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13.12.2007 
Klimakonferenz Bali

Der Lord liebt die Provokation

von Klaus Stratmann

Der Gipfel in Bali bietet auch Klimaskeptikern wie Lord Christopher Monckton eine Bühne. Der Brite zählt zu den bekanntesten Köpfen unter denen, die einen von Menschen verursachten Klimawandel bestreiten. Am liebsten würde er mit Al Gore ein öffentliches Streitgespräch führen. Weil der nicht reagiert, unterhält der Lord die Öffentlichkeit mit seinen provokanten Thesen.

BALI. Lord Christopher Monckton besteht darauf, auch in tropischer Hitze das dunkelblaue, zweireihige Sakko mit den mattgoldenen Knöpfen nicht abzulegen.Viel nachdrücklicher allerdings besteht er darauf, eine Meinung zu vertreten, die beim Weltklimagipfel auf Bali nicht gut ankommt. Lord Monckton, dritter Viscount Monckton of Brenchley, zweifelt zwar nicht daran, dass das Klima sich wandelt. Aber er bestreitet die herkömmlichen Erklärungsmuster. Er gehört zur kleinen, aber hartnäckigen Gruppe von Aktivisten, die auf Bali gegen alle Konventionen verstoßen. Die Klimakonferenz auf der Tropeninsel hält er schlicht für überflüssig.

Mit dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) ist der streitbare und eloquente Lord ganz schnell fertig: Er wirft dem Klimarat der Uno „wissenschaftlichen Betrug“ vor. Die Berichte des IPCC genügten den Anforderungen an wissenschaftliche Arbeit nicht im Geringsten. Die Papiere des IPCC wimmelten von Fehlern und Widersprüchen. In der kürzlich in Valencia zusammengetragenen Kurzfassung für politische Entscheidungsträger gebe es schlichte Additionsfehler. Der IPCC stütze seine Prognosen auf Zahlen, die um den Faktor zehn zu hoch sein und komme so zu regelrechten Horrorszenarien.

Schnell wird deutlich: Der Lord liebt die Provokation. Auf Bali lässt er keine Gelegenheit aus, seine Einschätzung kund zu tun – sehr zum Verdruss der ganz überwiegenden Zahl der Gipfel-Teilnehmer. Ist etwas dran, an der Kritik von Lord Monckton? Die Fachleute weisen seine Vorwürfe zurück. Die IPCC-Reports seien über jeden Zweifel erhaben, sagt ein deutscher Wissenschaftler, der zum Kreis der Verfasser gehört. Er erinnert sich daran, dass er im Rahmen der peer review, der Begutachtung seiner Arbeit durch Wissenschaftlerkollegen, 5000 Anfragen zu beantworten hatte. Es gebe kaum eine wissenschaftliche Arbeit mit vergleichbarer Gründlichkeit.

Doch der Lord lässt sich nicht abbringen von seiner These, dass es mittlerweile eine regelrechte Klimahysterie gebe. Und warum ist die ganze Welt so verrückt? „Follow the money“, gibt Monckton zur Antwort: Es sei schließlich eine regelrechte Industrie rund um die Klimaschutz-Debatte entstanden. Das werde auch anhand der Konferenz in Bali mit ihren vielen tausend Leuten deutlich: „Drei Viertel der Teilnehmer werden direkt oder indirekt vom Steuerzahler bezahlt“, sagt Monckton. Diese Menschen würden das Thema schon aus eigenem Interesse voran treiben und Angst und Schrecken verbreiten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Viel Staub aufgewirbelt

Monckton selbst verfolgt nach eigenem Bekunden keinerlei eigenen finanziellen Interessen. Finanziell unterstützt werde er allerdings von einem wohlhabenden US-Bürger, der mit dem Thema Klimawandel aber nichts zu tun habe, sagt Monckton. Der Kampf gegen das Klima-Establishment ist durchaus teuer. Der Lord reist viel und im vergangenen Frühjahr schaltete er eine Serie von Anzeigen in der „New York Times“ und der „Washington Post“, in denen er Al Gore zu einem öffentlichen Streitgespräch aufrief. Al Gore reagierte nicht.

Moncktons Kernthese ist aus Sicht der ganz überwiegenden Zahl der Klimaforscher längst überholt. Nach der Überzeugung des 55-jährigen Briten, der früher als Journalist und Berater – etwa für Margaret Thatcher – arbeitete, ist es nicht erwiesen, dass die globale Erwärmung vom Menschen verursacht wird. Die Kohlendioxidkonzentration steige zwar kontinuierlich und gleichmäßig an, der Temperaturanstieg schwanke dagegen stark, sei geradezu erratisch. Der Zusammenhang zwischen beiden Entwicklungen sei nicht zwingend.

Dafür, dass der Lord sich erst seit 18 Monaten mit dem Thema Klimawandel befasst, hat er immerhin schon eine Menge Staub aufgewirbelt – und Skeptiker ermutigt, an ihren Bedenken festzuhalten. Ganz allein steht er in Bali nicht: Wie selten zuvor bombardiert die kleine Gruppe der Kritiker Journalisten mit ihren Statements. Einen grundsätzlichen Wandel der öffentlichen Meinung dürften sie aber kaum mehr bewirken.

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