„Bei manchen Produkten zieht der ,Blaue Engel’ nach wie vor sehr – zum Beispiel beim Papier“, sagt Franz-Josef von Kempis, der sich beim Bundesverband der Deutschen Industrie mit Umweltpolitik befasst und der Jury Umweltzeichen angehört. Das Produkt Papier hatte den Engel einst erst so richtig beflügelt, es gehört zu den Umweltengel-Produkten der ersten Stunde. Die Hersteller, die den Blauen Engel auf ihr Kopierpapier oder ihre Schreibblöcke kleben, haben gute Verkaufsargumente: Engel-Papier ist grundsätzlich Recyclingpapier. Das spart eine Menge Energie: „Die Produktion von drei Blatt Recyclingpapier erspart gegenüber der Herstellung von drei Blatt Frischfaserpapier soviel Energie, wie Sie brauchen, um eine Kanne Kaffee zu kochen“, sagt Sönke Nissen, der in der Papierwirtschaft für den Engel wirbt. Und längst sei das recycelte Papier ja auch kein grobes, graues Zeug mehr, das das Gewissen beruhigt, aber das ästhetische Empfinden beleidigt.
Und wie geht es weiter mit dem Engel? Edda Müller ist fest von seiner Zukunft überzeugt: „Der ,Blaue Engel’ funktioniert. Er steht für Verlässlichkeit und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Das darf man nicht unterschätzen.“ Müller sitzt in der Engel-Jury, aber sie war auch jahrelang Deutschlands oberste Verbraucherschützerin. Sie sagt dem Blauen Engel einen neuen Höhenflug voraus. „Der Blaue Engel wandelt sich stetig. Früher ging es um Probleme auf der Ebene der stofflichen Zusammensetzung von Produkten, etwa um Schwermetalle in Farben, um das Treibhausgas FCKW in Spraydosen, um Asbest in Bremsbelägen. Das sind heute keine Themen mehr“, sagt sie. Künftig werde es um die Frage gehen, welche Produkte klimaschonend sind.
Aufwind bekommt der Blaue Engel auch vom Gesetzgeber. Im neuen Klimaschutzprogramm der Bundesregierung hat das Umweltsymbol einen festen Platz gefunden. Dort geht es zwar in erster Linie um große Baustellen wie den Emissionshandel für den Flugverkehr oder die Neuordnung der Besteuerung von Autos.
Doch es gibt auch einen Abschnitt für Bundesbehörden. Thema: Beschaffung. Die Beamten sollen beim Materialeinkauf zukünftig auf den Blauen Engel achten. Das würde den Umweltengel-Nutzern einen ganz neuen, zahlungskräftigen Markt erschließen.

