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04.03.2008 
IPTV

Telekomkonzerne hübschen Internet-Fernsehen auf

von Sandra Louven

Auch in diesem Jahr setzen Deutschlands Telekommunikationskonzerne auf das so genannte IPTV, Fernsehen über das Internet-Protokoll. Das Problem dabei ist: Bis jetzt will kaum jemand IPTV haben. Nun hoffen die Telekomkonzerne auf zusätzliche Dienste und die Schaffung eines eindeutigen Mehrwertes.

Das Internet-Fernsehen soll durch zusätzliche Dienste attraktiver gestaltet werden. Foto: dpaLupe

Das Internet-Fernsehen soll durch zusätzliche Dienste attraktiver gestaltet werden. Foto: dpa

HANNOVER. Showtime für die deutschen Telekomkonzerne - die Cebit bietet ihnen ein ideales Forum für publikumswirksame Ankündigungen. Doch allzu häufig bleibt diese Gelegenheit ungenutzt. So drehen sich die Ankündigungen von Arcor und der Deutschen Telekom in diesem Jahr um das Thema Fernsehen über das Internet-Protokoll. Doch das, was Fachleute IPTV nennen, war auch schon im vergangenen Jahr das beherrschende Thema in diesem Theater. Seitdem hat sich nicht allzu viel getan.

Die Telekom und ihr größter Wettbewerber, Arcor, haben in der Zwischenzeit zwar ihre Netze ausgebaut. Mit rund 20 Mill. Haushalten kann die Hälfte aller Deutschen inzwischen über den Bonner Konzern IPTV gucken. Auch Arcor will bis zum Jahresende zwölf Mill. Haushalten die Mattscheibe über den Web-Zugang bieten. Das Problem dabei ist nur: Kaum einer will IPTV haben.

Die Telekom hat bislang gerade einmal 180 000 solcher Fernsehanschlüsse verkauft. Die Zahl nannte Festnetzchef Timotheus Höttges gestern auf der Cebit. Die Telecom-Italia-Tochter Hansenet hat 18 000 IPTV-Kunden; Arcor, die ihr TV-Angebot erst Weihnachten gestartet hat, nur eine "vierstellige Nutzerzahl im unteren Bereich". "Für einen Finanzmann ist das noch ein Rundungsfehler", räumte Arcor-Chef Harald Stöber in Hannover ein.


» Im Bild: Die Trends der Cebit


Stöber beunruhigt das jedoch nicht. Jede neue Technik brauche mehrere Jahre, bis sie den Massenmarkt erreiche. "Das war mit dem Mobilfunk genauso", argumentiert er. Einige Experten sind jedoch deutlich kritischer. "Dieses Produkt ist unheimlich schwer zu vermarkten, weil es keinen eindeutigen Mehrwert gegenüber existierenden Angeboten schafft", sagt ein Analyst.

Die Telekom-Konzerne wissen das und suchen emsig nach neuen Diensten, um ihre Fernsehbraut aufzuhübschen: Arcor-Kunden sollen künftig auch über den TV-Apparat surfen können; die Telekom setzt auf die komplette Integration von TV, PC und Handy. So können Kunden den Videorekorder auch über das Internet programmieren, Fotos auf dem Fernseher anschauen und mit der Lieblingsmusik unterlegen. Das geschehe "alles integriert und über eine einzige Fernbedienung", schwärmt Festnetzchef Höttges. Technisch macht das die Set-Top-Box möglich, die für das IPTV nötig ist. Sie erkennt den heimischen Rechner und baut über eine drahtlose Internetverbindung (Wlan) den Datenaustausch mit dem PC auf.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie die Telekom den Nerv der Zeit treffen will.

Darüber hinaus hat die Telekom ihre Preise für IPTV gesenkt. Bislang kostete ein Paket aus Telefon- und DSL-Anschluss mit Pauschaltarif für die Nutzung sowie Fernsehen mindestens 60 Euro, jetzt ist es für 50 Euro zu haben. Damit liegt Deutschland zwar immer noch deutlich über dem Niveau in Nachbarländern: Franzosen etwa müssen für dasselbe Angebot nur 30 Euro auf den Tisch legen.


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Dennoch könnte die Telekom mit ihrem neuen Preis genau den Nerv getroffen haben. Das legt zumindest eine Umfrage des Netzausrüsters Ericsson nahe, die heute auf der Cebit präsentiert wird. Ericsson hat dafür Inhalteanbieter, Netzbetreiber, Fernsehsender und Experten in elf Ländern befragt - die meisten davon in Deutschland. In der Untersuchung, die dem Handelsblatt vor-liegt, kommen die Akteure zu dem Schluss, dass Nutzer nicht mehr als zehn Euro im Monat für IPTV zahlen wollen - das ist genau die Gebühr, die die Telekom in ihren Komplett-Paketen für Fernsehen erhebt.

Für die Netzbetreiber ist Fernsehen nicht einfach nur irgendein Zusatzdienst. Es ist der Versuch, ein Angebot zu schaffen, das über die reine Bereitstellung einer DSL-Leitung hinaus geht. Das ist auch nötig: Zum einen sinken die Preise im klassischen Telefon- sowie im DSL-Geschäft. Zum anderen droht den Telekomkonzernen Konkurrenz von den Kabelanbietern. "Anbieter, die keine reinen Datenlieferanten sein wollen, kommen um IPTV nicht herum", sagt Carsten Ahrens, Geschäftsführer von Ericsson Deutschland.

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