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11.12.2007 
Bali-Rummel

Ökologischer Sündenfall

von Steffi Augter, Wirtschaftswoche

Zur Rettung der Welt treffen sich Tausende von Umweltschützern im Paradies. Doch schon die Reise nach Bali ist ein ökologischer Sündenfall. Allein Umweltminister Sigmar Gabriel hat etwa 8 380 Kilogramm CO2-Emissionen verursacht. Und beim Klima-Gipfel selbst droht nur heiße Luft herauszukommen.

Aktion von Umweltschützern auf Bali: Noch nie herrschte so großer Andrang bei einer Klimakonferenz. Foto: rtsLupe

Aktion von Umweltschützern auf Bali: Noch nie herrschte so großer Andrang bei einer Klimakonferenz. Foto: rts

BERLIN. Als Sigmar Gabriel am Montag in den Flieger nach Bali stieg, hatte er dem Klima vielleicht schon geschadet. Denn der Weg von seinem Ministerium am Berliner Alexanderplatz zur indonesischen Insel der Götter, wo seit einer Woche die Klimakonferenz der Vereinten Nationen tagt, ist weit. Sehr weit. 12 000 Kilometer Luftlinie. Hin und zurück pustete Fluggast Gabriel 8 380 Kilogramm CO2 in die Atmosphäre – mehr als ein Mittelklassewagen in vier Jahren ausstößt. Der Umweltminister hat trotzdem ein reines Gewissen: Denn der Flug ist – wie alle seine Dienstreisen – CO2-neutral. 170 Euro zahlt er für seine Emissionen an ein Unternehmen, das damit Klimaschutzprojekte finanziert, die jene acht Tonnen CO2 von der Bali-Reise neutralisieren. Gabriels Klimaweste bleibt so zumindest moralisch sauber.

Das Klima-korrekte Reisen erhöht die Glaubwürdigkeit der deutschen Delegation auf Bali. Doch dem Beispiel des deutschen Umweltministers folgen nur wenige. Die meisten der 10 000 Teilnehmer der UN-Klimakonferenz weigern sich, Ablassbriefe für die bei ihrer Anreise anfallenden Abgase zu zahlen. Nach Schätzungen der Veranstalter wird der Klimagipfel deshalb mindestens 15 000 Tonnen CO2 in die Atmosphäre blasen. Experten von MyClimate rechnen mit mehr als der doppelten Menge. Indonesien will zum Ausgleich 4 500 Hektar Wald auf der Hauptinsel Java pflanzen. Doch die Frage bleibt: Was bringt der Massenauflauf auf Bali dem Weltklima?

Einen ihrer zentralen Grundsätze hat die Klimalobby bereits gebrochen – den der Effizienz. Noch nie war der Andrang zu einer Klimakonferenz so groß: Insgesamt 190 Nationen schicken Delegationen ins Ferienzentrum von Nusa Dua, wo das Konferenzzentrum zahlreiche Fünfsterne-Luxushotels umrahmen. Die EU-Kommission ist mit von der Partie, die Weltbank und das Rote Kreuz sowieso. Rund 300 Nichtregierungsorganisationen haben sich angemeldet. Unter Palmen treffen Umweltschützer von Greenpeace auf Lobbyisten der Industrie. Einige Staaten wie Brasilien sind besonders eifrig und schicken weit über Hundert Vertreter. Indiens Regierungschef Manmohan Singh persönlich will für die Position der Schwellenländer werben. Auch aus den USA reisen zwei Prominente an, sie stehen für ein anderes Amerika als das von George W. Bush: Friedensnobelpreisträger Al Gore und Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Dieses Schaulaufen der Guten und Gerechten wird sich vermutlich auch der ein oder andere europäische Staatschef nicht entgehen lassen.


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Dabeisein ist alles – der olympische Geist schwebt über der kleinen Insel. Denn kaum jemand erwartet einen durchschlagenden Erfolg. Bereits am ersten der insgesamt elf Tage dauernden Konferenz übten sich die Veranstalter in Bescheidenheit. Konferenzpräsident Rachmat Witoelar dämpfte die Erwartungen an die „Bali Roadmap“, die am kommenden Freitag präsentiert werden und den „Kyoto-Nachfolgeprozess“ für die nächsten zwei Jahre skizzieren soll. Das Drängen der EU, den globalen Treibhausgasausstoß bis 2050 um 50 Prozent unter den Stand von 1990 zu reduzieren, wehrte Witoelar ab: „Wir werden zufrieden sein, wenn der Fahrplan steht. Wir werden nicht auf Emissionsziele drängen.“

Die Mammutkonferenz wird demnach lediglich ein Mandat formulieren – ein schlichtes Dokument, das mehr oder minder präzise definiert, was in späteren Verhandlungen angestrebt wird. „Ich schlage vor, die Form der Funktion folgen zu lassen“, sagte der Leiter des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer. „Die legale Form ist eine Frage, die am Ende eines Prozesses beantwortet werden sollte, nicht zu Beginn. Ein Ehevertrag ist die Krönung einer Liebesaffäre, nicht ein Thema für den ersten Abend.“


Weblogs Klima-Blog: Susanne Bergius zur Ökonomie des Klimawandels


Der Vergleich mit einer Liebesaffäre ist allerdings gewagt. Denn auch der alte Klimavertrag besiegelte keine glückliche Ehe. Das Kyoto-Protokoll verpflichtete nur die Industriestaaten, ihre Emissionen bis 2012 um fünf Prozent gegenüber dem Vergleichsjahr 1990 zu vermindern. Für EU-Staaten gilt die durchschnittliche Zielmarke acht Prozent. Doch die meisten Staaten, die das Protokoll vor zehn Jahren in Japan unterzeichneten, haben ihren CO2-Ausstoß in der Zwischenzeit nicht vermindert, sondern im Gegenteil noch erhöht. Zu den größten Klimasündern weltweit zählt Spanien mit einem Zuwachs bei den Kohlendioxid-Emissionen von 49 Prozent. Nur die Deutschen, die Briten und die Schweden haben den Ausstoß des Klimagases deutlich reduziert.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Streitpunkte sind alt, die Positionen unvereinbar

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