Ein weiteres Erfolgsrezept des Unternehmens ist Prozessinnovation. "Wir übernehmen die Konzeption unserer Anlagen und fertigen die Werkzeuge selbst, mit denen wir unsere Produkte herstellen", sagt Wolf. "So haben wir nicht nur innovative Produkte, sondern auch innovative Prozesse. Das wäre nicht so, wenn wir günstige Werkzeuge aus China einsetzen würden. Unsere Werkzeugtechnologie kann nur schwer kopiert werden." So schützt sich ElringKlinger vor Produktpiraterie - nach Einschätzung eines Automobilmanagers ein immer drängenderes Problem für die Zulieferer. "Die meisten deutschen Zulieferer, die in China aktiv sind, haben inzwischen verstanden, dass hier mit Anstand nicht zu rechnen ist", sagt der Manager frustriert. "Man muss einfach abwägen, ob einem der große Markt oder der Schutz der eigenen Technologien wichtiger ist."
Auch eine Abwehr gegen Ideenklau: ElringKlinger forscht und entwickelt nur in Deutschland. "Das schützt uns vor Nachahmern, vor allem aber bekommen wir hier die besten Ergebnisse", meint Wolf. "Hier können wir auf die am besten ausgebildeten Mitarbeiter zurückgreifen. Wir würden am falschen Ende sparen, wenn wir F&E zum Beispiel nach Asien verlagern würden und dort erst mal mit viel Aufwand neue Mitarbeiter auf den nötigen Kenntnisstand bringen müssten."
Alix-Berater Sedran hat mit der Verlagerung von F&E-Aktivitäten in Billiglohnländern hingegen kein Problem. Im Gegenteil: "Immer mehr Unternehmen müssen Planungs- oder Konstruktionsaufgaben in Niedriglohnländer verlagern, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen", so die Einschätzung des Beraters. "Wer das Thema jetzt verschläft, kann schon bald böse überrascht werden."
Die Gefahr lauert nach Schwegmanns Einschätzung vor allem in Asien. Die Billigkonkurrenz von dort sei "die größte Herausforderung für die deutschen Zulieferer". China hat im ersten Halbjahr erstmals mehr Autoteile in die USA exportiert als Deutschland. Vor fünf Jahren beherrschten Europa, Amerika und Japan noch 75 Prozent des weltweiten Automarktes. In fünf Jahren werden es nach Berechnungen von Alix nur noch 50 Prozent sein. "In spätestens zwei Jahren", sagt Sedran, "wird nicht mehr Deutschland der drittgrößte Automobilhersteller hinter den USA und Japan sein, sondern China."
