicht auf: 1982 wurde der Senator überarbeitet. Während auf der technischen Seite vieles beim Alten blieb, zeigte er sich nun mit einem eleganteren Design. Doch die ohnehin nicht überwältigenden Verkäufe sanken weiter. Als die letzten Modelle 1987 vom Band rollten, zählte man rund 80 000 Exemplare des ursprünglichen Senator und 60 000 Stück, die nach der Modellpflege entstanden waren.
Doch Opel lernte aus den Misserfolgen nicht dazu. Vielmehr stellte der Hersteller 1987 ein Modell vor, das mit dem Nachfolger des Rekord entwickelt worden war. Es hieß Omega, die neue Luxuslimousine wieder Senator. Der Senator wurde wegen der Ähnlichkeit zum Omega kritisiert, die Kunden zeigten sich zurückhaltend. Und so endete nach noch einmal fünf Jahren und 70 000 Exemplaren die verhaltene Karriere der Reihe. Bis heute verzichtet Opel auf eine Alternative zu Mercedes und BMW - das wirkt nach diesen Erfahrungen gar nicht mehr seltsam.
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