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26.03.2008 
Vom Schuhkarton zum sympathischen Charmeur

Opel Agila: Lächeln im Lande Liliput

Wenn Opel-Designer Holger Weyer über den alten Agila spricht, wählt er die Worte mit Bedacht. „Vielleicht stand die Funktion dort ein wenig zu weit im Vordergrund“, sagt er selbstkritisch. Weyer umschreibt damit vorsichtig, dass der kleine Raumriese nicht viel mehr war als eine Schuhschachtel auf Rädern. Doch mit dem Generationswechsel hat das Diktat der Kante jetzt ein Ende.

Opel AgilaLupe

Das große Tacho hinterm Lenkrad ist wie der Drehzahlmesser ein gelungener Blickfang. (Bild: Opel)

dpa-infocom HAMBURG. Ohne Abstriche bei der Funktionalität fährt der gemeinsam mit dem Suzuki Splash entwickelte und produzierte Agila mit einem Lächeln durch die Straßen und wird so zu einem frechen Charmeur, der es mit sympathischem Gesicht und kesser Kehrseite auch mit Lifestyle-Liliputs wie dem Fiat 500 oder dem Nissan Micra aufnehmen kann.

An den alten Stärken ändert sich mit der neuen Form aber nichts. Nach wie vor führt Opel den Agila als sogenanntes Monocab und sucht die Nähe zur Großraumlimousine. Natürlich ist der Winzling lange nicht so flexibel, weil man zwar die geteilte Rückbank umklappen aber weder verschieben noch ausbauen kann. Doch lockt er wie ein echter Van mit erhöhter Sitzposition, die für einen guten Überblick sorgt, das Einsteigen erleichtert und diese Fahrzeuggattung so zum Liebling der Generation 50-plus macht.

Offiziell darf der Kleinwagen fünf Insassen transportieren

Über Platzmangel kann man sich auch nicht beklagen: Da Opel den Agila beim Generationswechsel um 20 Zentimeter auf 3,74 Meter gestreckt und ihm zudem sechs Zentimeter mehr Breite spendiert hat, reisen in der ersten Reihe auch Sitzriesen recht kommod. Selbst im Fond reichen Knie- und Schulterfreiheit für zwei Kinder bequem - und wenn es sein muss auch mal für zwei Erwachsene. Nur der Mittelplatz bleibt ein Notsitz. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Kleinwagen ist der Agila zumindest als Fünfsitzer zugelassen.

Sparsam sein muss man allerdings mit dem Gepäck. Wenn alle Plätze besetzt sind, fasst der Kofferraum nur 225 Liter. Das macht Urlaubsreisen schwierig, doch zumindest einen Kinderwagen schluckt der Agila problemlos. Und wer samstags allein zum Großeinkauf startet, kann den Laderaum im Handumdrehen erweitern. Ein Knopfdruck genügt, damit erst das Sitzkissen abtaucht und dann die Lehne nach vorn fällt. Auf ebener Fläche gibt es dann Platz für 1 050 Liter.

Auch innen weht optisch ein frischer Wind

Wie schon beim Außendesign weht auch durch den Innenraum ein frischer Wind: Die bequemen Sitze sind mit quietschbunten Stoffen bezogen, die farblich auf die Zierleisten abgestimmt wurden. Die Materialauswahl wirkt für diese Preisklasse hochwertig, an Ablagen herrscht kein Mangel, der große Tacho hinterm Lenkrad ist ein gelungener Blickfang, und der aufgesetzte Drehzahlmesser wirkt wie ein Augenzwinkern der Designer. Das Basismodell ist spartanisch ausgestattet, erst die teureren Varianten haben aber neben vier Airbags und ABS auch eine geteilte Rückbank, Klimaanlage, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung. Nur dass mit den Kopf-Airbags auch ESP immer extra kostet, ist nicht mehr zeitgemäß.

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Jetzt trägt der Agila seinen Namen zu Recht

Auf der Straße trägt der Agila seinen Namen jetzt zu Recht: Komfortabel abgestimmt, mit einem Wendekreis von weniger als zehn Metern hübsch handlich und zudem sehr übersichtlich gestaltet, kommt selbst in der Stadt Fahrfreude auf. Durch dichten Verkehr kreuzt man wie auf einem Skateboard, enge Altstadtgassen nimmt der Agila mit Bravour, und wo ein Astra bei der Parkplatzsuche scheitert, rangiert man den Agila in zwei Zügen auch in die kleinste Lücke.

Unter der Haube bietet Opel die Wahl zwischen einem 1,0 Liter großen Dreizylinder mit 48 kW/65 PS, einem Vierzylinder mit 1,2 Litern und 63 kW/86 PS und einem 1,3-Liter-Diesel mit 55 kW/75 PS. Alle Motoren sind relativ sparsam und sauber. So ist der kleine Benziner mit 5,0 und der Diesel mit 4,5 Litern zufrieden, was in beiden Fällen einem CO2-Ausstoß von 120 Gramm pro Kilometer entspricht. Allerdings halten insbesondere die Benziner auch mit dem Fahrspaß ein wenig hinterm Berg: Zwar kommen sie auf 160 und 175 Kilometer pro Stunde (km/h). Doch brauchen sie dafür viel Drehzahl und auch etwas Rückenwind. Der Diesel wirkt da mit seinen maximal 190 Newtonmetern Drehmoment spontaner und beschleunigt zumindest im Stadtverkehr besser. Nach oben wird jedoch auch bei ihm die Luft dünner. Dazu ist er auch die teuerste Wahl.

Fazit: Vom kleinen Kasten zum großen Charmeur

Mit dem Generationswechsel hat der Agila in jeder Hinsicht gewonnen: Aus dem kleinen Kasten ist ein großer Charmeur geworden. Das Fahrverhalten ist um Klassen besser, selbst im Fond gibt es mehr Platz, und wer genügend Aufpreis zahlt, darf sich auch sicher fühlen. Nur die Entscheidung zwischen dem Opel und seinem Zwilling von Suzuki macht das nicht leichter - zumal selbst der Basispreis identisch ist.

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