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15.06.2007 
Reise im 65-jährigen VW-Käfer

Mit 24,5 PS zum Nordkap

Vor Otto Weymann liegt ein langer Weg: 3 500 Kilometer bis zum Nordkap und wieder zurück. Der 70-jährige Silberschmied aus Simmershausen bei Kassel will dort keinen Urlaub machen, für Weymann ist der Weg das Ziel.

Otto WeymannLupe

Otto Weymann sitzt in seinem 65 Jahre alten VW-Käfer. (Bild: dpa) Quelle: dpa

dpa KASSEL. Und der hat es in sich: acht Stunden Autofahrt pro Tag, Durchschnittsgeschwindigkeit 50, maximal 60 Stundenkilometer, eingezwengt in einen grauen VW-Käfer, Baujahr 1942. Der Oldtimer ist der älteste noch zugelassene Käfer der Welt. Am 20. Mai jährte sich seine Erstzulassung zum 65. Mal. Doch „KS-VW 42“ fährt und fährt. „Der hat mich noch nie im Stich gelassen“, sagt Otto Weymann über sein Auto, das einst im Dienst der Wehrmacht stand und am Flughafen München-Riem eingesetzt wurde, bevor er in die Hände eines Schlachtermeisters geriet.

Seit 1942 ist der 24,5-PS-Motor immerhin schon 350 000 Kilometer gelaufen. „Das war noch stabile Technik“, sagt Weymann und betont, dass sein „Split“ gerade mal 6,5 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbraucht. Der Spitzname bezieht sich auf die charakteristische zweigeteilte Heckscheibe dieses Käfer-Typs.

Am 20. Juni gehts los. „Kassel - Kopenhagen - Stockholm - Sundsval - Umea - Lulea - Rovaniemi - Enontekiö - Nordkap“ steht in schwarzen Druckbuchstaben auf der Beifahrertür. Weymann wird auf seiner Reise durch vier Länder kommen und vermutlich viele Zuschauer haben. Denn der Rentner hat im Vorfeld kräftig getrommelt: Das VW- Werk ist informiert, zahlt Benzin und Fähre. Weymann und die Wolfsbuger sind nämlich alte Bekannte. Das weltweit älteste Käfer- Cabriolet, Baujahr 1949, hat er dem Automuseum bereits vermacht und zum Geburtstag seines „Split“ zeigte er seinen Käfer vor den Werkstoren.

An Presse ist Weymann gewöhnt. Schon vor Jahrzehnten war sein Auto dem „Stern“ eine Story wert. „Wo haben Sie den denn ausgegraben?“, fragte die Illustrierte im Jahr 1976, in der Zeit der großen, schweren Schlitten.

„Zum Nordkap zu fahren, war immer ein Traum von mir. Vor drei Jahren habe ich mir dann vorgenommen, diese Fahrt zu machen“, berichtet er. Da war Otto Weymann noch gesund. Doch wegen eines schlecht verheilten Oberschenkelhalsbruchs geht er seit einem Jahr an Krücken. Was die Medizin nicht vermochte, so hofft er, könnte jetzt die Reise bewirken: eine Besserung seines Leidens.

Und seine Frau? Die sei in 43 Jahren Ehe schon so manches gewöhnt, berichtet der Vater von drei Kindern und Großvater zahlreicher Enkel. Sie habe ihm aber zugeraten, ans Nordkap zu fahren - zusammen mit einem guten Bekannten, der Otto Weymann auf seinem langen Weg begleiten wird. Er nennt seinen Co-Piloten „Schmier-Maxe“ und sagt: „Er ist der einzige Kfz-Meister, den ich kenne, mit Latein- und Griechischkenntnissen“.

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