10 Bewertungen *****
08.12.2008 
Islam-konform

Arabien: Geschäftschancen bei Lebensmitteln

von Achim Haug und bfai

Viele arabische Länder müssen Lebensmittel importieren. Entscheidend dabei: Die Erzeugnisse müssen nach islamischen Regeln hergestellt worden sein - dann bieten sich Unternehmen große Geschäftschancen. Das weltweite Marktpotenzial liegt bei 600 Milliarden Dollar.

Arabische Länder exportieren Öl, importieren aber sehr viele Lebensmittel. Foto: ArchivLupe

Arabische Länder exportieren Öl, importieren aber sehr viele Lebensmittel. Foto: Archiv

DUBAI. Die Staaten der Arabischen Halbinsel müssen ihre Lebensmittel überwiegend importieren. Dabei ist nicht nur zu prüfen, ob das Produkt nach dem islamischen Glauben erlaubt, sondern auch, ob der Verarbeitungsprozess mit den Vorschriften konform ist. Und es sind nicht nur Nahrungsmittel, die kontrolliert werden, auch Kosmetika und Medikamente treten in den Fokus. Der weltweite Markt für Lebensmittel und Verbrauchsgüter, die den Halal-Regeln entsprechen, dürfte mittlerweile einen Umfang von 600 Mrd. US$ erreicht haben.

Das Marktpotenzial für Produkte, die nach islamischen Regeln hergestellt werden, ist enorm: Auf der Arabischen Halbinsel leben etwa 62 Mio. Menschen, vorwiegend Muslime. Weltweit gibt es, je nach Schätzung, zwischen 1,0 Mrd. und 1,5 Mrd. Anhänger des Islam, eine Zahl, die, von welcher Basis auch immer, weiter deutlich zunehmen wird.

Allen Islam-Gläubigen gemein sind die islamischen Vorschriften, die zwischen halal - erlaubt - und haram - verboten - unterscheiden. Im Wesentlichen wird die Schächtung von Tieren verlangt, während der Genuss von Schweinefleisch, fleischfressenden Tieren, Blut und Alkohol verboten ist.

Die Regeln stammen aus der Zeit unverarbeiteter Lebensmittel. Bei der heutigen industriellen Massenproduktion stoßen Hersteller, wollen sie den Vorschriften vollständig genügen, auf hohe Anforderungen. So wird in vielen Verarbeitungsschritten Gelatine eingesetzt, zum Beispiel bei der Klärung von Fruchtsäften. Gelatine aber wird in Europa oft aus Schweineteilen hergestellt. Produzenten, die es genau nehmen, müssen deshalb Gelatine verwenden, die aus Fischteilen oder pflanzlich erzeugt wurde.

Auch Chemikalien und andere Nahrungszusatzstoffe können regelmäßig Gelatine oder Alkohol enthalten. Je mehr das Wissen über solche Produktionsabläufe zunimmt, umso mehr Beachtung findet in der muslimischen Welt auch die Verwendung von Schweineteilen oder Alkohol bei Gegenständen des täglichen Bedarfs, beispielsweise bei handelsüblichen Kosmetika und Pharmaka.

Wie groß der weltweite Markt für Halal-Produkte ist, lässt sich schwerlich sagen und ist wohl auch eine Frage der Definition. Auf dem Global Halal Forum in Malaysia, 2006, war die Rede von 580 Mrd. US$, bei einem erwarteten Anstieg auf 1.000 Mrd. $ bis 2010. Andere Schätzungen liegen schon jetzt bei über 2 Billionen $.

Nach Schätzungen des kanadischen Landwirtschaftsministeriums, der Agriculture and Agri-Food Canada, entfallen derzeit rund 12% des weltweiten Nahrungsmittelhandels auf Halal-Produkte, ein Anteil, der bis 2025 auf 20% steigen könnte. Der weltweite Markt für Halal-Kosmetik wurde auf der "Halal Expo 2008" in Dubai auf 560 Mio. $ geschätzt, bei einem Gesamtumsatz der Kosmetikbranche im Nahen Osten von 1 Mrd. $ im Jahr 2008.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Blogkommentare zu diesem Artikel

weiterHandelsblatt Quiz

Quiz : Firmennachfolge: Der Nächste, bitte!

Los geht's!Tausende Unternehmen stehen in Deutschland jedes Jahr vor einem Generationenwechsel. Die Nachfolge ist nicht nur die Schlüsselübergabe von einem Chef...

weiterBlickpunkt Mittelstand

Installateure profitieren von direktem Kundenkontakt  Artikel in Merkliste

Das Aufstellen von Solaranlagen ist mittlerweile klassisches Handwerk. Quelle: ap

Kleine Handwerksbetriebe sind häufig die ersten Ansprechpartner für Solaranlagen-Käufer. Dachdecker, Sanitärinstallateure und Elektrotechniker statten Privathäuser und kleine Firmen in ihrem direkten Umfeld mit Anlagen aus. Die wachsende Bedeutung der lokalen Installateure haben die Solar-Hersteller längst erkannt. Artikel


Auch im Ausland solide bleiben  Artikel in Merkliste

Facility Manager Voith zählt zu den Top-Unternehmen der Branche.

Was mit einem Wischmob und einem Putzlappen begann, ist mittlerweile eine der größten Reinigungsfirmen der Branche. Klüh Service Management reinigt weltweit Gebäude und betreibt Filialen in Dubai, Moskau und Peking. Wie viele Firmen der Branche ist Klüh seit Jahrzehnten in Familienbesitz - und soll es bleiben. Artikel


Mentoring nützt Chef und Nachwuchs 

Junge Führungskräfte können sich bei einem erfahrenen Mentor immer Rat und Hilfe holen. Quelle: ap

Mentoren greifen nicht nur Nachwuchsführungskräften unter die Arme. Sie helfen auch gestandenen Unternehmern dabei, sich beruflich und persönlich weiter zu entwickeln. Dabei geben Mentoren ihre Erfahrungen und Kontakte an ihre Schützlinge weiter. Welche Voraussetzungen ein Mentor erfüllen muss, und wie Unternehmer den passenden finden. Bildergalerie


Geschmiert wird nur bei den anderen  Artikel in Merkliste

Welche Praktiken treffen Unternehmen, um sich vor Fehlverhalten ihrer Mitarbeiter zu schützen? Eine neue Studie zeigt: Mit der Schaffung einer Compliance-Abteilung ist es nicht getan. Quelle: dpa

Während die großen Konzerne spätestens seit dem Siemens-Skandal ihre Compliance-Strukturen ausgebaut haben, können nur die Hälfte aller mittelständischen Unternehmen etwas mit dem Begriff Compliance anfangen. Und nur bei 40 Prozent der Firmen kümmert sich jemand explizit um das Thema. Warum die Mittelständler das Thema Compliance unterschätzen. Artikel


Zahlungsmoral steigt wieder an  Artikel in Merkliste

Vor allem der Mittelstand freut sich, wenn die Zahlungsmoral steigt. Quelle: Pressebild

Aufträge zu bekommen ist das eine, die abgelieferte Leistung am Ende auch bezahlt zu bekommen das andere. Unter mangelnder Zahlungsmoral leiden vor allem Mittelständler, weil sie die Lücken immer schwerer überbrücken können. Nun hat eine Studie ergeben: Es gibt Besserung, aber noch keine Trendwende. Artikel