Tatsächlich bieten mittlerweile fast alle Premiumhersteller wie Audi
, BMW
, Mercedes und Volvo die neue Sicherheitstechnik nicht nur für ihre Top-Modelle an. "Der Trend, dass solche Systeme aus der Oberklasse stetig in die Mittelklasse wandern, wird sich künftig verstärken", schätzt Georg Stürzer, Autoanalyst der Hypo
-Vereinsbank.
Wie die langsame aber sichere Verbreitung des ESP zeigt, das die Stabilität der Fahrzeuge erhöht und ein Ausbrechen in Kurven verhindert, könne es allerdings 15 bis 20 Jahre dauern, bis Sicherheitsassistenzsysteme in unteren Klassen als Standard verbaut würden, sagt Stürzer. Denn noch verlangen Opel & Co saftige Aufschläge für die Technik.
Den Durchbruch erwartet Thomas Knoll, Technologiesprecher von Bosch, durch höhere Stückzahlen der Komponenten und die Vernetzung vorhandener Systeme: "Ohnehin an Bord befindliche Technologien wie ESP, Airbags und optische Systeme werden durch ihre Verbindung kostengünstig neue Sicherheitsfunktionen ermöglichen." Knoll denkt beispielsweise an frühzeitiges Erkennen eines Seitenaufpralls, wenn das ESP ein Schleudern registriert, diese Information an die Airbagsteuerung weitergibt, so dass sich die Luftkissen zum optimalen Zeitpunkt entfalten.
Durch die Kombination der Radar- und Videosensorik wird künftig sogar eine vorausschauende Notbremsfunktion (Predictive Emergency Brake) möglich. "Aus Untersuchungen von Auffahrunfällen wissen wir, dass bei der Hälfte der Unfälle Autofahrer überhaupt nicht reagiert haben oder zu 45 Prozent falsch", berichtet Knoll. Erkennt nun das System eine unvermeidliche Kollision, und reagiert der Fahrer trotz aller Warnhinweise nicht, so löst das System automatisch eine Notbremsung aus. Wenn die Technik 2009 kommt, wird es wahrscheinlich nicht lange dauern, bis auch Fahrer von Brot-und-Butter-Autos davon profitieren werden.
Knoll kündigt bereits für Ende dieses Jahres einen neuen kostengünstigen Radarsensor an, der etwa eine automatische Abstandskontrolle und andere Funktionen auch für Lenker von Mittelkasseautos erschwinglich machen soll. "Mit diesen Komponenten verhält es sich wie mit Digitalkameras, deren erste Modelle wegen ihrer hohen Preise nur wenige Käuferschichten erreichten. Heute ist daraus ein absolutes Massenprodukt geworden", zieht Knoll eine Parallele.
