Umwelt-News

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Zukunft der Städte: Mega-Citys – die sensiblen Lebewesen

Die Zahl der Städte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern wächst. Und damit das Problem, diese zum komplizierten Geflecht gewachsenen Organismen zu versorgen.

Skyline von Tokio. Die Zahl der Städte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern wächst. Quelle: ap
Skyline von Tokio. Die Zahl der Städte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern wächst. Quelle: ap

FRANKFURT/PEKING. Kenji lächelt. Er zeigt sie gerne, diese Fotos - wenn ihn mal wieder Freunde fragen, wie es denn so ist, sein Leben in Tokio. Es sind Bilder aus U-Bahnen, Bilder von erschöpften, schlafenden Menschen. Manche sind einfach nur zusammengesackt. Andere, wildfremd, lehnen sich gegeneinander. Kenji knipst sie auf dem Weg zur Arbeit mit der Handykamera.

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Sein Favorit ist ein Anzugträger, der vom Sitz gerutscht ist. Der Kopf und die Arme sind nach hinten geneigt, das Jackett ist einer Fessel gleich bis zu den Ellenbogen heruntergeglitten. Wie ein Märtyrer kniet der Japaner am Boden, schlafend. Er ist ein Opfer langer Arbeitszeiten und langer Arbeitswege. Das Leben in Tokio, sagt Kenji, ist anstrengend.

Vor 100 Jahren versetzte der Anstieg der Bevölkerung von New York auf über fünf Millionen Menschen die Welt noch in Erstaunen. Heute sind solche Zahlen keine Aufregung wert. 1975 gab es fünf Städte mit über zehn Millionen Einwohnern - die magische Grenze für den Status "Mega-City". Mittlerweile haben ihn 21 Städte erreicht, bis 2025 werden es laut den Vereinten Nationen 29 sein.

Mit der Größe der Städte wachsen aber auch die Probleme. Das beginnt mit elementaren Dingen wie der Wasser- und Energieversorgung und der Belieferung mit Lebensmitteln, geht über die Abwasserentsorgung und die Beseitigung des Abfalls und reicht bis zu der Frage nach dem richtigen Verkehrsmanagement.

Massen flüchten in Ballungsräume

Probleme, wie sie Tag für Tag in Asien beobachtet werden können. Und doch flüchten die Massen weiter in die Ballungsräume: weil sie dort Arbeit finden, weil dort die medizinische Versorgung besser ist, weil sie dort persönlich weiterkommen.

Das ist symptomatisch für Mega-Citys: die Kombination aus riesigen Menschenmengen und Wirtschafts-kraft. Die Forscher vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig untersuchen das am Beispiel der chilenischen Stadt Santiago.

Die ist mit fünf Millionen Einwohnern noch weit von der Zehn-Millionen-Grenze entfernt, hat aber alles, um eine echte Mega-City zu werden: Rund 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von Chile werden hier erwirtschaftet, 35 Prozent der Chilenen wohnen in der Stadt. Und ständig ziehen Menschen aus dem dünn besiedelten Rest des Landes zu.

  • 31.12.2010, 15:57 UhrSilberstein

    interessant...ich hab schon wieder €uro-Zeichen vor Augen, wenn ich an die investitionsmöglichkeiten hinsichtlich dieser Entwicklung denke.

    Auch wenn eine Stadt sich ohne "Land"-bewohner nie ernähren könnte.

    Ein frohes und ertragreiches neues Jahr.

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