Schlechte Zeiten auf dem Weltmarkt für Solarzellen. Auf den Hauptabsatzmärkten Deutschland und Spanien haben sich die Geschäftsaussichten deutlich eingetrübt. Und aufstrebende Märkte wie etwa der in Frankreich sind noch nicht stark genug. Aber immerhin: Nach 2009 ist wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen.
KÖLN. Die Photovoltaik-Industrie wird im kommenden Jahr wesentlich langsamer wachsen als noch 2008. Dies wurde auf dem 9. Forum Solarpraxis deutlich, das in Berlin stattfand. Branchenvertreter rechnen 2009 mit nachgebenden Absatzpreisen und einem verschärften Wettbewerb. Gleichzeitig verschlechtert sich die Solarstromförderung in den Hauptabsatzmärkten Deutschland und Spanien. Hoffnungen liegen indes auf den USA, wo nach dem Regierungswechsel eine stärkere politische Unterstützung erwartet wird.
Die Solarmarktspezialisten des Schweizer Bankhauses Sarasin gehen in ihrer neuesten Marktprognose für die Photovoltaik (PV) davon aus, dass die weltweit neu installierte PV-Leistung 2009 nur noch um 17% gegenüber dem aktuellen Jahr zunehmen wird. 2008 soll das Wachstum der Neuinstallationen beachtliche 73% erreichen. Schon 2007 hatte der Weltmarkt um über die Hälfte zugelegt.
In Deutschland, dem 2008 mit einem geschätzten Weltmarktanteil von über 40% größten Einzelmarkt, werden die Netzeinspeisetarife für PV-Strom mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes 2009 kräftig zurückgefahren. Abhängig vom Anlagentyp werden dann 8 bis 10% weniger Vergütung gezahlt. Zwar dürften auch die Systempreise ins Rutschen kommen, da die früher bekannten Angebotsengpässe in der Branche beseitigt sind und der Markt sich zunehmend zu einem Käufermarkt entwickelt. Aber auch, wenn niedrigere Investitionskosten eine Absenkung der Vergütungen kompensieren können: Angesichts der derzeitigen konjunkturellen Aussichten dürfte es künftig schwieriger werden, Abnehmer für Solarstromanlagen zu gewinnen. Marktbeobachter wie Markus Hoehner von EuPD Research rechnen in Deutschland 2009 sogar mit einem schrumpfenden Absatz. Währenddessen erwartet die Bank Sarasin, dass die PV-Neuinstallation wenigstens noch moderat zunehmen werden.
In Spanien, dem zurzeit noch nach Deutschland zweitstärksten PV-Markt, haben sich die Absatzperspektiven für die Branche wesentlich stärker eingetrübt. Mit einem Dekret vom September 2008 wurden die PV-Einspeisetarife für das Jahr 2009 deutlich abgesenkt. Darüber hinaus erfolgte eine Begrenzung des Fördervolumens auf eine Gesamtleistung von 500 MW. Gegenüber dem laufenden Jahr lässt dies einen Markteinbruch um mehr als die Hälfte befürchten.
Wegen der verschlechterten Aussichten in den Hauptabsatzmärkten Deutschland und Spanien dürfte für die Photovoltaik in Europa 2009 bestenfalls eine Stagnation zu erwarten sein. Aufstrebende Solarmärkte wie Italien und Frankreich befinden sich erst am Anfang ihrer Entwicklung und können eine nachlassende Dynamik in Deutschland und Spanien nur begrenzt auffangen. Auch von der Tschechischen Republik, wo Anfang 2008 im europäischen Vergleich besonders attraktive Förderbedingungen geschaffen wurden, sind im derzeitigen Marktstadium noch keine Wunderdinge zu erwarten.
Angesichts der gedämpften Wachstumsperspektiven in Europa wird es für die hiesigen PV-Unternehmen zunehmend wichtiger, ihre Präsenz in außereuropäischen Märkten zu stärken. Dabei dürften in der Zukunft vor allem die USA noch weiter in den Fokus rücken. Im Oktober 2008 wurde die wichtigste bundesweite Fördermaßnahme für Solaranlagen, die Steuererleichterungen im Rahmen des Investment Tax Credits (ITC), um acht Jahre verlängert. Zugleich erfolgte eine Aufhebung der bisherigen finanziellen Förderobergrenze und eine Erweiterung der Zugangsberechtigung auf Energieversorgungsunternehmen. Die Übernahme des Präsidentenamts durch Barack Obama begründet Hoffnungen, dass die Unterstützung für erneuerbare Energien zukünftig noch weiter ausgeweitet wird. Nicht umsonst zeigt sich die Bank Sarasin für die weitere Entwicklung des US-Solarmarkts besonders optimistisch. Schon 2009 soll dieser mit einer neu installierten PV-Leistung von 340 MW weltweit die größten absoluten Zuwächse erreichen.
Wenn auch das Jahr 2009 für die PV-Industrie gemessen an den bisherigen Maßstäben eher enttäuschend verlaufen könnte, so ist für die Zeit danach wieder mit einem beschleunigten Wachstum der Branche zu rechnen. Entscheidend für die weiteren Perspektiven wird sein, wie schnell die sogenannte Netzparität erreicht werden kann, das heißt ein Kostenniveau, bei dem Solarstrom auch ohne öffentliche Förderung mit konventionell erzeugter Elektrizität konkurrieren kann.
Diese auch auf dem Berliner Solarforum viel diskutierte Frage lässt sich bisher nur sehr spekulativ beantworten. Die viel versprechenden Dünnschicht-Technologien, von denen sich Solaroptimisten den endgültigen Durchbruch der photovoltaischen Stromerzeugung erhoffen, dürften noch einige Zeit brauchen, bis sie die kritische Marktreife erreichen.


