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04.04.2008 
Schweden entdecken das Allradsystem

Saab 9-3 Turbo X: Auf allen Vieren in die Zukunft

Allradantrieb gehört in der gehobenen Mittelklasse längst zum guten Ton: Mercedes hat ihn, BMW auch und Allradpionier Audi sowieso. Selbst Volvo und Alfa Romeo verteilen die Kraft bisweilen auf alle Viere. Saab sah diesem Treiben bislang zu. Jetzt ziehen die Schweden beim 9-3 in Limousine und Kombi mit einem „Cross Wheel Dive“ nach.

Saab 9-3 Turbo XLupe

Saab verpasst seinen Modellen endlich einen Allradantrieb: Den Anfang machen beim 9-3 die Limousine und der Kombi. (Bild: Saab)

dpa-infocom HAMBURG. Zwar gibt es die Technik zunächst nur für eine Baureihe und dort auch nur für einen Motor, doch hat der Antrieb auch Symbolwirkung: Schließlich ist er das Herzstück eines kompakten Geländewagens, mit dem Saab 2008 die „größte Modelloffensive in der Unternehmensgeschichte“ starten will. Und in der nächsten Generation des 9-5 kommt das XWD genannte System ebenfalls zum Einsatz.

Seinen Einstand gibt der Allradantrieb für Preise ab 46 300 Euro für die Limousine und 47 900 Euro für den Kombi im Sondermodell Turbox. Für einen Aufpreis von gut 3 000 Euro auf den 9-3 Aero bekommt die Sonderserie neben dem XWD-Paket und einem strafferen Fahrwerk den üblichen Zierrat solcher Muskel-Modelle. Schweller und Spoiler sind etwas deutlicher herausgearbeitet und geben dem Wagen einen beinahe bösen Anstrich. Und innen machen modifizierte Instrumente und neue Zierleisten Schluss mit der nordischen Kühle.

In Fahrt bringt den Turbox ein 2,8 Liter großer V6-Motor, der 206 kW/280 PS leistet und mit maximal 400 Newtonmetern zu Werke geht. Während dieses immense Drehmoment im Serienmodell beim Anfahren immer wieder zu Traktionsproblemen führt, bringt der Allradler die Kraft deutlich besser auf die Straße. Ohne dass die Warnleuchte der Traktionskontrolle flackert wie die Leuchtreklame über einer Hafenbar in Trollhättan, nimmt der Saab zügig Fahrt auf: Nur 5,9 Sekunden braucht der Kombi bis auf 100 Kilometer pro Stunde (km/h), und wenn bei 250 km/h abgeregelt wird, ist der Turbo längst nicht außer Puste.

Der Allrad macht Schluss mit Traktionsproblemen

Dabei verteilt der ab Herbst auch für den normalen Aero lieferbare Allradantrieb das Drehmoment variabel zwischen den Achsen und passt seine Strategie der jeweiligen Fahrsituation an. Um die Vorderräder beim Anfahren zu entlasten, werden anfangs zum Beispiel rund 60 Prozent der Kraft nach hinten geführt. Ist der Wagen in Fahrt, läuft er dagegen auf trockener Straße beinahe als reiner Fronttriebler, weil das der ökonomischste Betrieb ist. Trotzdem ist der Turbo kein Kostverächter und verbraucht schon im Normzyklus 10,8 Liter, was einem CO2-Ausstoß von 258 Gramm pro Kilometer entspricht.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schneller um die Kurven

Schneller um die Kurven

Mit dem „Cross Wheel Drive“ führen die Schweden auch ein elektronisches Sperrdifferential mit dem Namen „elsd“ (Electronically-controlled Limited Slip Differenzial) an der Hinterachse ein, das beim Turbox serienmäßig und bei den anderen Modellen wahrscheinlich als Option angeboten wird. Mit ihm wird die Kraft auch noch zwischen dem inneren und äußeren Rad verteilt und so die Kurvendynamik erhöht: Ähnlich wie ein Kanufahrer, der das Paddel nur auf einer Seite einsticht, kommt der Wagen damit schneller um die Ecken.

Zwar haben die Modellpflege vom letzten Herbst und das sportliche Outfit der Sonderserie den 9-3 wieder ein wenig entstaubt. Doch vor allem innen kann der 9-3 sein Alter kaum verhehlen: Zu kantig und streng sind die Formen, zu hausbacken die Ausströmer der Klimaanlage, zu verspielt die Cupholder und zu eigenwillig manche Bedienungsfolgen, als dass man sie dem Saab als markentypisch nachsehen würde. Und auch das Pilotengefühl, das die Schweden gerne aus ihren Kampfflugzeugen übertragen möchten, will sich trotz der strammen Sitze und der zum Fahrer hin orientierten Instrumententafel nicht so recht einstellen. Einzig bei Nacht, wenn alle unwichtigen Informationen im Cockpit ausgeblendet werden, gibt es Parallelen.

Mehr Lifestyle als Laster

Anders als der 9-5 trägt der 9-3 seinen Rucksack mit großer Lässigkeit. Dafür haben die Designer eine dynamische Linie gewählt und den Verzicht auf etwas Ladevolumen in Kauf genommen. So bietet der 9-3 nur Platz für 419 Liter Gepäck. Wird die Rückbank umgelegt, fasst er maximal 1 273 Liter. Andere Kombis bieten da mehr Laderaum - und auch Extras wie einen doppelten Ladeboden, ein pfiffiges Gepäckrollo oder einen Skisack. Dafür zeugt der Saab-Kombi von der Liebe zum Detail, die man etwa an den markanten Rückleuchten oder dem stilisiertes Flugzeug im Ladeboden erkennt.

Fazit: In der Gegenwart angekommen und die Zukunft gesichert

Zwar werden die über 2000 Neuteile der Modellpflege den 9-3 nicht vom Exoten zum Bestseller machen. Und der Allradantrieb für erhöhten Spaßfaktor ist mit dem großen V6 einfach zu teuer. Doch immerhin ist Saab damit wieder im Hier und Heute angekommen. Und auch die Zukunft scheint mit der neuen Allradtechnik gesichert.

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