In der Antarktis ist derweil ein Eisberg von 105 Quadratkilometern Fläche aus dem Schelfeis gebrochen. Das teilte das US-Eis- und Schneedatenzentrum (NSIDC) am Dienstag (Ortszeit) in Boulder mit. Schelfeis schwimmt auf dem Meer, ist aber fest mit dem Eis an Land verbunden. Der Eisklotz habe sich bereits am 28. Februar von der Südwestseite des Wilkins-Schelfeises gelöst. Dadurch sei danach eine Eisfläche von 405 Quadratkilometern auseinandergebrochen.
Die Forscher machen den Klimawandel für den raschen Zerfall des Eisschildes verantwortlich. In den vergangenen 50 Jahren wurde in der Region mit durchschnittlich einem halben Grad Celsius pro Jahrzehnt der stärkste Temperaturanstieg weltweit verzeichnet. Das Wilkins-Schelfeis liegt rund 1000 Kilometer vor der Südspitze Südamerikas an der südwestlichen antarktischen Halbinsel.
Nur ein dünner Streifen intakten Eises verhindere jetzt noch, dass es zu weiteren Abbrüchen an dem insgesamt mehr als 13 000 Quadratkilometer großen Eispanzer komme, berichtete das Datenzentrum. „Im Fall des Wilkins-Schelfeises wird der Meeresspiegel nicht angehoben, weil es sowieso schon auf dem Ozean schwimmt“, erläuterte der führende NSIDC-Wissenschaftler Ted Scambos.
Der Frankfurter Klimaforscher Christian Schönwiese bezeichnete den Eisbruch in der Antarktis als „nicht so dramatisch“. Die Fläche, die sich vom Schelfeis gelöst habe, sei gar nicht so besonders groß, sagte er am Rande des Hamburger „Extremwetter- Kongresses“. Im März 2000 hatte sich vom Ross-Eisschelf eine 11 655 Quadratkilometer große Eisfläche gelöst.
Auch sei der Eisbruch kein Indiz dafür, dass das Eis am Südpol schmelze, betonte Schönwiese. Es könnte sogar sein, dass die Eismasse in der Antarktis zunehme und der Abbruch eine Art „Kalbungsprozess“ sei. Ganz anders als am Nordpol bestehe nach seiner Überzeugung für das antarktische Eis auf absehbare Zeit kaum die Gefahr des Wegschmelzens. Das Eis auf dem antarktischen Festland schmilzt vor allem in der relativ kleinen Westregion des Kontinents.

