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17.09.2007 
Nicht nur Google und Volkswagen basteln mit

„Navis“ erkunden die Vogelperspektive

von Pia Grund-Ludwig

Die nächste Generation der Navigatoren ist in Arbeit. Anbieter denken über eine veränderte Darstellung der Karten nach und wollen insbesondere für Großstädte auch dreidimensionale Ansichten zeigen. Das Ziel: die optische Orientierung des Fahrer zu erleichtern.

Integration ist Trumpf: Hässliche Handy-Freisprecheinrichtungen und Navigatonsgeräte, die an Armaturenbrett und Frontscheibe kleben, kommen aus der Mode. Foto: dpaLupe

Integration ist Trumpf: Hässliche Handy-Freisprecheinrichtungen und Navigatonsgeräte, die an Armaturenbrett und Frontscheibe kleben, kommen aus der Mode. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Viele Computernutzer sind mit der dreidimensionalen Darstellung von Städten und Landschaften schon vertraut, etwa aus Google Earth. Für alle größeren Städte gibt es dort 3D-Ansichten, in die Nutzer im Vogelflug eintauchen können. Das Material ist für die meisten Gegenden der Welt so exakt, dass der Rechner sogar einzelne Häuser abbildet. Der Suchmaschinenspezialist verfügt über das notwendige Kartenmaterial und die Satellitenbilder.

Anwendungen, die dieses Wissen zu Geld machen sind derzeit noch in der Entwicklung. Eine davon könnte die Entwicklung von Navigationslösungen für Automobile sein. In Palo Alto arbeiten das Electronics Research Laboratory, das ist ein Forschungszentrum von Volkswagen gemeinsam mit Google Earth und dem Prozessorhersteller Nvidia, an einem Prototypen eines Kraftfahrzeugnavigators, der auch in Europa verwendet werden soll.

Nvidia ist mit von der Partie, da dessen Chips für sich schnell verändernde Grafiken optimiert sind. Sie werden unter anderem in Spielkonsolen wie der Playstation eingesetzt. Ähnliche Anforderungen an die Leistungsfähigkeit wie bei Computerspielen stellen sich, wenn die Stadtumgebung während der Fahrt realistisch dreidimensional abgebildet werden soll.

Doch nicht nur Google und Volkswagen basteln an 3D-Navis. „Die Tendenz bei der Kartendarstellung geht in Richtung Abbildung der Realität. Als Hintergrund werden Satellitenbilder und Gebäudetexturen verwendet“, sagt Blaupunkt-Sprecher Joachim Siedler.

Blaupunkts Travelpilot Lucca kann in neueren Versionen bereits dreidimensionale Abbildungen zeigen. Detaillierte Stadtpläne mit Gebäudegrundrissen und der Darstellung von Parks verbessern die Orientierung in Städten. Höhenmodelle bilden einen wirklichkeitsgerechten Eindruck der Landschaft auf dem Display ab.


» Flash-Animation: In kleinen Schritten zum Sparmobil


Lesen Sie weiter auf Seite 2: Einige Angebote nur für Japan

Bei Dieben besonders beliebt: Multimedia-Anlagen im Armaturenbrett. Neben Radio-Funktionen übernehmen moderne Geräte das Abspielen von CDs und die Navigation.  Bei diesem VW-Gerät vermisst man allerdings den iPod-Anschluss. Foto: dpaLupe

Bei Dieben besonders beliebt: Multimedia-Anlagen im Armaturenbrett. Neben Radio-Funktionen übernehmen moderne Geräte das Abspielen von CDs und die Navigation. Bei diesem VW-Gerät vermisst man allerdings den iPod-Anschluss. Foto: dpa

Auch bei anderen gibt es erste Pilotanwendungen. So hat Harman-Becker einen ersten Prototypen gezeigt, der die Sehenswürdigkeiten und damit auch optischen Orientierungspunkte von Berlin abbildet. Dabei haben die Entwickler darauf geachtet, sich auf das Wesentliche zu beschränken. „Normale“ Gebäude werden als graue Klötze gezeigt, markante wie der Reichstag oder das Brandenburger Tor en detail.

Hersteller von Autos der Oberklasse wie BMW oder Daimler sind bislang auf dem europäischen Markt mit 3D-Navigation noch relativ zurückhaltend. BMW hat die entsprechenden Technologien zwar einsatzreif, bietet sie aber derzeit nur auf dem japanischen Markt an. Da die dreidimensionale Navigation mehr Computerpower braucht, sind die Modelle mit einer zusätzlichen Festplatte ausgestattet. Die Integration in weitere Märkte sei durchaus denkbar, so die Münchner. Einen Zeitplan gibt es dafür jedoch noch nicht.

Bei Daimler gibt es für die S-Klasse, die großen Coupés und Fahrzeuge der neuen C-Klasse Ansichten aus der Vogelperspektive, jedoch keine detailgetreue Abbildung. „Zu gegebener Zeit werden wir prüfen, ob das Kartenmaterial und die Gesamtperformance unseren Vorstellungen eines komfortablen Navigationssystems entspricht“, heißt es beim Stuttgarter Autobauer zurückhaltend. Er setzt als entscheidende Verbesserung auf Spracheingabe der Route statt Eintippen auf dem Touchscreen.

Sicherheitsexperten können dem Zögern durchaus etwas abgewinnen. Die dreidimensionale Darstellung könne den Fahrer ablenken, argumentiert etwa der TÜV Rheinland. Auch kommt es darauf an, die Informationen wirklich aktuell zu halten, damit es nicht zu Irritationen kommt. Bereits heute dauert es häufig bis zu zwei Jahren, bis neue Straßen erfasst und auf den CD-ROMs in Systeme integriert sind. Auch Online-Aktualisierungen ohne Speichermedium wie CD-ROM bringen nur bedingt etwas. Der Flaschenhals ist nämlich nicht die Verbreitung der Informationen, sondern deren Erfassung. Bei veralteten Stadtplänen hilft auch der dreidimensionale Blick nicht weiter.



Lesen Sie weiter auf Seite 3: „Jeder Blick auf das Display lenkt ab“

Drei Fragen zum Thema Navigation und Benutzerführung an Arnulf Tiemel, der beim ADAC-technikzentrum die Fahrzeugtechnik betreut.

Wo klemmt es noch bei der Benutzerführung von Navis?

Es gibt immer noch Menüs, die sich nicht auf den ersten Blick erschließen. Dann müsste man im Handbuch nachschauen, das es aber häufig nur noch als CD-ROM gibt. Das heißt, man braucht zusätzlich einen PC, um das Navigationssystem zu erschließen. Das ist zu umständlich.

Der Trend geht derzeit zu größeren Bildschirmen. Lenkt das ab oder ist es ein Vorteil?

Größere Bildschirme könnten zu mehr Lesbarkeit und weniger Ablenkung beitragen. Aber: blinkende und sich bewegende Anzeigen können bis zu 20 Prozent der Aufmerksamkeit absorbieren.

Wie sinnvoll sind Verbesserungen der Kartendarstellung?

Die Benutzer legen zwar Wert auf die optische Darstellung. Bei guten Navigationssystemen muss sich der Fahrer auf die Sprachansage verlassen können, jeder Blick auf die Karte lenkt ab.


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