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08.11.2008 
Auto-Studie

Mercedes erforscht den Fahrspaß

von Chris Löwer

Autofahren soll Spaß machen. Doch welche Faktoren sind für den Spaß auf vier Rädern verantwortlich? Mercedes-Entwickler und Wissenschaftler wollten es genau wissen: In einer zweijährigen Studie haben sie den Spaßfaktor ergründet. Wie der Automobilkonzern die Emotionsforschung fürs Marketing nutzt.

Fahrspaß pur? Mercedes hat die Kriterien zum Thema Fahrspaß in einer neuen Studie erarbeitet. Foto: dpa Lupe

Fahrspaß pur? Mercedes hat die Kriterien zum Thema Fahrspaß in einer neuen Studie erarbeitet. Foto: dpa

BERLIN. Ein biederer 25 Jahre alter Mercedes 190 E in fahlem Weiß tritt gegen ein silberglänzendes C-Klasse-Modell der neuesten Generation an: Zu fragen, welches Auto mehr Fahrspaß bringt, ist da wohl rhetorischer Natur. Doch Mercedes-Entwickler und Wissenschaftler wollten es genau wissen: Sie haben ein Messsystem entwickelt, um herauszufinden, was wann und warum am Autofahren Spaß macht. Nun haben die Forscher die Ergebnisse des zweijährigen Pilotprojekts vorgestellt.

Mercedes macht damit erstmals Fahrspaß messbar. Künftig kann das Unternehmen so bei neuen Modellen Merkmale wie Fahrverhalten und Kraftentfaltung besser abstimmen. Die Fahrzeuge sollen dann einerseits ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, gleichzeitig aber einen dynamischen Eindruck auf den Fahrer machen - und so den Spagat zwischen Komfort und Sportlichkeit schaffen.

Um dem Spaßfaktor auf die Schliche zu kommen, setzten die Forscher acht Fahrer zwischen 33 und 53 Jahren hinters Steuer der Autos. Sie kurvten über Landstraßen, Autobahnen und einen Handlingkurs. Messgeräte zeichneten Geschwindigkeit, Längs- und Querbeschleunigung sowie die Positionen auf. Kameras überwachten die Gesichter. Um von der Mimik auf die Gefühlslage zu schließen, wertete eine Software später rund eine Million Bilder aus. Zusätzlich animierten die Forscher ihre Tester per Autotelefon zum Sprechen.

Doch die Datenflut allein reichte nicht aus. Erst musste das Team Kriterien für die Gefühle finden. "Zu definieren, welche Stimmfrequenzen für Fahrspaß stehen, war eine knifflige Sache", sagt Christian Peter, Projektleiter vom Fraunhofer für Graphische Datenverarbeitung-Institut IGD in Rostock. Um auch geringe Unterschiede zu finden, setzten die Forscher aufwändige Algorithmen ein, die 1 200 Stimmeigenschaften wie Tonlage, Sprechgeschwindigkeit und Betonung analysierten.

Um die Auswertung der Mimik kümmerten sich Wissenschaftler der Technischen Universität München vom Lehrstuhl für Bildverstehen. Sie orientierten sich an Studien des amerikanischen Psychologen Paul Ekman. Demnach spiegelt die Mimik Emotionen wider: 43 Gesichtsmuskeln reagieren auf jede Erregung und bewegen sich dabei unbewusst nach einem immer gleichen Schema. Die Münchener entwickelten ein System, das 140 Gesichtsmerkmale erfasst und auswertet, beispielsweise wenn sich beim Lächeln die Mundwinkel in Richtung der Ohren bewegen. Zudem registriert das Gerät die Intensität der Bewegungen und trifft so Aussagen über den Grad von Wut, Ekel, Angst, Überraschung oder Freude.

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