Warum arbeiten die beiden Münchener Versicherer bei dem Thema nicht zusammen? Ein wichtiger Punkt ist das Konkurrenzverhältnis, das auch im Bereich der Nachhaltigkeit eine Rolle spielt. „Die Partnerschaft mit dem WWF hilft uns, die CO2-Risiken in den Geschäftsprozessen zu erkennen, um sie dann zu quantifizieren. Das ist wettbewerbsrelevant“, erklärt Faber. „Das Ergebnis unserer Untersuchungen teilen wir gerne mit dem Markt.“
In der Finanzbranche ist die Kooperation bisher einzigartig. Im Lebensmittelbereich hat der WWF derartige Projekte bereits erfolgreich realisiert, beispielsweise zusammen mit Unilever Wege zum nachhaltigen Fischfang entwickelt. Meist scheuen Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen aber bisher noch enge Kooperationen.
„Es ist vorteilhaft, einen Sparringspartner zu haben, um sich und die Gesellschaft weiterzuentwickeln“, betont Faber. „Vorrausetzung ist, unabhängig zu bleiben. Wir können verschiedene Meinungen haben“, sagt Leape. Sollte die Allianz ökologisch oder sozial zweifelhafte Dämme oder Pipelines finanzieren, werde der WWF das kritisieren: Nur so bleibe er glaubwürdig.
Das Programm
Strategie: Eine Studie mit dem WWF 2005 machte der Allianz das Klimaproblem erst richtig klar. Daher entwickelte sie 2006 ein konzernweites Klimaprogramm mit 17 Zielen und 80 konkreten Maßnahmen. Davon sind rund zwei Drittel umgesetzt. Die September gegründete Allianz Climate Solution GmbH soll den Klimaschutz in allen Bereichen strategisch vorantreiben.
Versicherungsgeschäft: Noch gibt es keine Versicherung mit niedrigen Tarifen für emissionsarme Fahrzeuge. Die US-Tochter Fireman’s Fund bietet aber eine Versicherung mit niedrigeren Prämien für energieeffiziente Gebäude an. An der Übertragung des Konzepts auf Europa wird gearbeitet. Außerdem legt die Allianz inzwischen auch „Cat-Bonds“ auf, mit denen sie die Risiken von Naturkatastrophen über den Kapitalmarkt absichert. Vorreiter hier waren unter anderem Swiss Re und Hannover Rück.
Bankgeschäft: Die Allianz-Tochter Dresdner Bank richtete ein Kompetenzzentrum für die Finanzierung erneuerbarer Energien ein. Zur Analyse der Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Projekten zieht sie die vom „Carbon Disclosure Project“ (CDP) gesammelten Daten zu Emissionen und Klimastrategien der 2 400 größten Konzerne heran.
Asset-Management: Die Vermögensverwaltung von Kunden- wie Eigenanlagen soll Klimarisiken und -chancen systematisch berücksichtigen. Die Allianz startete ein Klima-Screening von Kundenportfolien auf Basis der CDP-Daten.
