Auf der A42 die Zeche Zollverein verpasst, von der A1 den Kölner Dom nur aus der Ferne gesehen, auf der A7 am römischen Limes vorbeigehetzt. Am Ziel angekommen, muss die nächstbeste Pizzeria herhalten, obwohl ein berühmter Gourmet-Koch nur eine Straße weiter sein Feinschmecker-Restaurant betreibt. Verpasste Gelegenheiten wie diese sollen dank neuer Navigationsgeräte im Auto bald der Vergangenheit angehören.
KÖLN. Eher einem Reiseführer mit eingebauter Navi-Funktion gleicht beispielsweise ein Gerät, das iPublish auf der Internationalen Funkausstellung (Ifa) vorstellt: Der Merian Scout Navigator informiert in Hörspiel-Qualität über Sehenswürdigkeiten, Hotels und Gaststätten – und erklärt nebenbei den Weg dahin.
Mobile Navigation spielt auf der Berliner Elektronikmesse eine große Rolle. Neben den Weltmarktführern Tomtom und Garmin stellen auch viele kleine Hersteller Neuentwicklungen vor, die alle mehr können als nur Karten lesen. Automatisch berechnen sie Ausweichrouten bei Staus, funktionieren als Freisprechanlage oder legen ein elektronisches Fahrtenbuch an. Garmin bietet sogar ein eigens für Jäger entwickeltes Hundesuch-Gerät unter dem Namen „Dog Tracking System“ an.
Vielfalt ist angesagt: „Die Unternehmen bauen alle Funktionen aus, die mit mehr Speicherplatz zu tun haben“, sagt Axel Garbers, Experte des Branchenverbands Bitkom. So haben hochauflösende 3D-Darstellungen in VGA-Qualität längst die schlichten Grafiken von einst abgelöst. Auch für Musik ist gesorgt: Bitkom-Angaben zufolge hatten im vergangenen Jahr fast 37 Prozent aller in Deutschland verkauften Geräte einen MP3-Player eingebaut. Ein Jahr zuvor lag die Quote noch bei unter 10 Prozent.
Navigationsgeräte sind hip, der Markt boomt. Nach einer Studie des britischen Marktforschungsfirma Canalys wurden im zweiten Quartal weltweit fast 7,5 Mill. Geräte verkauft – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. „Es ist schwer, einen anderen Teil der High-Tech-Industrie zu nennen, der so dynamisch und schnell wächst wie die Navigations-Branche”, sagt Canalys-Analyst Chris Jones. Es gebe noch „riesiges unberührtes Potenzial“ im Markt.
Dabei gab es erste Systeme bereits vor mehr als 15 Jahren. Der Durchbruch auf dem Massenmarkt gelang aber erst mit tragbaren und damit günstigeren Geräten. Eingebaute Navigationsgeräte gehören bei Neuwagen aus dem höheren Preissegment fast wie Autoradios zum Standard. „Bei günstigeren Autos sind mobile Geräte oft sinnvoller, weil die teure Verkabelung den Preis zu sehr in die Höhe schrauben würde“, sagt Bitkom-Experte Garbers.
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Durch die steigende Nachfrage drängen immer mehr Hersteller auf den Markt und liefern sich einen Preiskampf. Im Durchschnitt kosten tragbare Navigationssysteme heute nur noch 310 Euro, vor zwei Jahren waren es noch 475 Euro. Damit sinken auch die Margen. Um sich der Konkurrenz zu erwehren, suchen die Branchenführer ihr Heil in Übernahmen. Tomtom beispielsweise hat im Juli angekündigt, für zwei Mrd. Euro den Anbieter von digitalen Landkarten Teleatlas zu kaufen.
Marktbeobachter sehen darin erst den Anfang. „Tomtom versucht die Regeln des Spiels zu ändern, indem sie digitale Kartenherstellung mit dem Verkauf der Navigations-Hardware kombinieren“, sagt Nicolas von Stackelberg, Analyst bei Sal. Oppenheim. Einen zusätzlichen Wettbewerbsvorteil soll den Niederländern ein Projekt bringen, mit dem Nutzer selbst Karten aktualisieren und anderen Anwendern zur Verfügung stellen können. „Eine mehrere Millionen starke ,Ameisenarmee’, die konstant die Straßen nach Fehlern durchforstet”, sagt Stackelberg.
Ob der Navi-Reiseführer von iPublish da mithalten kann, wird sich zeigen. Immerhin soll die Lösung, die Mitte Oktober auf den Markt kommt, stolze 779 Euro kosten. „Jede Innovation hat ihren Preis und wenn sie einen echten unvergleichbaren Nutzen bieten, dann wird dieser in der Regel akzeptiert“, sagt iPublish-Geschäftsführer Carsten Leininger. Die Exklusivität rühre auch daher, dass die Texte aus den Redaktionen des Reiseführers „Merian“ und der Zeitschrift „Der Feinschmecker" stammen.
