30 Bewertungen ***
17.10.2008 
Tumminellis Designkritik

Seat Exeo: Strategischer Abgang

von Paolo Tumminelli

Mit einer drastischen Maßnahme wechselt der Autohersteller Seat die etablierte Designstrategie und kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Ausgerechnet das neue Topmodell Exeo knüpft an die Tradition der Zweitverwertung an.

Seat Exeo: Ausgerechnet mit dem Top-Modell kehrt die Marke zu den Wurzeln des Zweitverwerters zurück. Foto: dpaLupe

Seat Exeo: Ausgerechnet mit dem Top-Modell kehrt die Marke zu den Wurzeln des Zweitverwerters zurück. Foto: dpa

Zur Präsentation des neuen Seat Exeo betreibt der Hersteller Sprachkunde. Man schwelgt über die lateinischen Wurzeln des Gefährts. Eine Begegnung mit der großen Schwester im VW-Konzern würde zum absurden Dialog werden, den sich auch der antike Komödiendichter Plautus ausgedacht haben könnte. „Audi.“ (auf deutsch: Hör mal zu). „Exeo.“ (Ich gehe raus).

Der Seat Exeo ist das nagelneu in Paris vorgestellte Top-Modell. Für sprachbegabte Kreative ein merkwürdiges Wortspiel. Seat – englisch für Stuhl. Exeo heißt auch Gang. No comment.

Was ist passiert? Seat sollte im Rahmen der Mehrmarkenstrategie des VW-Konzerns die Rolle des Antagonisten zu Alfa Romeo übernehmen. Dafür wurde 1999 dessen Designchef abgeworben. Blitzschnell zu Audi bestellt, ließ er als Abschiedsgeschenk die Studie Altea zurück, welche für eine neue Fahrzeugfamilie Pate stehen sollte.

Seat Exeo in der Deisgnkritik: Markenzeichen, Karikatur und Kontinuität

Statt Alfa Romeo zu bekämpfen erfand sich Seat als die sportliche Marke für Familien-Vans neu. 2004 kam eine eingebürgerte Version des Altea auf den Markt, gefolgt vom größeren Toledo. Dass die dafür avisierte, ganz besondere Zielgruppe eher in Strategiepapieren als in der Realität zu finden sein würde, war das einzige Risiko. Denn die Qualität von Seat stimmt stets mit der von VW überein – und das zu einem günstigeren Preis.

Doch das reichte nicht. Zeitweise wurde über das Aus spekuliert – beziehungsweise die Veräußerung der Marke Seat, deren Positionierung zwischen Skoda und Volkswagen keiner so richtig verstehen wollte. 1950 von der spanischen Regierung mit Fiat gegründet, sollte Seat zunächst für den geschützten iberischen Markt produzieren. Vom Band rollten die kleinen 600er und 850er, auf Wunsch auch als viertürige Pseudo-Limousine. In Zeiten, als Fiat noch Europas größter Automobilkonzern war, hatte Seat die Rolle der nationalen Submarke, ähnlich wie Lada in Russland.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Zuletzt besucht / gesucht

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Giganten der Meere

    Giganten der Meere

    Kaum ein Titel ist so vergänglich wie der des größten Containerschiffs der Welt. Kein Jahr vergeht, in dem nicht ein neues Superschiff vom Stapel läuft. Handelsblatt.com stellt eine Auswahl dieser Giganten der Meere vor - darunter den aktuellen Rekordhalter.Bildergalerie 

  • Wenn Franzosen Porsche spielen

    Wenn Franzosen Porsche spielen

    Wenn die Zeiten schlecht sind, blicken die Leute gern zurück - denn früher war ja bekanntlich alles besser. Gerade die von Krisen gebeutelten Autohersteller sind wahre Meister darin, alte Erfolge in Form verblichener Marken wiederzuentdecken. Auch Renault spricht davon...Bildergalerie 

  • Die sparsamsten und saubersten Autos

    Die sparsamsten und saubersten Autos

    Die geplante Reform der deutschen Kfz-Steuer geht in die heiße Phase. Für private Neuwagenkäufer und Fuhrpark-Manager wird vor diesem Hintergrund immer wichtiger, welches die umweltfreundlichsten und verbrauchärmsten Autos in den wichtigsten Fahrzeugsegmenten sind. Ein...Bildergalerie 

vor