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12.11.2007 
UN-Klimarat

Klimaschützer müssen sich kurz fassen

Der Weltklimarat hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: In Valencia will er seinen Klimareport für Politiker lesbar machen - aus 15 000 Seiten soll ein zehnseitiges Dokument werden. Der Klimabericht in Light-Version ist notwendige Voraussetzung, um auf der Klimakonferenz von Bali im Dezember konkrete Maßnahmen zu beschließen.

Schmelzende Gletscher wie hier in Grönland gehören zu den sichtbaren Folgen des Klimawandels Foto: dpaLupe

Schmelzende Gletscher wie hier in Grönland gehören zu den sichtbaren Folgen des Klimawandels Foto: dpa

HB VALENCIA. Der Mensch erwärmt die Atmosphäre durch Treibhausgase und gefährdet damit das Leben vieler Millionen Erdenbürger. Das zeigt der diesjährige UN-Klimareport in bislang nicht gekannter Klarheit. Um das, was auf den rund 15 000 Reportseiten aufgelistet ist, in einen für die Politik verdaulichen Happen zu zerlegen, beraten die Mitglieder des Weltklimarats von Montag an eine Woche lang im spanischen Valencia. Auf etwa zehn Seiten wollen sie ihre Ergebnisse herunterbrechen, und damit den Politikern die notwendigen Daten für die Klimakonfernenz von Bali im Dezember an die Hand geben.

Die rund 2500 ehrenamtlich arbeitenden Wissenschaftler des IPCC forschen zwar unabhängig von Regierungen, ihre Resultate müssen aber von den politischen Delegationen der Mitgliedsländer abgesegnet werden. „Daher wird um viele Sätze und einzelne Wörter gefeilscht und gestritten“, erklärt Professor Olav Hohmeyer von der Universität Kiel. Er ist einer der stellvertretenden Vorsitzenden der IPCC- Arbeitsgruppe III. Diese befasst sich damit, wie der Mensch den Klimawandel bremsen kann ­ oder wie er lernt, sich darauf einzustellen.

Der Zwang zur Einigung berge zwar die Gefahr, dass der Text in seiner Schärfe abgemildert wird, sagt der Klimaforscher. „Aber das ist der Preis dafür, dass der Bericht anschließend Konsens ist. Und daraus ergibt sich seine Bedeutung für Bali.“ Denn: „Jedes Statement, das im Konsens von allen Regierungen der Welt akzeptiert wird, ist im Prinzip unumstößlich.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Amerikaner und Saudis wollen keinen Bericht

Die bisherigen Zusammenfassungen der Klimareports sind aus der fachlichen Sicht der jeweiligen Arbeitsgruppen verfasst. In Valencia soll daraus das Gesamtbild zusammengefügt werden. „Regierungen, die möglichst wenig für den Klimawandel tun möchten, scheuen Syntheseberichte wie der Teufel das Weihwasser“, sagt der in Verhandlungen geübte Forscher. „Die Amerikaner und die Saudis wollten einen Synthesebericht ganz verhindern.“ Als klar wurde, dass es dennoch ein solches Dokument geben würde, habe er auf Wunsch der Kritiker erst im Januar 2008 erscheinen sollen ­ nach der großen Konferenz auf Bali.

„Der Synthesebericht wird die Dringlichkeit des Handelns klar machen ­ egal, wie weichgespült er ist. Und wenn das auf zehn Seiten konzentriert ist, kann niemand sagen, er habe keine Zeit gehabt, es zu lesen. Die Nachrichten sind so einfach, dass ein Handlungsdruck erzeugt wird“, sagt Hohmeyer.

Der Report greift auf Daten bis etwa Mitte 2006 zurück ­ irgendwann muss Redaktionsschluss sein. Daher ist etwa der im Oktober 2006 veröffentlichte und viel beachtete Bericht des Ökonomen Nikolaus Stern nicht enthalten. Der sagt, kurz gefasst, das es billiger ist, den Klimawandel jetzt zu bremsen statt in Jahrzehnten seine Folgen zu bezahlen. Auch weitere neuste Forschungsergebnisse sind noch gar nicht Teil des Reports. „Dann wäre er noch schärfer und warnender ausgefallen“, sagt der Leiter des Europäischen Büros der Umweltstiftung WWF für Klima und Energiepolitik, Stefan Singer. Der WWF hat Beraterstatus.

Auch viele weitere Daten seien inzwischen noch dazugekommen. Der Meeresspiegel steige voraussichtlich schneller als im Bericht erwartet, sagt Singer. Die seinerzeit veranschlagten 20 bis 60 Zentimeter erscheinen ­ etwa nach neueren Untersuchungen von Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ­ als zu niedrig. Auch gebe es neues Wissen über Rückkopplungen: Wenn mehr (weißes) Polareis schmilzt, wird weniger Sonnenlicht zurückreflektiert. Es erhitzt das (dunklere) Wasser stärker und lässt wiederum mehr Eis schmelzen.

Viele Forscher und der WWF halten daher unter anderem sogar einen Anstieg des Meeresspiegels um 1,40 Meter in diesem Jahrhundert für möglich. „Was der IPCC präsentiert, ist der Konsensus am konservativen Ende. Die neue Literatur, die nicht ausgewertet werden konnte, ist dramatischer“, sagt Singer.

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